„Fortnite“ ist das große Thema bei Jugendlichen auf dem Schulhof. Ich selbst war lange skeptisch, doch das Spiel macht Laune und vor allem schnell süchtig. Mittlerweile tanzt der halbe Planet zu einem Videospiel. Verrückt! Immerhin können 68 Millionen Aufrufe für ein Tanzvideo nicht lügen

Hören oder lesen? Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:


IN MEINER JUGEND kopierten wir uns noch brav die Computerspiele mit einem CD-Brenner und spielten im Partykeller der Eltern Counter-Strike. Das war ein Teil meiner Popkultur und ich komme mir heute schrecklich alt vor. Denn: Das waren ja die Neunziger!

„Ich werde bald 35. Muss ich jetzt einen Termin beim Therapeuten machen?“

Erst vor einiger Zeit saß ich in einem italienischen Lokal und realisierte etwas verschämt, dass die Sängerin Blümchen am Nebentisch mit Freunden dinierte. Der Kellner brachte mir ein T-Bone Steak und Frau Wagner kommentierte diesen einfachen Vorgang sogar mit einem positiven Wort. Ich kann mich ehrlich nicht mehr genau daran erinnern, was sie genau gesagt hat, aber Blümchen war eine Stimme meiner Jugend und auf einmal sitzt man neben ihr im Restaurant und hat selbst ein Kind. Ich sollte dringend einen Termin beim Therapeuten machen. Mit bald 35 Jahren bahnt sich hier anscheinend eine mittelschwere Midlife-Crisis an.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens. Twitter: @robvegas, http://www.robvegas.de
Computerspiele waren auch schon in meiner Jugend das Thema Nummer eins auf dem Schulhof und Blümchen machte damals als Blossom sogar Karriere in Japan. Haben Sie auch gerade diesen Ohrwurm? Ganz fieser, kleiner Satellit. Hat sich sofort in meinem Ohr verfangen. Techno!

Heute haben die Kids Smartphone und sind nicht mehr auf CD-Rohlinge angewiesen. Habe ich gerade etwa Kids gesagt? Ich bin definitiv alt geworden!

Die Idee hinter „Fortnite“ ist simpel. Man wird auf einer großen Insel mit 99 weiteren Spielern abgeworfen und der letzte Überlebende gewinnt das Match. Dabei wird die Karte immer kleiner und am Ende findet das letzte Gefecht auf engstem Raum statt. Das hat „Fortnite“ mit den Partykellern der Neunziger durchaus gemein. Es war immer zu klein für die vielen Rechner und Pizzaschachteln. Diese Grundidee hinter „Fortnite“ hat sich aber zu einem Virus entwickelt. Der Planet spielt nicht mehr 24 Stunden am Tag „World of Warcraft“, sondern duelliert sich kostenlos bei „Fortnite“. Das Tolle an der Droge „Fortnite“? Sie ist Free2Play, also kostenlos.

Das mittlerweile auf acht Milliarden Dollar Firmenwert geschätzte Unternehmen Epic Games verdient aber anscheinend gut. Wieso? Es gibt natürlich massig virtuelle Gegenstände und Aktionen, welche nur durch einen Ingame-Kauf zugänglich sind. So wird ein Schuh für den Bankberater draus und die Chefetage von Epic Games kann sich sekündlich neue Häuser am Strand von Malibu kaufen.

Ich selbst bin ebenfalls infiziert und kann dafür gleich einen weiteren Termin beim Therapeuten buchen. Das Spielprinzip ist einfach und die Belohnung hat maximalen Effekt. Als Letzter auf dieser Insel gegen alle Mitspieler den Sieg errungen! Da macht man doch gern einen Freudentanz! Die Entwickler haben den Spielcharakteren kleine Animationen verpasst. Darin tanzen die Figuren einfache Nummern und weltweit haben die Spieler ihren Spaß daran, sie nachzuahmen. Dieses Ritual gehört zur Popkultur des Jahres 2018.

Rob Vegas - Fortnite
DIE MAGISCHE Formel von „Fortnite”: In-App-Käufe

„Fortnite“ hat durch diesen Freudentanz einen ähnlichen Effekt wie „Pokémon Go“. Auch das war nicht nur ein Videospiel, man konnte Menschen mit ihren Smartphones durch Parks und Wälder stapfen sehen.

Bei YouTube steht eine Dance Challenge zu „Fortnite“ aktuell bei 68 Millionen Aufrufen. Der ganze Planet ist also im „Fortnite“-Fieber! Da bekenne ich mich doch gern als Tänzer, welcher „Fortnite“ spielt und in den Neunzigern sogar zu Blümchen mitgesungen hat. Zum Glück existieren davon keine Videos bei YouTube.

Piep, piep, kleiner Satellit!