WIR TREFFEN UNS in der Abfüllung von Coca-Cola* in Hildesheim. Ali Celimli empfängt mich mit kräftigem Handschlag. Neben uns rattert die Produktionslinie Nummer 5, Glasflaschen klacken aneinander, Transportbänder surren, die Waschanlage spritzt heiße Lauge in leere Flaschen. Ganz schön laut hier.

Ali schiebt mich durch eine schwere Metalltür. „Sirupraum“ steht außen dran. Der Zutritt zu diesem Bereich ist nur wenigen Besuchern gestattet. Er ist das Herzstück der Getränkeherstellung: Hier wird Zucker zu Sirup, hier trifft Sirup auf Konzentrate, hier mischen sich Konzentrate mit Wasser und zum Abschluss mit Kohlensäure.

Ali Celimli, Coca-Cola Hildesheim, überwacht die Siruptanks
KONZENTRATION aufs Konzentrat: Ali Celimli überwacht die Siruptanks

Die Tür fällt hinter uns ins Schloss. Plötzlich Ruhe, nur ein monotones Rauschen entweicht den Ventilen der großen Silos. „Das ist mein Reich“, raunt Ali mir zu, „hier fühle ich mich am wohlsten.“ Ob man sagen kann, dass er hier der König des Sirups sei, frage ich. Ali lacht. „Eher der Prinz. Mein Chef ist der König."

„So mythisch die Coca-Cola Rezeptur auch sein mag: mit Hokuspokus hat sein Job wenig zu tun.“

 

Ali Celimli, geboren in der Türkei, ist seit 31 Jahren bei Coca-Cola. Als stellvertretender Leiter des Sirupraums ist er für die Vorbereitung aller Getränke für die Abfüllung an diesem Standort verantwortlich. Die richtigen Zutaten im korrekten Mischverhältnis, die Süße, die Säure, die Mineralstoffe, das benötigte Gesamtvolumen, das optimale Timing und natürlich immer wieder: Qualitätskontrollen im Labor.

So mythisch die Coca-Cola Rezeptur auch sein mag: mit Kupferkessel, Holzlöffel und Hokuspokus hat sein Job wenig zu tun. Computer und vollautomatisierte Tanks übernehmen die Arbeit. Ali und seine Kollegen überwachen die Technik hochkonzentriert. Einen Sirupraum wie in Hildesheim gibt es an jedem der sechzehn Produktionsstandorte von Coca-Cola in Deutschland, überall überwachen Fachleute wie Ali die Herstellung der Getränke.

Ventilknoten bei den Siruptanks
WIE GENAU die Getränkerezepturen aussehen, weiß selbst ein Sirupmeister nicht. Aber er kennt das genaue Mischverhältnis der einzelnen Bestandteile. Hier im Bild: Ventilknoten, die das Befüllen, Entleeren und Reinigen der Tanks regeln

Das Unternehmen Coca-Cola zeigt Bilder wie diese eigentlich nicht gern. Keine Getränke, noch nicht einmal die ikonische Flasche ist darauf zu sehen. Außer ein paar Kontrolllämpchen und einem aufgerollten Wasserschlauch kein Tupfer Rot im Raum. Doch in den kühlen, silbrig glänzenden Tanks entsteht das, was viele Menschen heiß begehren: Coca-Cola, Fanta, Sprite, mezzo mix – auf Bestellung auch in der Zero-Variante ohne Zucker. Wie sonst sollten Erfrischungsgetränke hygienisch einwandfrei in großen Mengen hergestellt werden? Etwa im Barrique-Eichenfass, 12 Monate gelagert?

Ich frage Ali Celimli, ob sein Berufsfeld auf der Kippe steht, jetzt wo Coca-Cola zunehmend zucker- und kalorienfreie Getränke auf den Markt bringt. „Nein, eher nicht. Wir bekommen weniger Zucker von den regionalen Lieferanten, das ist schon auffallend. Aber ob ich den Sirup mit Zucker oder anderen Süßungsmitteln herstelle, macht für mich kaum einen Unterschied.“

Fertigsiruptanks bei Coca-Cola
KÜHL gelagert, heiß begehrt: Die Siruptanks enthalten die fertigen Mischungen

Als 14-Jähriger kommt Ali Celimli mit seiner Mutter aus der Türkei nach Deutschland. Sie folgen dem Vater, der einige Jahre zuvor als Gastarbeiter nach Niedersachsen kam und bei einer Baufirma den Unterhalt für seine Familie verdient. Der Start ist holprig: Ali versucht, einen deutschen Schulabschluss zu machen, gibt aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse aber auf. Auch mit der Berufsschule will es nicht so recht klappen. Er jobbt im Restaurant eines Bekannten und lernt dort den damaligen Geschäftsführer von Coca-Cola kennen. Dann geht es schnell: ‚Komm gleich am nächsten Montag‘, heißt es – und Ali ist da. 1987, da ist er gerade mal 18 Jahre alt. Das gute Geld und die feste Anstellung sind verlockend. Ali lernt schnell, nimmt Weiterbildungsangebote der Firma wahr. Er möchte die Ausbildung zum Sirupmeister nachschieben, doch das ist nicht mehr nötig: Ali ist längst Meister des Sirups, auch ohne den offiziellen Schein in der Tasche.

1993 schließt das Werk in Stadthagen. Coca-Cola bietet ihm einen Arbeitsplatz in Hildesheim an, in der dort gerade neu aufgebauten Produktion. Ali überlegt nicht lange: Er packt seine Sachen und zieht um.

„Bei Coca-Cola werde ich mein gesamtes Arbeitsleben verbringen, das steht für mich fest.“

Geduld und Ruhe sind für Ali Celimli wichtige Voraussetzungen für Erfolg in seinem Job. „Wer hektisch ist, macht zu viele Fehler. Uns darf hier aber kein Fehler passieren, das Getränkekonzentrat ist wertvoll.“

„Wenn ich zurückblicke, bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffen würde. Coca-Cola hat mir viele Chancen gegeben und ich habe sie genutzt. Ich bin jetzt 49 Jahre alt. Ich komme jeden Tag gern hierher. Bei Coca-Cola werde ich mein gesamtes Arbeitsleben verbringen, das steht für mich fest.“

Ali Celimli - Der Meister des Sirups
GEKOMMEN, um zu bleiben: Ali Celimli fing mit 18 Jahren bei Coca-Cola an. 

Dass Ali Celimli die Kollegen bei Coca-Cola als seine zweite Familie ansieht, liegt nicht nur an seinem älteren Bruder, der auch seit vielen Jahren dort arbeitet. Es liegt vor allem an der Akzeptanz, die er von Anfang an gespürt hat. „Ich wurde nie als Ausländer behandelt. Egal welche Nationalität, welche Hautfarbe, das spielt bei uns keine Rolle, und darauf bin ich sehr stolz.“

*Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH