„Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen.“ Diese Weisheiten können sich auch die meisten Fußball-Muffel merken. Und dann gibt es Regeln, die auch Nicht-Fußballexperten beim WM-Viewing kennen sollten. Hier die wichtigsten zehn im Überblick:

1. Der Videobeweis

WM-Regelkunde - Videobeweis

Bei diesem Turnier wird der Schiedsrichter sicher öfter die Hand am Ohr haben. Das heißt aber nicht, dass er Ohrenschmerzen hat. Er hat in dem Fall ein Signal seines Videoschiedsrichters bekommen. Der wird zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft eingesetzt und kann bei besonders krassen Fehlentscheidungen seines Kollegen auf dem Platz eingreifen: bei einem Tor, einer Abseitsposition, einem Platzverweis oder der Verwechslung eines zu bestrafenden Spielers. Der sogenannte Video Assistant Referee (VAR) sitzt vor mehreren Monitoren und hat so eine bessere Sicht als der Schiedsrichter auf dem Feld. Aber schon die Erfahrungen in der Bundesliga zeigen: Auch der VAR ist nicht unfehlbar.

2. Die Freistoß-Mauer

...muss immer 9,15 Meter vom Ball entfernt stehen. Der Schiedsrichter schätzt die Entfernung und sagt den Spielern, wo sie sich hinstellen müssen. Es kommt immer wieder vor, dass die Kicker danach ein, zwei Schritte nach vorne gehen, wenn der Referee nicht hinguckt. Darum gibt es seit einiger Zeit das spezielle Freistoß-Spray. Damit zieht der Schiedsrichter eine Linie, hinter die sich die Mauer stellen muss. Nach einigen Minuten verschwindet die Markierung dann wieder.

3. Der Oben-Ohne-Jubler

...ist verboten. Wir müssen also während des Spiels auf die nackten Oberkörper von Ronaldo, Hummels und Co. verzichten. Denn: Ziehen die Kicker beim Torjubel ihr Trikot aus oder ziehen es sich über das Gesicht, bekommen sie die gelbe Karte – wegen „unsportlichen Betragens“. Der Fußballweltverband hat das vor zwölf Jahren beschlossen, weil es in islamischen Staaten „in dieser Hinsicht“ Probleme geben könnte. Den Funktionären war es auch ein Dorn im Auge, dass einige Kicker unter dem Trikot Shirts mit politischen oder religiösen Botschaften trugen.

4. Die Schwalbe

WM-Regelkunde - Schwalbe

...fliegt auch ab und zu durch den Fußball-Strafraum. Stürmer lassen sich gerne mal im Zweikampf fallen, obwohl sie vom Gegenspieler gar nicht berührt wurden. Oft fallen sie so geschickt, dass der Schiedsrichter darauf reinfällt und Elfmeter pfeift. Mit Fair Play hat das natürlich nichts zu tun. Darum gibt es auch eine gelbe Karte wegen Unsportlichkeit, wenn die Schwalbe auffliegt.

5. 90 Minuten plus x

„Ein Spiel dauert 90 Minuten“: So ganz richtig ist diese Weisheit nicht. Denn meist packt der Schiedsrichter ein paar Minuten obendrauf. Die Nachspielzeit wird kurz vor Ende der beiden Halbzeiten von der Seitenlinie angezeigt. Ihre Dauer hängt von vielen Faktoren ab. Wie viele Tore fielen in der Halbzeit? Wie viele Unterbrechungen gab es? Hat sich eine Mannschaft besonders viel Zeit gelassen? Bei einer WM sind vier oder fünf Minuten Extrazeit nicht ungewöhnlich. Die Schiedsrichter in der Bundesliga lassen in der Regel weniger nachspielen.

6. Das Elfmeterschießen

WM-Regelkunde - Elfmeter

Nach der Vorrunde können die WM-Spiele länger als 90 Minuten dauern, denn es muss ein Sieger ermittelt werden. Ein 1:1 ist also nicht möglich. Darum gibt es in dem Fall eine Verlängerung von 2x15 Minuten. Steht es danach immer noch unentschieden, muss der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt werden. Dabei hat jedes Team fünf Versuche. Steht auch dann noch kein Sieger fest, wird so lange geschossen, bis eine Mannschaft verschießt. Übrigens: Deutschland ist im Elferschießen meistens erfolgreich. Im Gegensatz zu England…

7. Freistoß ist nicht gleich Freistoß

Bei einem Freistoß ist es nicht selten der Fall, dass ein Spieler den Ball kurz berührt, bevor der Schütze auf das Tor schießt. Es gibt nämlich direkte und indirekte Freistöße. Im letzteren Fall darf der Spieler nicht direkt aufs Tor schießen, sonst zählt es nicht. Der Ball muss vorher also von einem anderen Spieler berührt werden. Aber wann gibt es einen direkten und wann einen indirekten Freistoß? Das kommt auf das Foul zuvor an. Treten, rempeln, schlagen, Handspiel zieht einen direkten Freistoß nach sich. Gefährliches Spiel, eine Schwalbe, ein Sperren des Gegners oder eine Beleidigung führen zu einem indirekten Freistoß. In diesem Fall hebt der Schiedsrichter den Arm, bevor der Schütze den Freistoß schießt. Dann wissen alle: Der Ball muss vorher noch berührt werden.

8. „Schiri, das war doch Abseits!“

WM-Regelkunde - Abseits

Die komplizierteste Regel im Fußball: Wann steht ein Spieler im Abseits? Auch wenn es ohne konkrete Spielszene vor Augen schwer zu erklären ist: Wir versuchen es trotzdem. Ein Spieler steht im Abseits, wenn er bei der Ballabgabe näher am gegnerischen Tor steht als zwei seiner Gegenspieler (inkl. Torwart). Oft geht es dabei um Zentimeter! Leider gibt es von der Regel auch Ausnahmen. Ein Spieler steht nämlich nicht im Abseits, wenn der Ball beim Pass näher am Tor ist, als der Angreifer. Bei Rück- oder Querpässen sind Kicker also meistens nicht im Abseits, weil der Ball schon näher am Tor ist. Auch wenn der im Abseits stehende Spieler nicht ins Geschehen eingreift, ist das Abseits aufgehoben („Passives Abseits“). Der einfachste Merksatz ist aber wohl: „Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.“

9. Eine Strafe? Oder zwei? Oder drei?

Es ist eine Regel, die immer wieder für Diskussionen sorgt: Foult ein Spieler den Gegner im eigenen Strafraum und verhindert er damit eine klare Torchance, wurde er jahrelang dreimal bestraft: Er bekommt eine rote Karte und muss sofort vom Platz. Außerdem ist er für die nächsten Spiele gesperrt. Dazu kommt noch der Elfmeter für den Gegner. Bei der diesjährigen FIFA WM™ ist das anders. Der Schiedsrichter kann für das Foul im Strafraum auch nur die gelbe Karte zeigen, wenn der Spieler erkennbar den Ball spielen wollte. Der Gegner bekommt zwar einen Elfmeter, aber zumindest spielen beide Teams mit elf Spielern weiter...

10. Frischer Wind in der Nachspielzeit

WM-Regelkunde - Auswechseln

Ist ein Spieler verletzt, kaputt oder einfach nur schlecht drauf, kann der Trainer ihn unter die Dusche schicken. Bis zu drei Wechsel pro Mannschaft sind erlaubt. Bislang. Beim Turnier in Russland darf erstmals ein vierter Spieler eingewechselt werden – allerdings nur in der Nachspielzeit. Ist ein Spiel ab dem Achtelfinale also noch nicht entschieden, kann der Trainer einen frischen Profi bringen – und damit auch frischen Wind ins Spiel.