WASSER IST der wichtigste Inhaltsstoff unserer Getränke. Aber auch bei Produktion und Abfüllung wird Wasser benötigt, etwa zum Spülen der Flaschen. Diesen Verbrauch verringern wir Jahr für Jahr, auch in Deutschland. Hier sollen bis 2025 noch einmal insgesamt 20 Prozent eingespart werden.

Die Umweltkoordinatoren von Coca-Cola überprüfen den gesamten Produktionsprozess. Manchmal finden sie undichte Stellen – und noch öfter Einsparpotentiale.

Victoria Zacharek, Fachkraft für Energie und Umwelt in Mannheim
VICTORIA ZACHAREK und ihr Team in Mannheim entdeckten defekte Abwasserklappen

Zum Beispiel durch kontinuierliche Überwachung des Verbrauchs. Wie entscheidend ein genaues Monitoring der Anlagen ist, hat Victoria Zacharek, Fachkraft für Energie und Umwelt in Mannheim, erlebt: Die 27-Jährige und ihr Team entdeckten undichte Abwasserklappen an einer Flaschenwaschmaschine, aus denen selbst bei Stillstand Wasser austrat. Kleines Leck, großer Verlust: „Nachdem wir den Schaden behoben und noch andere Verbesserungen vorgenommen hatten, sank unser Wasserverbrauch um rund 14.000 Kubikmeter im Jahr“, sagt Zacharek. „Das ist in etwa soviel Wasser, wie in 50.000 Badewannen passt.“

Danach überprüften sie und ihre Kollegen Schritt für Schritt den gesamten Produktionsprozess. So wurde beim Bau einer neuen Glas-Mehrweglinie, die nun eine PET-Mehrweglinie und eine Einweglinie ergänzt, auch in eine sparsamere Flaschen-Waschmaschine investiert. Sogenannte Trockenbänder aus einem speziellen Kunststoff ersetzen darüber hinaus die Laufbänder an der anderen Linie. Der Vorteil: Sie müssen nicht mit Wasser benetzt werden. „So sparen wir weitere 4.300 Kubikmeter Wasser“, rechnet Zacharek vor. Mit 1,6 Liter Wasser pro Liter Getränk sei so der Gesamtwasserverbrauch am Standort im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken.

Gregor Heinze, Koordinator Wasseraufbereitung in Genshagen
GREGOR HEINZE, Koordinator Wasseraufbereitung in Genshagen

Noch achtsamer mit Wasser umzugehen, darum geht es auch dem 31-jährigen Gregor Heinze: Der angehende Getränkebetriebsmeister ist am Standort Genshagen Koordinator für die Wasseraufbereitung. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 1,18 Litern pro Liter Getränk zählt der Betrieb südlich von Berlin, wo auf drei Einweglinien produziert wird, zu den wassereffizientesten in ganz Europa. Doch auch hier wird weiter gespart. Das Ziel, das Heinze anstrebt, heißt in diesem Jahr: 1,16 Liter.

Bei einem Produktionsvolumen von 300 Millionen Litern zählt jeder Milliliter

Nicht viel, könnte man denken. Doch: „Es geht hier um Milliliter“, sagt Heinze. „Aber die machen bei einem jährlichen Produktionsvolumen von 300 Millionen Litern einen großen Unterschied.“

Die besten Chancen, ihr Einsparziel zu erreichen, haben sie, wenn alles störungsfrei läuft. Jede Unterbrechung des Produktionsablaufes macht zusätzliche Spülungen der Anlage erforderlich – und erhöht damit den Wasserverbrauch. Deshalb gilt es hier besonders, Defekte zu vermeiden oder möglichst früh zu entdecken: „Deshalb prüfen wir pro Schicht einmal alle Anlagenteile und Messwerte.“

Was außerdem zu dem herausragenden Wasserwert in Genshagen beiträgt: Anstelle von Wasser benutzen Heinze und sein Team Silikon für die Schmierung der Transportbänder, und auch das Reinigungswasser, das beim Ausspülen der Anlagen anfällt, wird wiederverwendet. Zuletzt wurde auch in größerem Umfang in die Wasseraufbereitung investiert: Für rund 170.000 Euro wurden Membranelemente der Nanofiltration und Umkehrosmoseanlage ausgetauscht, sodass wirklich jeder Tropfen des reinen Wassers in die Produktion gelangt und nicht durch kleinere Verstopfungen im Filter vorher abfließt.

Jan Martin, Umweltkoordinator, Mölln
JAN MARTIN vor der Kistenwaschanlage in Mölln, die jetzt mit wiederverwendetem Prozesswasser spült

Vor einer ganz anderen Situation steht Jan Martin in Mölln. Der 26-jährige Brauer und Wirtschaftsingenieur ist dort seit Anfang des Jahres Umweltkoordinator. In Mölln füllt Coca-Cola auf zwei Linien ausschließlich PET-Mehrwegflaschen ab.

Vor jeder Abfüllung werden die Flaschen gründlich gereinigt – und dafür braucht es Wasser.

„Als reiner Mehrwegbetrieb haben wir natürlich einen höheren Wasserverbrauch als ein Standort, an dem auch oder nur Einwegflaschen befüllt werden“, erklärt Jan Martin. Dennoch gelang es mit klugen Sparmaßnahmen, den Wasserverbrauch pro Liter produzierten Getränks von 1,82 Liter in 2018 auf aktuell rund 1,73 Liter zu senken.

Was in Mölln zu der Ersparnis von rund 17.500 Kubikmetern beitrug, war die Entscheidung, Prozesswasser – so etwa die sogenannten Erstfiltrate und Spülwässer – wiederzuverwenden. Diese entstehen bei der Aufbereitung von Stadtwasser für die Getränke selbst sowie den Produktionsprozess. „Dieses Wasser setzen wir jetzt für die Schmierung von Laufbändern oder in der Kistenwaschmaschine ein“, so Martin. „So sparen wir Frischwasser.“

Leonhard Struck, Umweltkoordinator in Hildesheim
LEONHARD STRUCK, Umweltkoordinator in Hildesheim, prüft an einem Wasserzähler den Frischwasserzufluss zu einem Aktivkohlefilter

Auf diese Weise war es auch bei der Coca-Cola Abfüllung in Hildesheim möglich, rund 16.000 Kubikmeter Frischwasser einzusparen. Das Jahresziel von 1,6 Liter Wasser pro produziertem Liter Getränk wurde inzwischen deutlich unterschritten. „Aktuell liegt unser Verbrauch bei rund 1,5 Liter pro Liter“, sagt Umweltkoordinator Leonhard Struck. Das sei schon gut – aber noch nicht gut genug. Der 26-Jährige hat Energieeffizienz studiert und ist seit Januar dabei, weitere Ansätze zur Wassereinsparung bei Coca-Cola in Hildesheim umzusetzen.

Großes Einsparpotenzial verspricht eine Streckung der Intervalle, innerhalb derer die Aktivkohlefilter zur Wasseraufbereitung sterilisiert werden: „Bislang haben wir dies wöchentlich getan. Nun hat sich gezeigt, dass es ausreicht, die Filter alle zwei bis drei Wochen zu sterilisieren. Dazwischen erfolgen Rückspülungen, um die mikrobiologische Qualität zu erhalten“, sagt Leonhard Struck. „So lassen sich zusätzlich rund 8.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr sparen.“ Insgesamt beliefen sich die Einsparungen in Hildesheim in diesem Jahr auf 26.000 Kubikmeter.

Friedrich Hein, Umweltkoordinator in Lüneburg
FRIEDRICH HEIN, Umweltkoordinator in Lüneburg, hat einen neuen Rekord erreicht

Ressourcen schonen und sinnvoll einsetzen – das ist Friedrich Heins Mission. Der 31-Jährige ist Umweltkoordinator in Lüneburg und steht vor einer doppelten Herausforderung: In Lüneburg werden auf drei Einweg- und zwei Mehrweglinien vor allem Mineralwasser sowie Schorle und Limonaden der Marke ViO abgefüllt. Hein muss dabei nicht nur den Verbrauch von normalem Stadtwasser, sondern auch den von Wasser aus den Mineralwasserbrunnen im Blick haben.

Denn dieses kommt nicht nur in die Flasche, sondern wird auch im Produktionsprozess gebraucht: „Wenn die Mineralwasseraufbereitungsanlagen rückgespült werden, muss für diesen Reinigungsvorgang extra Mineralwasser verwendet werden – Stadtwasser wäre nicht zulässig“, erklärt Hein. Um dabei das Wasser noch sorgsamer zu verwenden, wurden die Zyklen für das Rückspülen verlängert.

Der Verbrauch in Lüneburg wurde seit 2016 um mehr als 25 Prozent reduziert

Nun wird das für das Ausspritzen der Flaschen vor der Befüllung verwendete Mineralwasser aufgefangen, gefiltert und zum Reinigen genutzt. Bei anderen Reinigungsprozessen wiederum war es möglich, Mineralwasser durch aufbereitetes Stadtwasser zu ersetzen: „Bei Störungen in der Abfüllung von Limonade muss diese komplett aus den Maschinen gespült werden – und dafür wurde zuvor Mineralwasser verwendet“, sagt Hein. Dank solcher Umstellungen ist der Mineralwasserverbrauch in den vergangenen Jahren in Lüneburg deutlich gesunken: 2016 lag er noch bei 1,48 Litern pro Liter, 2018 bei 1,28 Litern. In der vergangenen Woche konnte sich Hein über einen Rekord freuen: „Erstmalig lagen wir bei 1,08 Liter pro Liter Mineralwasser.“