Virtuelle Influencer sind das neue Zauberwort im Marketing. Warum eigentlich noch tausende Euros an Instagram-Stars überweisen, wenn man einfach eine virtuelle Puppe zum Star in den sozialen Netzwerken machen kann?

Hören oder lesen? Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:


BISLANG FOLGEN die Bewohner des Planeten Erde noch gern echten Selbstdarstellern bei Instagram und belohnen Fotos mit mindestens zwanzig Filtern über Likes. Mittlerweile tummeln sich im Netz aber auch virtuelle Influencer mit Modelverträgen und echten Fans. Und in China gibt es so sogar schon virtuelle Nachrichtensprecher.

„Virtuelle Influencer können nicht zu ‚Promi Big Brother‘ gehen. Vielleicht ist das gar nicht so schlimm.“

Angefangen hat es mit Kunstprojekten, doch der Mainstream und die Werbetreibenden haben den Trend längst erkannt. Virtuelle Geschöpfe aus dem Rechner sind unendlich wandelbar, immer verfügbar und scheuen sich auch nicht vor Werbung für Holzdeckenlamellen.

Das ist auf den ersten Blick neu, edgy und auch ein wenig verrückt, doch virtuelle Stars gibt es schon ziemlich lange. Erinnern wir uns hier nur an Mickey Mouse oder Super Mario. Virtuelle Influencer bieten zwar kein Videospiel und auch keine eigene Comic-Serie, aber sie finden bei Instagram und Co. statt. Dort erzählen sie einfach über Fotos und Videos jeden Tag eine hoffentlich spannende Geschichte. Das Verrückte ist eher die Existenz neben realen Influencern. Virtuelle Influencer können halt schwer zu „Promi Big Brother“ gehen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlimm. Wir müssen sie nicht im echten Leben ertragen, sondern sie sind eingeschlossen im virtuellen Universum auf unseren Smartphones und zum Glück nicht allgegenwärtig in der echten Welt.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
Twitter: @robvegas
http://www.robvegas.de

Das Spiel mit den Emotionen beherrschen allerdings auch die virtuellen Geschöpfe aus der Renderfarm. Vor allem aber muss man sich eher Gedanken um die Hintermänner machen. Wobei es auch Hinterfrauen sein können. Warum gibt es eigentlich den Begriff der Hinterfrau noch nicht im Duden? Es wird Zeit für Gleichberechtigung!

Digitale Kunst- und gezeichnete Comicfiguren bieten immer die Gelegenheit, dass Fans und Follower eine emotionale Bindung aufbauen. Wir können uns sogar in sie verlieben. In Asien gab es vor einigen Jahren schon dutzende Fans eines angeblich neuen Mitglieds einer Girl-Band. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich dabei einfach um eine virtuelle Künstlerin handelte. Die Enttäuschung war groß, doch am Ende zählt nicht die virtuelle Kreation, sondern unser Gefühl. Man benötigt heute kein Hollywoodstudio mehr, um eine virtuelle Gestalt mit Leben zu füllen. Jedes neue Smartphone kann die Daten unserer Mimik erfassen und sie auf einen virtuellen Avatar übertragen. Insofern werden wir bald eine ganze Reihe von niedlichen Figuren im Social Web entdecken, welche dort ihr Unwesen treiben.

Mehr als 1,5 Millionen Follower hat zum Beispiel schon die Kunstfigur Miquela hinter sich versammeln können. Davon hätte Robert T-Online einst nicht träumen können! Ältere Semester erinnern sich vielleicht an die Werbefigur der Telekom.

Brauchen wir diesen Schmu aber nun wirklich auch noch im täglichen Stream unserer Smartphones? Ist nicht irgendwann auch das Ende der Fahnenstange erreicht? Müsste sich hier nicht langsam irgendein Ethikrat aus Oberursel einschalten? Oh nein! Man muss hier einfach die langfristige Entwicklung sehen und durch den Nebel der Zeit in die Zukunft blicken.

Ein menschlicher Luke Skywalker lebt nicht ewig, irgendwann haben die Drehbuchschreiber ein Problem mit dieser Figur im eigenen Universum von „Star Wars“. Virtuelle Persönlichkeiten dagegen sind auch im siebten Remake noch knitterfrei. Sie können schnell auf die neue Auflösung mit 32K im Jahr 2028 angepasst werden. Da klingelt die Kasse der Filmstudios wie ein Dauerton. Vor allem aber können sie auch für Tütensuppen werben und beschweren sich nicht, falls am Set kein frischer Hummer serviert wird. Sie kosten das Studio nicht einmal Gage! Das macht Verhandlungen mit hartgesottenen Agenten überflüssig. Nicht umsonst verdienen sich die Macher der Minions eine goldene Nase an den gelben Wesen, wenn sie glücklich sogar von Toilettenpapierpackungen strahlen.

Rob Vegas - virtuelle Influencer
DEIN IST mein ganzes Herz: Virtuelle Influencer sind immer und überall verfügbar

Klingt verrückt? Ist es auch, aber virtuelle Figuren sind nicht mehr aufzuhalten. Sie sind einfach zu lukrativ. Und die virtuellen Influencer sind nur Vorboten, welche uns einen kleinen Blick in die Zukunft gewähren. Vor allem haben diese Gestalten alle Talente schon eingebaut! Sie können singen, tanzen, perfekt schauspielern und sich jedem Lifestyle anpassen. Der Traum einer jeden Marke! Global und zu jeder Tageszeit für jeden Anlass verfügbar. Mit fortschreitender Technik, kann dann bald ein virtueller Influencer sogar wirklich noch ins Livebild von „Big Brother“ gesetzt werden. Dann wird es vielleicht noch spannend im Container.