Vero - das neue soziale Netzwerk ist das Thema Nummer eins im Netz. Influencer stürmen die Plattform und die Server gehen in die Knie. Dabei existiert Vero schon seit 2015. Warum meldet sich nun die halbe Menschheit bei Vero an?

Hören oder lesen? Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:

DERZEIT KOMMT man nicht daran vorbei. Hat man mehr als drei Verfolger plus Mutti bei Instagram, so ist die Neuanmeldung bei Vero schon Pflicht. Ich selbst habe mich auch anmelden wollen, als ich im Wartezimmer beim Zahnarzt saß. Doch die Server ächzten unter der Last. Aktuell ist es schon ein großes Glück, wenn man bei Vero überhaupt einen Post erfolgreich versenden kann.

Vero soll künftig Geld kosten und dennoch melden sich sogar Dutzende Schwaben an.

Warum melden sich plötzlich alle Erdlinge vom Influencer bis zur Reiseverkehrskauffrau bei Vero an? Das fragen sich nicht nur viele Experten, denn die Plattform existiert bereits seit dem Jahr 2015 und der Hype entstand jetzt wahrscheinlich nicht ganz zufällig. Kritiker vermuten eine bezahlte Influencer-Kampagne, auch wenn Gründer Ayman Hariri dem vehement widerspricht. War es allerdings doch bezahlt, so zeigte das oft verteufelte Influencer-Marketing anscheinend doch manchmal Wirkung.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
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Welchen wahnsinnigen Vorteil bietet Vero eigentlich? Kann dieses Social Network etwa Wasser zu Whisky verwandeln? Erhält man vielleicht bei jeder Anmeldung kostenloses mobiles Datenvolumen? Schneidet die App Ryan Gosling in jedes hochgeladene Foto? Was ist dran am Hype um Vero?

Mark Zuckerberg dürfte davon nicht begeistert sein. Vero bietet nämlich kein besonderes Feature, sondern positioniert sich einfach klar als kostenpflichtige Alternative zu Facebook. Richtig gelesen! Vero soll künftig Geld kosten und dennoch melden sich sogar Dutzende Schwaben an. Die erste Million User erhält nämlich eine kostenlose Mitgliedschaft auf Lebenszeit.

Warum nur sind Menschen so scharf auf ein kostenpflichtiges Social Network, welches nicht einmal ein besonderes Feature zu bieten hat? Das liegt am Manifest des Dienstes. Die Gebühren sollen Vero dauerhaft finanzieren und Werbung in der Timeline verhindern. Dazu will man nicht täglich den Algorithmus verschlimmern, sondern immer die neuen Beiträge von Freunden und Bekannten chronologisch anzeigen. Vero ist, wie man sich Facebook mittlerweile wünscht.

Rob Vegas - Vero
IN Vero veritas? Zukünftige Kosten scheinen die Nutzer nicht abzuschrecken

Dafür sind Menschen sogar bereit, Geld zu zahlen. Weil sie anscheinend genervt von Facebook sind. Eigentlich könnte so auch ProSieben einfach Geld von seinen Zuschauern verlangen, wenn sie keine alte Folge von „The Big Bang Theory“ sehen wollen. Oder eine „Apotheken Umschau“ nur mit Gesundheitstipps und ohne Werbung von Pharmaunternehmen. Ein Playboy nur mit Fotos und ohne die lästigen Artikel. Obwohl: Der Playboy kostet ja schon Geld und die Interviews sind großartig.

Lohnt es sich jetzt noch, auf den Hype aufzuspringen und sich bei Vero anzumelden?

Wie schaffte es Vero zeitweise sogar auf Platz eins der App-Stores? Im Netz brodeln die Gerüchte. Noch interessanter als der Ansatz von Vero ist aktuell sein Gründer: Der libanesische Milliardär Ayman Hariri, dem illustre Geschäftspraktiken als Bauunternehmer nachgesagt werden. Vielleicht tüftelt Netflix mittlerweile schon an einer Verfilmung.

Da steckt sicher Stoff für eine spannende Serie drin. Aber lohnt es sich jetzt noch, auf den Hype aufzuspringen und sich bei Vero anzumelden? Entspannung ist hier angesagt. Der Hype ist nach gefühlten acht Tagen schon fast wieder vorbei und mittlerweile versuchen auch schon viele Early Adopter, ihr Profil wieder zu kündigen. Doch auch hier tickt Vero ein wenig anders als die Konkurrenz. Man kann nicht einfach sein Profil in den Einstellungen mit einem dafür vorgesehenen Button deaktivieren und über den Jordan fliegen lassen. Vielmehr muss man eine Mail an den Kundensupport von Vero schreiben und dieses „Ticket“ wird dann erst einmal überprüft.

Da ist mir ProSieben eigentlich lieber. Habe ich keine Lust auf eine weitere Wiederholung von „The Big Bang Theory“, schalte ich Kiste einfach aus und lese die „Apotheken Umschau.“