„Was sollen die schon mit meinen Daten machen?“ Diesen Satz hört man nicht selten in Gesprächen. Nun tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Das pfeifen die Spatzen sicher auch schon aus deiner In-Box. Was bedeutet das im Alltag?

DATEN SIND das neue Gold. Mit Daten kann man Wahlen gewinnen und muss nicht erst in Russland um Hilfe bitten. Und mit Daten von vielen Menschen kann man wunderbare Dinge anstellen. Man kann Menschen in Schubladen packen und dann die ganze Kommode an Politik oder Privatunternehmen verkaufen – und sich davon gleich mehrere Schiffe im Hafen von Monaco leisten.

„Das Internet erinnert noch immer an den Wilden Westen. Aber jetzt kommt ein neuer Sheriff.“

Vielleicht ist mein einzelner Datensatz dabei gar nicht immer so interessant, aber in der Masse wird daraus Macht. Dieses Thema kam erst kürzlich mit dem Skandal um Cambridge Analytica in die Schlagzeilen. Das Wahlkampfteam von Donald Trump nutzte Facebook-Daten im Wahlkampf und zahlte Millionen Dollar dafür.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
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Mit der neuen Datenschutzverordnung müssen Unternehmen nun mehr aufpassen. Man kann nicht mehr einfach jeden Besucher der eigenen Webseite tracken, seine Daten speichern und ihn mit Werbebannern für – sagen wir beispielsweise – einen neuen Smoothie-Mixer durch das Internet verfolgen. Die EU setzt jetzt klare Grenzen und will einheitliche Regeln für ganz Europa schaffen.

Wie sieht der digitale Alltag bislang aus? Man surft zum Beispiel auf einer Webseite und ein Video von YouTube wird geladen. Schon jetzt weiß Google in Amerika über den Aufruf des Videos Bescheid. Die eigene IP-Adresse wurde nach Amerika übertragen. Was passiert dort damit? Ich habe doch gar keine Reise in die Staaten genehmigt! In Zukunft muss vor Reiseantritt der eigenen Daten um Erlaubnis gebeten werden. Selbst wenn es den einfachen Nutzer mit den ganzen Pop-Ups zunächst vielleicht nerven wird, wird so dem Datentourismus ein Riegel vorgeschoben. Vor allem sind harte Strafen geplant. Hält sich Facebook nicht an diese neuen Regeln, so kann man das Unternehmen auf vier Prozent des Jahresumsatzes verklagen. Das gefährdet die Flotte im Hafen von Monaco und somit werden die Unternehmen besser aufpassen.

Rob Vegas - Datenschutz
KANN DAS WEG? 

Kommen wir zurück zum Alltag. Immerhin besitzen die meisten Menschen kein soziales Netzwerk mit Millionen Nutzern und schauen sich die Yachten in Monaco bestenfalls bei der Google-Bildersuche an. Die meisten von uns haben den neuen Regeln schon längst mit drei Klicks bei Facebook, WhatsApp und Co. zugestimmt. Da erscheint dann ein Fenster und man soll sich die ganzen Änderungen in der aktualisierten Datenschutzrichtlinie durchlesen.

Hast du schon den Disclaimer-Blues? Dann findest du in dieser Playlist auf Spotify den einen oder anderen süßen Cookie:

Wir scrollen fix runter, klicken auf „OK“ und können endlich der Mama in der Familiengruppe bei WhatsApp auf das süße GIF antworten. Das ist die Realität bei vielen Nutzern und auch so in Ordnung. Datenschutzbeauftragte befassen sich beruflich mit Datenschutzverordnungen. Otto-Normal-User steigt da meist schon nach der Überschrift aus.

„Wir scrollen runter, klicken auf „OK“ und können endlich der Mama bei WhatsApp auf das süße GIF antworten.“

Dennoch werden damit die Rechte des Verbrauchers gestärkt und wir können in Zukunft auch sehr viel besser die Löschung gesammelter Daten durchsetzen. Stellt man sich das Internet heute im Hinblick auf Cookies, Tracking-Links und die gesammelten Datensätze der Nutzer vor, so erinnert es noch immer an den Wilden Westen. In Zukunft wird hier durch die neue Datenschutzverordnung zumindest in Europa ein Sheriff in das Dorf einziehen und für ein wenig mehr Recht und Ordnung sorgen.

Rob Vegas - Datenschutz
IM NETZ der Paragraphen: Auch Websites von Freelancern und kleinen Unternehmen sind betroffen

Übrigens hat die DSGVO auch einen Nachteil: Nicht nur Giganten wie Facebook müssen sich mit ganzen Rechtsabteilungen dem Werk der EU beugen, sondern auch kleine Unternehmen und Freelancer. Selbst Besitzer von Dönerbuden mit einer eigenen Webseite sind hier gefragt. Gibt es da vielleicht auf der eigenen Webseite eine süße Box mit den Fans bei Facebook? Misst man die Zahl der Besucher pro Tag mit den Statistik-Tools von Google? Wie werden eigentlich die Daten der Nutzer im Unternehmen behandelt, wenn man über das Kontaktformular auf der Webseite eine Frage stellt, oder einen Kommentar abgibt?

Hier geht es beim Jahresumsatz nicht um maritime Träume in Monaco, sondern mitunter um die eigene Existenz. Es lohnt sich also die eigene Webseite einmal selbst genau unter die Lupe zu nehmen. Bin ich selbst ein Teil der virtuellen Wild-West-Romantik? Dann sollte man sich schleunigst um Änderungen kümmern, denn nun ist ein neuer Sheriff unterwegs.

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