SEINE BÜROTÜR steht offen. Ein seltener Anblick, denn Hendrik Hartje verreist oft. In seiner Rolle als Vice President & Chief Information Security Officer ist er für die IT-Sicherheit für Coca-Cola in Europa verantwortlich. Wenn er eins nicht sein will, dann der Vorzeige-Homosexuelle, ein Beweis dafür, dass man auch als Führungskraft erfolgreich und am Arbeitsplatz geoutet sein kann. Und doch hat Hendrik eine Vorbildrolle: 2018 und 2019 wählte eine Jury ihn auf Platz 20 der Liste von Deutschlands Top 100 Out Executives, initiiert von der Stiftung Prout at Work und der Uhlala GmbH.

„Ich habe mich sehr gefreut, auf Platz 20 zu landen, andererseits würde es mich noch mehr freuen, wenn wir heutzutage so eine Liste gar nicht mehr brauchen würden. Es gibt ja auch keine Liste über rothaarige Führungskräfte oder Vorgesetzte, die Brillenträger sind.“, sagt Hendrik Hartje – und meint es kein bisschen ironisch.

Seit 2005 ist Hendrik mit seinem Mann verheiratet, die beiden leben in Berlin. Mit seiner sexuellen Orientierung ist er immer offen umgegangen, auch beim Bewerbungsgespräch bei Coca-Cola vor elf Jahren. Er hat nie Probleme deswegen gehabt. Und doch weiß er, dass es nicht jedem so geht, der in einer anderen, möglicherweise kleineren Stadt lebt – oder gar in einem Land, in dem die Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen noch immer bestraft wird. Aus diesem Grund lässt Hendrik sich für die Top Out Executive Liste nominieren, und auch nur deshalb hat er diesem Portrait zugestimmt: Weil er jüngere, unerfahrenere Kollegen dazu ermutigen will, mit ihrer sexuellen Orientierung offen umzugehen. „Es ist wichtig, als ganzer Mensch an den Arbeitsplatz zu kommen und nicht einen Teil seiner Persönlichkeit an der Tür abgeben zu müssen.“