EIN KNALL. Dann Stille. Eine Sirene ertönt. Es ist das Krachen der Metallketten an den Kranhaken, das jeden auf der Baustelle aufhorchen lässt. An den Ketten hängt ein 16 Tonnen schweres Maschinenteil. Es bewegt sich kaum einen Zentimeter.

Als sich die Spannung der Ketten löst, knallt es wieder. Die Sirene ertönt erneut. Der Koloss ruht weiter fest auf dem Sattelschlepper.

Neue Glas-Mehrweglinie Mannheim - Fakten

Die Experten bei Coca-Cola in Mannheim bewahren an diesem Morgen Ruhe. Doch für jeden, der die Abläufe nicht kennt, könnte das Geschehen auf der Baustelle bizarr wirken: Zwei batteriebetriebenen Elektrokräne stehen links und rechts neben einem Sattelschlepper. Sie wirken vergleichsweise klein. Können sie diesen Koloss wirklich heben?

Auf dem Sattelschlepper liegt eines von sechs Teilen einer Flaschenreinigungsmaschine. Sie ist das schwerste Aggregat der neuen Produktionsstrecke für Glasflaschen, die ab Herbst in Mannheim in Betrieb gehen soll. Die riesige Spülmaschine reinigt das Leergut, bevor die Getränke am Füller in die 0,2 und 0,33 Liter Glasflaschen gelangen.

Einzelteil der Flaschenreinigungsmaschine auf dem Weg in die Halle
AUF DEM WEG: Auf Schwerlastrollbrettern zieht ein Stapler den ersten Teil der Flaschenreinigungsmaschine ins Mannheimer Werk 

Die Abfüllung wird noch dieses Jahr starten, mit 60.000 Flaschen pro Stunde: Coca-Cola, Coca-Cola Zero Sugar, Fanta und andere kohlensäurehaltige Getränke für den gesamten Südwesten Deutschlands.

Schließlich hebt das Maschinenteil ab und setzt vorsichtig auf dem Boden auf. Betriebsleiter Wolf-Dieter Bethlehem und Projektleiterin Theresa Hübner verfolgen das Geschehen auf der Baustelle genau.

Coca-Cola investiert rund 30 Millionen Euro für die neue Glas-Mehrweganlage.

„Die Flaschenreinigungsmaschine ist das Schwergewicht unserer neuen Glas-Mehrweglinie. Keine andere Maschine benötigt so viele Schwertransporte“, erklärt Bethlehem. Dass er in Mannheim gleich zwei neue Produktionslinien innerhalb von zwei Jahren in Betrieb nehmen würde, hätte er bei seinem Start als Betriebsleiter vor viereinhalb Jahren nicht für möglich gehalten. „Das war eine tolle Teamleistung“, sagt er.

Die neue Linie gehört zu den größten Investitionen der letzten Jahre: Rund 30 Millionen Euro investiert Coca-Cola für die neue Glas-Mehrweganlage. Zusammen mit der neuen Einweglinie, die 2018 in Betrieb genommen wurde, sind in zwei Jahren insgesamt rund 50 Millionen Euro in den Standort geflossen.

Projektteam der neuen Glaslinie in Mannheim
TEAMWORK: Gesamtprojektleiterin Theresa Hübner, Betriebsleiter Wolf-Dieter Bethlehem und Henriette Gleis, Projektleiterin für den Abfüllbereich (v.l.n.r)

Auch wenn die Freude überwiegt, bleibt bei Projektleiterin Theresa Hübner eine letzte Anspannung: Wird es bis zum Ende des Tages gelingen, alle sechs Einzelteile in die 6.000 Quadratmeter große Produktionshalle einzubringen und dort millimetergenau zu positionieren? Es muss. Für morgen ist Regen angesagt.

Die Kräne richten den 16-Tonnen-Koloss auf und senken ihn vorsichtig auf Schwerlastrollbretter herab. Damit lässt er sich durch das provisorische Tor in die Halle rollen. „Oft sieht es so aus, als sei das Tor für die riesigen Teile zu eng, doch am Ende hat es immer gepasst“, sagt Bethlehem. Eigens für diese Anlage hat das Projektteam die Seitenwand der Halle aufbrechen lassen. Was nicht passte, wurde passend gemacht.

Über Stunden ziehen nun alle Einzelteile in die Halle ein und werden millimetergenau ausgerichtet. Nur wenn sie perfekt zusammenstehen, lassen sie sich problemlos zu einer Einheit verschweißen. In der Produktionshalle, die so groß ist wie ein Fußballfeld, arbeiten am Abend noch immer rund 100 Fachkräfte. Erst als die letzten Hammerschläge verhallen, ist es für heute geschafft: Die Spülmaschine steht in der Halle. Bethlehem und sein Team sind ihrem Ziel einen großen Schritt nähergekommen.

(Fortsetzung folgt…)