Augmented Reality, die „erweiterte Wirklichkeit“ ist momentan das heiße Ding. Wir können damit ein neues Sofa in unsere Wohnung beamen oder als Pandabären sprechen. Was hat es mit dem Trend auf sich?

Hören oder lesen? Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:

ZUERST MAL EIN TIPP: Sprechen Sie im Smalltalk mit Nerds bitte nie von „Augmented Reality“. Die coolen People kürzen es einfach als „AR" ab. Für sie scheint es bereits so selbstverständlich, dass man sich wundert, dass sie ihren Kaffee noch analog trinken und nicht aus dem Smartphone. Vielleicht wollen sie aber auch nur ein paar Silben sparen.

„Der neue Porsche steht virtuell vor der Garage? Das macht die Entscheidung deutlich leichter.“


Jedenfalls bauen nicht nur Apple und Google die Technik dafür in ihre Smartphones ein, sondern sie bieten auch allerlei Apps und Anwendungen für den Spaß mit der „erweiterten Realität“. Nur was hat es mit dem Trend eigentlich auf sich? Haben wir nicht schon genügend Features in den Kameras, welche wir oft gar nicht erst in den Einstellungen finden und obendrein verstehen? Richtig. Bei AR geht der Spaß allerdings virtuell weiter. Im Livebild der Kamera wird neuer Inhalt sichtbar.

Rob Vegas - Augmented Reality
SPIELEREI? Augmented Reality zaubert nicht nur lustige Monster herbei…

So könnte man sich vor der heimischen Garage filmen und der brandneue Porsche würde direkt im Video angezeigt. Das macht die Kaufentscheidung dann doch deutlich leichter. Jedes denkbare Objekt ist möglich. Erinnern wir uns nur an die globale Monsterjagd bei Pokémon Go rund um den Planeten Erde! Hier werden kleine Monster selbst in der Stadtbücherei Münster in die reale Welt geschleudert. Menschen entdecken über AR neue Dinge in der realen Welt.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens.
Twitter: @robvegas
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Keine Zeit für den Besuch im Konzerthaus Berlin? Einfach eine Programm-Broschüre scannen und schon musiziert ein Streichquartett live auf dem Smartphone-Bildschirm. Vor allem aber bleibt es nicht nur bei Zusatzinformationen im Kamerabild. Erinnern wir uns an die gefloppte Datenbrille von Google, welche uns die Navigation live vor das Auge spielt: Mittlerweile sind hier auch komplette Spiele möglich. So lässt sich die Welt aus „Minecraft“ ins Wohnzimmer verfrachten, und man kann in Echtzeit die Klötzchen durch den Raum werfen.

Stundenlang mit Zettel, Stift und Zollstock die Wohnung ausmessen? Schnee von gestern. Man muss keinen Bandscheibenvorfall mehr provozieren, weil man jede Ecke im Wohnzimmer für das neue Sofa allein vermisst. Einfach dank AR die Kamera im Smartphone nutzen, Küchenzeile, Sofa oder Schuhschrank im Retro-Design als 3D-Modell in die eigenen vier Wände projizieren. Bestellung dann einfach via Knopfdruck, nachdem man alle Farbkombinationen von Cupcake-Brown bis Exotic-Orange durchgeklickt hat. Läuft.

Rob Vegas - Augmented Reality
…auch Möbel können wir schon jetzt probehalber in die Wohnung stellen

Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten und es kommen sicher immer mehr sinnvolle Funktionen: Man kennt auf einem Event wieder mal keinen Menschen? In der Disko rätselt man, wer Single ist? AR könnte diese Informationen sichtbar machen. Man richtet die Kamera in die Menge und die Software ordnet den erkannten Gesichtern live die passenden Profile bei Facebook zu. Schon erscheinen über den Köpfen virtuelle Schilder mit dem Beziehungsstatus. Und erst Zalando und Co.: Das Cocktailkleid in acht Größen bestellen und sieben davon zurück zum Paketshop bringen? Bald nicht mehr nötig, denn die Kleidung wird einfach virtuell und passgenau auf den eigenen Körper geworfen. Würde uns nebenbei vor manchem Fehlkauf bewahren.

„Man muss nicht mehr in die falsche Richtung laufen, umdrehen und dann wieder zurückhetzen“

Zukunftsmusik? Vielleicht. Aber nicht mehr weit entfernt. Schon jetzt wird die Navigation durch Städte einfacher. Man muss sich nicht mehr zehn Mal drehen, um die richtige Richtung zu finden. Man muss nicht mehr in die falsche Richtung laufen, umdrehen und dann wieder zurückhetzen, weil man sowieso schon wieder knapp dran ist. Kamera im Smartphone aktivieren und Google Maps zeigt die Pfeile zur Navigation live im Bild an. Dabei geht die Technik sogar schon so weit, dass der virtuelle Pfeil auch um die Hausecke verläuft. Und falls man zu spät kommt, schickt man eine Nachricht, bei denen das eigene Gesicht virtuell in niedliche Pandabären und andere 3D-Figuren eingebaut wird.

Rob Vegas - Augmented Reality - Supermarkt
…vielleicht führt uns AR zukünftig auch durch den Supermarkt

AR ist also längst nicht mehr nur eine technische Spielerei, sondern hat wirklichen Nutzen für die Menschheit. Im besten Fall bietet die erweiterte Realität nämlich praktische Zusatzinformationen für unseren realen Alltag. Ganz ehrlich? Ich bin viel zu oft mit Google Maps in die falsche Richtung gelaufen. Allein für diese hektischen Momente in Großstädten hat sich die Entwicklung der Technik schon gelohnt. Endlich läuft der Pfeil live um die Straßenecke und es springt sogar ein animierter – und sehr niedlicher – Fuchs vor mir her, dem ich einfach nur folgen muss. Folgen wir also dem AR-Fuchs in ein leichteres Leben!