Bitcoin! Das Wort hat es in kürzester Zeit auf den ersten Platz beim Smalltalk geschafft. Alle wollen mitverdienen. Aber wie? Und: Lohnt es sich jetzt noch, einzusteigen? Die Antwort liegt, wie oft im Leben, im flauschigen Fell einer Katze

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
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DAS SCHNELLE GELD winkt bei Kryptowährungen nicht nur dezent, es hämmert seit Monaten auf uns ein. Für jeden von uns seien Millionen im Spiel, ist überall zu hören. Und während man früher an den Börsen dieser Welt noch in Schweinehälften investierte, kann man heute seine erste Million auch mit bunten Katzen verdienen. Ich verstehe nicht viel von der internationalen Finanzwelt. Rät mir mein freundlicher Bankberater beim Kaffee mit trockenem Keks zu Anteilen an einer Bananenplantage in Südamerika, würde ich immer das Gegenteil machen – und etwa in seltene Erden aus China investieren. Das ist mein Weg durch den Dschungel der globalen Finanzprodukte.

 

„Besitzer von Grafikkarten-Plantagen schürfen längst nicht mehr nur Bitcoin. Sie sind längst bei Ethereum.“

Aktuell warnt die klassische Finanzwelt vor Bitcoin. Die Blase drohe jede Sekunde zu platzen. Dabei müsste man die Menschen gar nicht so sehr vor der neuen Kryptowährung warnen. Schon während des kalifornischen Goldrauschs von 1848 bis 1854 suchten viele Menschen ihr Glück als Goldgräber im Westen der USA und wurden oft enttäuscht. Bitcoin kann man ebenfalls „schürfen“ und die Menschen lockt das große Geld. Allerdings reicht auch hier nicht allein das Glück.

Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Robcast, pardon: Podcast

Wird man auf das Thema angesprochen, sollte man sich schnell als Großgrundbesitzer einer Grafikkarten-Plantage outen. Die Grafikkarten von AMD eignen sich dank ihrer Architektur auch besser als die Konkurrenz von Nvidia zum Bitcoin-Mining. Sie schürfen auch längst nicht mehr nur Bitcoin, sondern sind längst bei Ethereum unterwegs. Bitcoin ist in dieser Welt schon vergleichbar mit Fidget-Spinnern aus dem Jahr 2017.

Rob Vegas: Bitcoin
KOHLE, Knete, Asche: Das sind Kryptowährungen nicht, sie existieren nur virtuell

Mittlerweile gibt es täglich neue Kryptowährungen und Trends. Nur muss man sich diese Werte meist durch das Lösen von komplizierten Rechenoperationen verdienen. Also baut man den Hobbykeller daheim zur Bitcoin-Mine um und schürft möglichst energiesparend. Immerhin darf man am Ende des Tages nicht mehr Geld in Energie und Hardware investiert haben, als man mit der virtuellen Schürferei verdient hat. Hier lohnt es sich im Smalltalk aber auch schon darauf hinzuweisen, dass man alle Grafikkarten erst kürzlich bei eBay verscherbelt hat. Es lohne sich einfach nicht mehr als Privatperson in der Wohnstube zu schürfen, weil mittlerweile immer mehr große Serverfarmen als Konkurrenz beim Bitcoin-Mining unterwegs sind. Es gibt sogar immer wieder Versuche von Programmierern heimlich zu schürfen. So werden manipulierte Apps und Spiele veröffentlicht, welche die Rechenleistung fremder Smartphones und Rechner für diesen Zweck missbrauchen. Nur wie kommen wir jetzt selbst anständig zur ersten Million? Immerhin wollen wir alle den Jetset leben und ein Haus in den Hamptons besitzen. Investieren wir also in seltene Katzen!

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Kryptowährungen sind nicht einfach zu verstehen und selbst bekannte YouTuber bieten schon kostenlose eBooks zum Thema an, um damit ihren Kanal zu bewerben. Ein Wallet? Die Blockchain? Hash-Rates? Rewards? Schlüssel? Eine 51-%-Attacke? Das muss doch auch einfacher funktionieren. Immerhin wartet im Hafen von Monaco die neue Yacht mit Goldbeschlägen auf uns.

Rob Vegas: Bitcoin
DIGITALER Dukatenesel: Ist der Markt für Kryptowährungen nicht längst überhitzt? 

Wie kann man also schneller in die Badelatschen schlüpfen und noch fix auf den Kryptozug aufspringen? Katzen sind hier das Zauberwort. Eigentlich war es als Scherz gedacht, doch die Kryptokatzen konkurrieren im Wert bald mit seltenen Werken der klassischen Kunst. Der Wert der CryptoKitties hat einen eigenen Hype auf Basis der Kryptowährung Ether ausgelöst. Schon mehr als sieben Millionen Euro wurden in die virtuellen Tiere investiert und ein Ende ist nicht abzusehen. Dabei veranschaulichen die bunten Katzen in gewisser Weise die komplizierten Rechenoperationen und Werte als Bild. Je seltener das Muster der Katze, desto teurer ist das Tier. Paart man dann clever die eigenen Katzen, so kann man die Zucht bald gegen ein Einfamilienhaus eintauschen. Das allererste CryptoKitty ist mittlerweile mehr als 100.000 Euro wert. Kein schlechter Preis für einen ausgedachten Scherz. Dazu kommen noch Faktoren wie das Alter der Katze, ihre Seltenheit und wie oft sich eine Kryptokatze paaren kann. Der Paarungsprozess zur Erschaffung neuer Katzen kostet nämlich ebenfalls virtuelles Geld. Wahrscheinlich eröffnen an der Reeperbahn in Hamburg bald erste Etablissements zu diesem Zweck.

„Die neuen Experten können oft nicht einmal erklären, was genau eine Dividende ist.“

Es bleibt aber die große Frage hinter dem Hype um die Kryptowährungen. Lohnt es sich jetzt überhaupt noch, einzusteigen? Ist der Markt nicht längst überhitzt? Wie hoch ist das Risiko für mein echtes Geld, in der virtuellen Katzenwelt zu verbrennen? Die großen Player sind ja längst im Spiel.

Ich selbst hätte gar nicht die Zeit, mich neben Familie, Arbeit und dem Rücktransport von leeren Pfandflaschen zum Supermarkt auch noch mit einem virtuellen Portfolio seltener Stubentiger zu beschäftigen. Vor allem ist ein Hype meist vorbei, wenn selbst Zeitschriften im Wartezimmer beim Zahnarzt über den angeblichen Super-Trend berichten. Kommt ein Thema im Bereich von Newsletter-Spam an, sollte man sich fern davon halten.

Wirst du also zukünftig einmal in ein Gespräch über Bitcoin hineingezogen, so gibst du dich am besten vollkommen unwissend. Warte ab und lass die angehenden Finanzgenies über ihre Erfahrungen debattieren. Die neuen Experten können oft nicht einmal erklären, was genau eine Dividende ist. Streue daher lieber irgendwann lässig ein, dass du vor Jahren auf einer Reise in Asien aus Spaß mal ein paar Bitcoin gekauft hast. Und genieße die Veränderungen im Gesicht deines Gegenübers.