JOHN TRAVOLTA TANZT mit Uma Thurman. Eine Szene für die Ewigkeit in „Pulp Fiction“. Zwischen den beiden im Hintergrund: eine Leuchtreklame von Coca-Cola. In „Blade Runner“ strahlt der Coke Schriftzug in den düsteren Himmel über Los Angeles. Chris Pratt stärkt sich in „Jurassic World“ mit einer Coke. „Independence Day“, „King Kong“, „E.T.“ – Coca-Cola spielt im Kino die schönsten Nebenrollen. Und meist hat vorher jemand bei Michael Nusinow angerufen.

Michael Nusinow steht in seinem „Warehouse“, einem riesigen Lager mit Coca-Cola Materialien aus verschiedenen Jahrzehnten. Bis unter die Decke stapeln sich Kisten, Automaten, Kühlschränke, Plakate, Blechschilder, Speisekarten. Von außen lässt nichts an diesem schmucklosen Lagerhaus in North Hollywood vermuten, welche Schätze sich darin verbergen. Doch jeder Gegenstand hier ist bereit für seine 15 Minuten oder 15 Sekunden Ruhm.

„Coca-Cola bezahlt nicht für Product Placement, sondern hilft Filmschaffenden, das wahre Leben darzustellen.“

Nusinows Blick schweift suchend über die Glasflaschen, die aufgereiht in alten Holzkisten vor ihm stehen. Schließlich zieht er eine Flasche heraus, fährt mit dem Finger über die Schrift: „Das ist die Prägung der Flaschen aus den 50ern.“

Michael Nusinow
HÜTER der Coca-Cola Schätze: Michael Nusinow im „Warehouse“

Vor ein paar Jahren hat Nusinow einem Abfüller aus Kentucky mehrere Hundert Vintage-Flaschen abgekauft. Anders als Tausende von Sammlern auf der ganzen Welt, kauft er solche Erinnerungsstücke nicht aus Liebhaberei. Nusinow „castet“ seit mehr als 25 Jahren Brand-Artikel für Filmauftritte von Coca-Cola.

Angefangen hat alles in den 50er Jahren, als Coca-Cola ein Büro in L.A. eröffnete, um durch die Nähe zu Hollywood die Marke leichter ans Set und auf die Leinwand zu bringen. In den 90ern beauftragte Coca-Cola damit Nusinows Unternehmen Premier Entertainment, das sich seitdem um den historisch richtigen Einsatz kümmert, in Kinofilmen, Fernsehfilmen, Musikvideos und nun natürlich auch in Video-on-Demand-Produktionen für Plattformen wie Netflix. Premier Entertainment arbeitet dabei eng zusammen mit dem L.A. Marketing Team von Coca-Cola und dem Archiv in Atlanta.

Coca-Cola Vintage-Flaschen
FÜR JEDE ZEIT die richtige Flasche: das Lager von Premier Entertainment 

Anhand des Drehbuchs stellen Nusinow und seine Kollegen gezielt die passenden Requisiten für einen Film zusammen. Hat Nusinow einen Gegenstand nicht selbst auf Lager, greift er auf das Online-Archiv von Coca-Cola zurück. „Hier kann ich Wandschilder oder Werbungen eines bestimmten Jahres durchsuchen, Bildmaterial herunterladen und reproduzieren lassen.“ Ab und an kauft er auch mal etwas auf eBay.

Wie sahen die Werbetafeln im Jahr 1975 aus? Welche Leuchtwerbung zierte  den Times Square im Jahr 1996?

Nicht immer jedoch bekommt Nusinow Drehbücher mit konkreten Angaben vorgelegt. Es kommt vor, dass Ausstatter oder Bühnenbildner am Anfang nur eine vage Vorstellung haben. Etwa: „Die Szene spielt in einem Imbiss in den 50er Jahren... Was habt ihr dafür?“ Bei solchen Anfragen macht Nusinow Fotos von den passenden Gegenständen im Lager und schickt sie den Kunden. „Wenn sie interessiert sind, kommen sie vorbei und schauen sich um“, sagt Nusinow. „Wir haben so viele Dinge auf Lager, die einen Ort und eine Zeit lebendig werden lassen.“

Ted Ryan
TED RYAN, Chef-Archivar von Coca-Cola 

„Coke war von Anfang an in Filmen. Sei es als gemaltes Wandbild im Hintergrund oder als Flasche auf dem Tisch. Coke ist für vielen Szenen geradezu natürlich. Sie gehört einfach da hin“, sagt Ted Ryan, der Chef-Archivar von Coca-Cola. „Für mich hat das weniger mit Product Placement zu tun, sondern eher damit, dass wir Filmschaffenden dabei helfen, das wahre Leben nachzustellen.“

Auch Nusinow sagt: „Wir sind nicht hier, um Werbung zu machen. Wir wollen vielmehr erreichen, dass die Marke Coca-Cola auf natürliche Art und Weise in die Geschichte des jeweiligen Films einfließt. Wir helfen den Regisseuren, Authentizität in ihre Geschichten zu bringen.“

Coca-Cola Vintage-Flaschen
FÜR JEDE ZEIT die richtige Flasche: das Lager von Premier Entertainment 

So wie die Bandbreite der Produkte von Coca-Cola sich im Laufe der Jahre erweitert hat, so sind auch die Auftritte im Film vielfältiger geworden. „Wenn du einen Schauspieler im Kino oder Fernsehen mit einem Smartwater oder einem Honest Tea siehst, dann ist das wahrscheinlich genau das, womit er sowieso jeden Tag herumläuft“, sagt Ted Ryan.

Die „Rolle“ von Coca-Cola muss zu den Markenwerten passen. Gewaltszenen kommen nicht infrage. 

Gerahmte Fotos von Filmauftritten der stilvollen Flasche zieren die Wände. Ob Blockbuster oder Independent-Film spielt dabei keine Rolle. Außerdem sind immer reichlich Getränkekisten vorrätig (das Unternehmen bezahlt nicht für das Product Placement selbst, versorgt dafür aber oft Cast und Crew während der Dreharbeiten mit erfrischenden Getränken). Die Requisiten von Premier Entertainment sind Leihgaben und kommen nach ihrem Auftritt wieder zurück ins Warenlager.

Tara Piper, Director of Entertainment Marketing von Coca-Cola in Nordamerika, sorgt zusammen mit Premier dafür, dass Coca-Cola in einem angemessenen Kontext erscheint. Gewaltszenen zum Beispiel werden strikt abgelehnt. Beim „Casting“ für die einzelnen Produkte achtet sie genauestens darauf, dass jede „Rolle“ zu den Markenwerten passt.

Wenn er selbst ins Kino geht, hält Michael Nusinow immer Ausschau nach seinen Schätzen. Manchmal entdeckt er im Film eine Flasche aus den 50ern. Wie die aus seiner Vintage-Kiste. Er freut er sich dann immer noch wie ein kleiner Junge.