Wie Coca-Cola weiter in Mehrwegverpackungen investiert | Coca-Cola DE

Wie Coca-Cola weiter in Mehrwegverpackungen investiert | Coca-Cola DE

Uwe Kleinert, Leiter Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung bei der Coca-Cola GmbH, über die Haltung des Unternehmens zu Mehrweg- und Einwegpfandflaschen, Recycling und eine Welt ohne Müll. 

 

Uwe Kleinert UWE KLEINERT, Leiter Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung bei der Coca-Cola GmbH

 

Wie steht Coca-Cola generell zum Mehrwegsystem?

 

„Mehrwegverpackungen sind und bleiben ein wichtiger Teil unseres Sortiments. Wir sind der größte Mehrweganbieter für Erfrischungsgetränke in Deutschland. Allein in den letzten vier Jahren hat die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP DE) über 250 Millionen Euro in die Mehrwegabfüllung investiert: in neue Mehrweggebinde, in den Ausbau unseres Mehrwegflaschenpools und in neue Mehrwegkisten. Erst im vergangenen Jahr wurden zwei neue Mehrwegproduktionslinien in Betrieb genommen und mit der 1-Liter-Glasflasche für Coca-Cola Classic, Coca-Cola Zero Sugar und das Mineralwasser ViO eine neue Mehrwegpfandflasche auf dem deutschen Markt eingeführt.“

 

Werden Sie denn auch in der Zukunft in Mehrweg investieren? 

 

„Es sind weitere Investitionen in Mehrweg geplant: Beispielsweise arbeitet Coca-Cola European Partners Deutschland daran, eine wiederverschließbare 0,4-Liter-Glasmehrwegpfandflasche einzuführen – für Coca-Cola und weitere bekannte Getränkemarken.“ 

 

Wie hoch ist denn der Anteil an Mehrwegverpackungen bei Coca-Cola derzeit?

 

„2019 betrug unser Mehrweganteil 38,8 Prozent. Damit liegt Coca-Cola deutlich über dem Branchendurchschnitt der Erfrischungsgetränke. Zählt man alle Getränke in den unterschiedlichen Packungsgrößen zusammen, bieten wir etwa 100 Artikel in Mehrweg an.“

 

Warum ist der Mehrweganteil in den letzten Jahren dennoch gesunken?

 

„Seit den 2000er Jahren haben sich Marktanteile im Lebensmittelhandel verschoben. Erfrischungsgetränke werden zu erheblichen Teilen bei Discountern gekauft, die mehrheitlich Einweg anbieten. Dementsprechend bieten auch wir in diesem Bereich vor allem Getränke in Einwegpfandverpackungen an. 

 

Außerdem leben die Menschen heute flexibler. Die Haushalte werden kleiner. Verbraucher kaufen ganz pragmatisch je nach Lebenssituation und Anlass. Wir setzen deshalb auf einen Mix von Einwegpfand- und Mehrwegpfandverpackungen in verschiedenen Größen. Wir bieten unseren Konsumenten eine Auswahl an – nicht nur im Hinblick auf unsere Produkte, sondern auch im Hinblick auf die Verpackungen.“

 

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Welche Mehrwegflaschen bieten Sie konkret in Deutschland an?

 

„Mit der Abfüllung der ersten Coca-Cola in der kleinen 0,2 Liter-Glasflasche hat das Unternehmen vor über 90 Jahren das Mehrwegpfandsystem für Erfrischungsgetränke in Deutschland begründet. Coca-Cola hat auch die erste Kunststoffmehrwegflasche entwickelt, übrigens hier in Deutschland, und auch hier auf den Markt gebracht. Derzeit bieten wir neben der 1-Liter-PET-Mehrwegpfandflasche auch Glasmehrwegpfandflaschen in den Größen 0,2 Liter, 0,25 Liter, 0,3 Liter, 0,33 Liter, 0,5 Liter, 0,7 Liter, 0,75 Liter und 1,0 Liter an. Zukünftig kommt noch die 0,4-Liter-Glasmehrwegpfandflasche dazu."

 

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Mehrwegflaschen gelten als ökologisch vorteilhafter. Warum füllen Sie nicht einfach mehr Getränke in Mehrweg ab?

 

„Einfache Antworten klingen gut, aber sie werden der Komplexität des Themas nicht gerecht. Uns geht es um die Berücksichtigung aller relevanten Umweltauswirkungen einer Verpackung über den gesamten Lebenszyklus. Auf dieser Basis möchten wir alle Verpackungen kontinuierlich weiter ökologisch verbessern. Deshalb haben wir sowohl unsere Mehrweg- als auch unsere Einwegpfandflaschen in der Vergangenheit optimiert, indem wir sie zum Beispiel leichter gemacht oder bei der Herstellung von Einwegverpackungen mehr Recyclingmaterial verwendet haben. Alle unsere Verpackungen aus PET, Glas, Weißblech und Aluminium sind recycelbar. 99,9 Prozent unserer Verpackungen sind bepfandet. Sie kommen über das Pfandsystem zurück und werden wieder befüllt (Mehrweg) oder recycelt (Einweg). Wir sehen gebrauchte Verpackungen als Wertstoffe. Denn unser Ziel ist die Kreislaufwirtschaft.“

 

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Sie sind einer der größten Plastikproduzenten. Plastik in den Weltmeeren ist eines unserer großen Umweltprobleme. Wie sehen Sie die Umweltfolgen Ihres Handelns?

 

„Coca-Cola hat 2018 gemeinsam mit Regierungsvertretern und Branchenführern aus aller Welt die Ocean Plastics Charter unterzeichnet. Die Ocean Plastics Charter zielt darauf ab, Abfall zu vermeiden und sicherzustellen, dass wiederverwendbare Kunststoffe entwickelt werden. Denn Kunststoff ist ein wichtiger Werkstoff, wir müssen nur richtig damit umgehen. Gebrauchte Kunststoffe dürfen nicht zu Abfall werden. Sie gehören zurück in den Wertstoffkreislauf. Uns geht es um eine Welt ohne Müll, nicht um eine Welt ohne Kunststoff. Wir wollen, dass keine unserer Verpackungen im Meer oder in der Landschaft landet.

 

Deshalb haben wir uns bis 2030 weltweit zum Ziel gesetzt, dass wir für jede Verpackung, die wir in den Markt bringen, eine Verpackung zurücknehmen, um sie zu recyceln. Dies hat unser CEO James Quincey mit unserer Initiative „Eine Welt ohne Müll“ beim Weltwirtschaftsforum 2018 unterstrichen. In Deutschland ist der Wertstoffkreislauf über das Pfandsystem bereits heute nahezu geschlossen. Um ihn komplett zu schließen, setzen wir für die Produktion neuer Getränkeflaschen auch Altmaterial aus gebrauchten PET-Getränkeflaschen ein. Bereits jetzt haben wir bei den meisten PET-Einwegverpackungen in den Größen 0,5 Liter und kleiner mindestens 50 Prozent Anteil an recyceltem PET, im Durchschnitt aller unserer Einwegpfandflaschen sind es rund 30 Prozent.“

 

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Was unternimmt Coca-Cola, um den Anteil von recyceltem Kunststoff in neuen Flaschen zu erhöhen?

 

„Unser Ziel ist es, bis 2023 den durchschnittlichen Anteil von recyceltem PET in all unseren Einwegpfandflaschen auf 50 Prozent zu erhöhen. Bereits bis Ende 2020 werden alle PET-Einwegflaschen der Marke ViO zu 100 Prozent aus recyceltem Material bestehen. Es ist aber noch nicht genügend qualitativ hochwertiges PET-Rezyklat verfügbar, das den hohen Ansprüchen für Lebensmittelverpackungen genügt. Denn wir haben zwar ein gutes Pfandsystem mit sehr hohen Rücklauf- und Recyclingquoten, aber die Nachfrage nach diesem sortenreinen Material ist sehr hoch.

 

In Deutschland wird ein Drittel des Rezyklats aus Getränkeflaschen wieder für Getränkeflaschen verwendet. Der Rest geht in andere Verpackungen und Folien, in Textilfasern oder andere Produkte. Deshalb investieren wir auch in innovative Recyclingverfahren, bei denen jegliches PET-Material, also nicht nur PET aus Getränkeflaschen, benutzt werden kann, um lebensmitteltaugliches PET herzustellen. Zusammen mit Ioniqa Technologies und anderen Partnern arbeiten wir daran, aus Kunststoffen mit unterschiedlicher Farbigkeit und Beschaffenheit lebensmittelsichere Verpackungen herzustellen. Darüber hinaus hat Coca-Cola 2019 gemeinsam mit Partnern eine Musterflasche vorgestellt, die aus Plastikmüll von Stränden und aus dem Meer hergestellt wurde. Diese Innovation beweist, dass eines Tages sogar die Plastikabfälle aus dem Meer wieder für Lebensmittel- und Getränkeverpackungen verwendet werden können.

 

Es gibt keinen Königsweg, aber viele Wege in die richtige Richtung. Wir investieren weiter in die Mehrwegabfüllung, wir erhöhen den Anteil an recyceltem PET in Einwegpfandflaschen und wir schließen den Wertstoffkreislauf in unserer Produktion.“