Dieser Artikel ist am 7.11.2019 in der Ausgabe 23/2019 der „Getränke Zeitung“ erschienen. Wir veröffentlichen ihn mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Die Deutsche Umwelthilfe hat den Getränkehersteller Coca-Cola für "dreistes Greenwashing" mit Einweg-Plastikflaschen, die aus 25 Prozent Meeresmüll bestehen, kritisiert. Zu dieser Kritik bezieht John Galvin, Geschäftsführer Sales und Marketing bei Coca-Cola European Partners Deutschland, in folgendem Statement Stellung:

„Die Getränkeindustrie in Deutschland hat am Littering der Weltmeere keinen Anteil“, erklärte Umwelt-Staatssekretär Florian Pronold kürzlich in Berlin*. Damit liegt er richtig. 97 Prozent aller bepfandeten Getränkeverpackungen bleiben dank der Pfandsysteme für Mehrweg und Einweg in Deutschland im Wertstoffkreislauf. Sie werden entweder recycelt oder wiederverwendet. Nichts wird ins Ausland verschifft oder verbrannt. Deshalb ist Deutschland inzwischen eines der Vorbilder für viele andere Länder.

Plastik ist ein wertvolles Material. Es ist in vielen Lebensbereichen sinnvoll und wichtig. Es geht nicht darum, Plastik komplett abzuschaffen. Der Kampf, den wir gemeinsam führen müssen, ist der gegen Plastik-Müll. Nicht zuletzt gilt es, die Klimabilanz im Blick zu behalten: Der CO2-Fußabdruck von PET-Flaschen ist oft vorteilhafter als der anderer Verpackungen.

In der Debatte darum geraten manchmal Fakten und Meinungen durcheinander, auch was Coca-Cola angeht. Deshalb möchte ich fünf Punkte richtigstellen:

  1. Unsere Verpackungen müssen recyclingfähig sein. In Deutschland liegen wir inzwischen bei 100 Prozent. Zudem müssen wir daran mitarbeiten, dass alle Getränkeverpackungen wieder eingesammelt werden. Und zwar überall. Die Bilder vom Plastikmüll aus anderen Teilen der Welt finde ich ebenso entsetzlich wie jeder meiner 24.500 Kolleginnen und Kollegen bei Coca-Cola European Partners. Was also tun? In eine funktionierende Kreislaufwirtschaft investieren. In Europa unterstützen wir deshalb gut-organisierte Pfandsysteme. Global will Coca-Cola bis 2030 für jede Flasche oder Dose, die das Unternehmen in den Markt bringt, wieder eine Flasche oder Dose einsammeln. Dafür braucht es die Zusammenarbeit mit Regierungen, NGOs, Technologie- und Handelspartnern sowie die Unterstützung der Zivilgesellschaften in vielen Ländern.

  2. Das Ziel ist, aus jeder ausgetrunkenen PET-Getränkeflasche wieder eine neue Flasche zu machen oder sie wieder zu befüllen. In den kommenden vier Jahren streben wir in Europa an, dass unser PET-Einweggetränkeflaschen-Sortiment zur Hälfte aus dem Rezyklat zurückgebrachter Flaschen besteht. Schon heute ist das in Deutschland für nahezu jede unserer PET-Einwegflaschen von 500ml und kleiner Wirklichkeit. Weshalb geht das nicht noch schneller? Der Nachschub ist ein Problem, besonders für ein Sortiment unserer Größe. Nur rund ein Drittel des recycelten Getränkeflaschen-Materials aus dem Pfandsystem steht in Deutschland derzeit für neue PET-Getränkeflaschen zur Verfügung. Das „Downcycling“ von zwei Dritteln des Materials müssen wir in der Branche deshalb insgesamt hinterfragen.

  3. Es gibt keinen Königsweg, der alleine zur großen Lösung führt. Wir verfolgen daher mehrere Routen parallel. Beispielsweise mit unserem Freestyle Dispenser. Er erlaubt das Mischen von Getränken mit bis zu 100 verschiedenen Geschmacksrichtungen. Sie können sogar den Zuckergehalt des Getränks selbst bestimmen. Abgefüllt wird das Getränk in ein Glas, einen Mehrweg-Becher oder eine Flasche. Nach Tests an Universitäten wollen wir Freestyle etwa bei Musikfestivals einsetzen. In Deutschland gibt es Freeystyle bereits bei Kunden wie Burger King und Five Guys.

  4. Ein wichtiger Schritt ist das „enhanced recycling“. Wir arbeiten dafür mit dem Unternehmen Ioniqa aus den Niederlanden zusammen. Ioniqa ist es gelungen, die erste PET-Flasche herzustellen, bei der Plastik aus dem Meer und von Stränden erfolgreich für eine Getränke-Flasche wiederverwertet worden ist – Lebensmittelqualität! Das zeigt das Zukunftspotenzial der Technologien für das Upcycling verschiedenster Plastikmaterialien. Wir investieren hier deshalb mit verschiedenen Partnern. Enrique Segovia Bernaldo de Quirós, Mitarbeiter des WWF in Spanien, urteilt: “Aktuell sehen wir niemanden in der Getränkeindustrie, der bei diesem Thema weiter ist.“ (Die Welt, 3.10.2019)

  5. Wir glauben an den Packungsmix. Denn er entspricht den sehr unterschiedlichen Anforderungen unserer Kunden wie den breit gefächerten Bedürfnissen von Millionen von Konsumentinnen und Konsumenten. Eine Einweg-PET-Pfandflasche im Kreislaufsystem hat deshalb auch weiterhin ihren Platz in unserem Sortiment. Zugleich investieren wir weiter in Mehrweg. Vor wenigen Wochen haben wir eine neue Glas-Mehrweg-Linie in Mannheim in Betrieb genommen. Mitte des Jahres haben wir mit der Produktion einer 1 Liter-Glas-Mehrweg-Flasche in Deizisau begonnen. In den vergangenen Jahren haben wir über 200 Millionen Euro in Mehrweg hierzulande investiert - in Produktionsanlagen und Leergut.

Ich weiß: Wir haben eine große Verantwortung. Wir arbeiten kontinuierlich daran, dass wir ihr gerecht werden.