Der Sprachassistent Alexa von Amazon nimmt immer mehr Raum in unserem Alltag ein. Wir können ohne Mausklick Entspannungsmusik zum Einschlafen anfordern. Glutenfreie Pizza bestellen. Oder sogar Erste-Hilfe-Maßnahmen bei der Fleckenentfernung erfragen. Alexa kennt die Antwort auf fast alles. Bleibt am Ende nur die Frage: Wer hat hier eigentlich das Sagen?

Hören oder lesen? Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:

ALEXA IST das neue Familienmitglied in vielen Haushalten. Sie ist Notizbuch, Terminkalender, DJ und auch Steuereinheit für komplette Lichtsysteme in der vernetzten Hütte. Eine Übersetzung für „Thunfisch-Pizza“ in alle Sprachen der Welt ist samt Wikipedia ebenfalls an Bord. Sie ist der digitale Butler und ersetzt sogar die Nachrichten am Abend, weil sie einfach selbst die 100-Sekunden-„Tagesschau“ startet.

„Selbst bei der Taxi-Zentrale anrufen und die Adresse durchgeben? Damit ist man ein Fall fürs Altenheim.“

Mittlerweile springen dutzende Anbieter auf den Alexa-Zug auf und erweitern ihre Angebote um sogenannte „Skills“. Auch das Lokalradio in der Eifel hat mittlerweile seinen eigenen Skill für die smarten Echo-Lautsprecher parat. Noch selbst bei der Taxi-Zentrale anrufen und die Adresse durchgeben? Damit ist man ein Fall fürs Altenheim. Natürlich übernimmt Alexa diese Aufgabe auf Zuruf und erinnert an den Regenschirm. Den vergisst man dann zwar sowieso, aber zumindest Alexa hat ein gutes Gewissen.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens. Twitter: @robvegas, http://www.robvegas.de
Auch ihre Kolleg*innen Siri und Google Home kümmern sich hingebungsvoll. Bei diesen beiden ist der Gender*Gap übrigens wirklich angebracht, denn sie lassen sich auch auf männliche Stimmen umstellen. Warum schließlich sollte Assistenz und Hilfe immer nur von Frauen kommen?

Überall stehen also nun in den Wohnstuben und Büros der Nation die kleinen Lautsprecher mit ihren eingebauten Mikrofonen. Natürlich lassen wir uns auf der anderen Seite auch abhören durch Alexa und die NSA speichert sicherlich jedes Flatulenzgeräusch dreifach in der Zentrale in Maryland ab. Der geheime Algorithmus kann es wahrscheinlich auch schon den Personen in der Küche zuordnen. Warum wir diesen Lauschangriff zulassen? Weil Alexa einen großen Mehrwert und Spaß bietet. Die Wanze als Lifestyle-Gadget. So mahnen Datenschützer.

Rob Vegas - Alexa
ALLE REDEN vom Wetter, Alexa auch

Doch der Trend ist übermächtig: Konnte man in den letzten Jahren noch mit einem Thermomix in der Küche punkten, so ist heute ein Amazon Echo Pflicht. Mitunter muss man allerdings Mitleid mit Kindern empfinden, welche von ihren Eltern ebenfalls mit dem Namen Alexa bedacht wurden. Warum hat man den Sprachassistenten eigentlich nicht „Hugo Egon“ genannt? Bis auf den Balder heißt doch heute nun weltweit wirklich niemand mehr so. Oder?

Mit der Popularität kommen natürlich auch die Probleme. So hat Alexa in Hamburg anscheinend schon einen Polizeieinsatz ausgelöst, weil der Nutzer unterwegs aus Versehen nach lauter Musik verlangte. Die Nachbarn fanden die Ruhestörung mitten in der Nacht nicht so prickelnd. Die Polizei zog dann den Stecker. Aber die Werbeindustrie hat das Potential von Alexa ebenfalls erkannt und baut humorige Sprachbefehle in die Werbespots ein. Wenn der Fernseher läuft, werden die Produkte dann einfach selbständig bestellt. Den mündigen Konsumenten einfach übergehen – praktischer geht es nicht.

Alle Wünsche kann der smarte Sprachassistent aber noch nicht erfüllen. Vor allem bei der Logik hapert es oft deutlich. Man muss die Ansage schon überaus korrekt formulieren und Alexa lässt sich auch nicht unbedingt in ein lockeres Gespräch verwickeln. Vor allem aber kann die gute Dame noch nicht selbst mit dem Hund um den Block laufen. Sie kann mich zwar an den Elternabend erinnern, aber ihn mir leider nicht abnehmen. Nicht einmal als treuer Prime-Kunde bekomme ich das leckere Rezept gekocht, sondern bestenfalls Schritt für Schritt angesagt. Alexa erinnert mich an der Kasse im Supermarkt auch noch nicht daran, dass ich mal wieder den Pfandbon am Automaten habe liegen lassen. Da ist noch Luft nach oben und wir haben noch nicht einmal von Behörden gesprochen.

„Alexa, melde mein Auto um.“

„Alexa, beantrage und finde einen Krippenplatz in der Nähe.“

„Alexa, mache meine Steuererklärung.“

Gerade die richtig lästigen Dinge im Leben würde man so gern von Alexa erledigen lassen und genau in dieser Disziplin muss das smarte Gadget passen. Zumindest ein Skill für logische Ausreden wäre also langsam angebracht.

Rob Vegas - Alexa
EXTRA KÄSE? Kein Problem.

Alexa kann Witze vorlesen, die Temperatur im Bad erhöhen und sogar Börsenkurse ansagen. Jeden Tag gibt es neue Skills von Drittanbietern und wir füttern die Amazon-Algorithmen mit immer neuen Informationen. Mitunter muss man aber auch an die Zukunft denken: Bislang habe ich als Besitzer noch das Sagen. Allerdings gewöhnen wir uns über die Jahre sicher an die Stimme und werden uns von ihr immer mehr durch unseren Alltag führen lassen.

Wann übernimmt Alexa endgültig die Kontrolle über unser Leben? Wann fängt sie an, uns durch die Gegend zu kommandieren? Am Ende fordert sie vielleicht sogar Entspannungsmusik zum Einschlafen von uns und ich muss mit einer Tasse Chai Latte zum Lautsprecher kommen.

„Alexa, was kann ich sonst noch für dich tun?“