Die EU hat beschlossen, Wegwerfprodukte aus Kunststoff weitgehend abzuschaffen. Voraussichtlich in zwei Jahren soll es auch keine Strohhalme aus Plastik mehr geben. Unsere Autorin testet schon mal die Alternativen

„MIT STROHHALM?“ fragt der Kellner. „Nein, danke“ antworte ich. Aber das laut gerufene „Jaa!“ meines Sohnes kam schneller. Und an ihn war die Frage gerichtet. Meistens setze ich mich in solchen Situationen durch. In diesem Fall nicht. Wir sitzen in einem Restaurant und haben etwas Wartezeit zu überbrücken. Ich selbst trinke meine Coke am liebsten direkt aus der Glasflasche. Aber der Strohhalm macht Kindern und Erwachsenen einfach Spaß. Und einen gewissen Nutzen hat er auch. Nicht nur für Menschen mit Behinderungen oder nach einer Zahn-OP. Auch Gesunden hilft er bisweilen, manche Cocktails mit crushed ice oder Minz-Zweigen, Smoothies, Eiskaffee, Milchshakes mit Anstand zu trinken. Außerdem hält Lippenstift besser mit Strohhalm.

„Der älteste bekannte Strohhalm war nicht aus Stroh und auch kein Wegwerfprodukt: Er war aus purem Gold.“ 

Das Material für Trinkhalme war schon immer einem Wandel unterworfen. Der älteste gefundene Trinkhalm bestand sogar mitnichten aus Stroh und war schon gar kein Wegwerfprodukt: Er war ein Röhrchen aus purem Gold, verziert mit einem Lapislatsuli. Gefunden wurde es in einem sumerischen Grab. Etwa 3000 vor Christus wurde damit vermutlich Bier geschlürft. Die Sumerer hatten wohl, genau wie wir, eine Abneigung gegen Kleinteile im Getränk und umgingen damit oben schwimmende Getreidehülsen. Die Sumerer waren aber nicht die einzigen, die früh zum Röhrchen griffen. Auch in Südamerika gibt es schon lange die Bombilla: Das ist ein Halm mit Siebeinsatz am unteren Ende. Er verhindert, dass beim Teetrinken Mateblätter im Mund landen. Erst viele tausend Jahre später kam der Strohhalm zu der Form, die wir heute kennen.

Seit das Bewusstsein für Plastikmüll sich verändert, laufen verschiedene Kampagnen gegen den Plastikhalm. Manche mir großem Erfolg. In Seattle ist er in Bars und Restaurants bereits verboten, andere Städte und Länder weltweit ziehen nach. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken um Ersatz.

„Die EU will viele Wegwerfartikel aus Kunststoff abschaffen. Wir könnten aber schon heute damit anfangen.“

Im Oktober 2018 hat die EU beschlossen, viele Wegwerfartikel aus Kunststoff abzuschaffen. Plastik-Besteck gehört dazu, Kaffee-Umrührstäbchen und Strohhalme. Wir könnten aber auch schon heute damit anfangen.

Trinkhalme aus alternativen Materialien
GUTES Gefühl im Mund: Schon jetzt gibt es viele Alternativen

1. Glas

Natürlich ist er zerbrechlich. So hart wie der Glashalm in der Glasflasche klingt, so komisch fühlt er sich zunächst beim Trinken an. Zu schnell ziehen sollte man nicht, sonst ist die Coke in Nullkommanichts leer. Es passt nämlich eine ganze Menge durch den großen Durchmesser.

Pluspunkt: der Halm ist spülmaschinengeeignet und damit kein Hygienerisiko wenn auf halber Höhe etwas von der Piña Colada hängen bleibt. Wenn er nicht runterfällt, ist er bestimmt für lange Zeit ein idealer Halm für den edlen Drink zuhause. Bei Kindergeburtstagen sollte er besser nicht zum Einsatz kommen.

2. Metall

Metall im Mund erinnert mich immer an den Zahnarzt. Nach dem ersten Schluck gewöhne ich mich an den Metallstrohhalm. Er fühlt sich allerdings anfangs kalt an. Auch der Metallhalm darf in die Spülmaschine und ist im Gegensatz zu seinem zerbrechlichen Konkurrenten auch geeignet für den abendlichen Ausgang. Vielleicht haben wir ja alle irgendwann unserem eigenen Halm in der Handtasche.

Pluspunkt: Er darf im Gegensatz zum Glashalm auch mal runterfallen und hält im Haus- und Bargebrauch ewig. Auch er kann in die Spülmaschine und möchte zusätzlich mit einem kleinen Bürstchen gereinigt werden. Weil Getränkereste im Metallhalm nicht zu sehen sind, sollte das auch gewissenhaft getan werden.

6 Alternativen zum Strohhalm aus Plastik
IN DIE RÖHRE schauen muss niemand: Manche Halme sind wiederverwendbar…

3. Bambus

Bambus sieht einfach schön aus und es macht ein wunderbares Geräusch wenn mehrere Halme gegeneinanderschlagen. Auge und Ohr trinken schließlich mit. Der Bambushalm verfärbt sich leicht in Getränken, er verändert aber nicht seine Form. Das Naturprodukt sollte von Hand gespült werden, dafür wird eine Minibürste mitgeliefert. Ewig hält der Bambushalm nicht. Aber nach seinem zweiten Leben als Trinkhalm, kann er schließlich noch ein drittes als Insektenhotel antreten.

Pluspunkt: Der Bambushalm wurde nicht geformt, nicht produziert, er ist einfach nur gewachsen. Jeder Halm ist ein Einzelstück. In der Packung gibt es Exemplare mit großem, mittlerem und kleinem Durchmesser. Da ist für jede Getränkekonsistenz und jeden Zug einer dabei. Die Natur hat eben an alles gedacht.

4. (Gras-)Papier

Bevor der Plastikhalm seinen Siegeszug antrat, hatte der Papiertrinkhalm seine große Zeit. Heute gibt es ihn wieder. Wie der Grashalm, so hat auch der Papierhalm kein ewiges Leben. Er weicht relativ schnell am unteren Ende durch. Dafür darf er danach auch in den Papiermüll.

Pluspunkt: Für Kindergeburtstage sind bunte Papierhalme in jedem Fall besser geeignet als Glas- und Metallhalme.

Der Halm aus verarbeiteter Grasfaser kommt seinem Vorgänger, dem echten Strohhalm aus Stroh, vermutlich recht nahe. Natürlich ist er eine Weiterentwicklung. Das Material hat mit der grünen Wiese nicht mehr viel zu tun und auch Heuschnupfengeplagte können bedenkenlos durch den naturfarbenen Halm trinken. Allerdings sollten sie schnell sein. Nach einer Viertelstunde wird der Grashalm recht weich. Wer sich stundenlang an einem Cocktail festhalten möchte, sollte einen anderen Halm wählen.  

Pluspunkt: Sicher einer der nachhaltigsten unter den Einweghalmen. Er ist federleicht und passt für den plastikfreien Barbesuch auch locker in die Handtasche. Nach Gebrauch kann er auf den Kompost oder in den Papiermüll.

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…einige werden auch mit Reinigungsbürsten geliefert. 

5. Apfelhalm

Makkaroni? Ja, so sieht er aus, der Apfelhalm. Und so trinkt es sich auch durch den eher kleinen Durchmesser. Ist aber keine Nudel, sondern der Nachhaltigkeits-Star unter den Halmen. Der Trinkhalm Eatapple besteht aus Apfeltrester kann nach dem Gebrauch einfach weggesnackt werden. So spart man sich sogar noch die Chips zum Getränk. Apfeltrester fällt bei Saftproduktion an, der Halm ist also nicht nur ein Recycling-, sondern auch noch ein Upcycling-Produkt. Wie der Grashalm sollte auch der Apfelhalm nur benutzt werden, wenn das Getränk nicht lange stehenbleibt. Er weicht nämlich von unten leicht auf. Dann schmeckt er auch nicht mehr so knusprig wie Apfelchips.

Pluspunkt: Unschlagbar nachhaltig und als einziger Trinkhalm essbar.

 

Mit dem Programm „World Without Waste“ hat Coca-Cola sich Ziele zur Müllvermeidung und Nachhaltigkeit gesetzt. Wir arbeiten an 100 Prozent wiederverwertbaren Verpackungen und werden bis 2030 weltweit für jede verkaufte Flasche oder Dose eine zurücknehmen und recyceln, egal ob sie von uns stammt oder nicht. Mehr Informationen dazu hier.