BRIGITTE FAUST, Arbeitsdirektorin der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH, weiß, worauf es ankommt, um im Job weiterzukommen. Warum Perfektionismus längst nicht mehr zeitgemäß ist, worauf Frauen fokussieren sollten und wie sie die richtigen Akzente setzen.

Die stärkste Marke sind Sie selbst

Googelt man den Begriff „Women Empowerment“, finden sich mehr als 24 Millionen Einträge. Bei „Female Leadership“ sind es immerhin beachtliche 13 Millionen. Dieses Ergebnis wäre vor zehn Jahren noch deutlich geringer ausgefallen. Mittlerweile hat sich die Situation für Frauen im Beruf, jedenfalls in den überwiegenden Fällen, deutlich verbessert: Es gibt mehr Aufstiegschancen, mehr Flexibilität und immer mehr Unternehmen, bieten Mitarbeiterinnen spezielle Weiterbildungs- und Coachingprogramme an, um individuelle Fähigkeiten und Talente bestmöglich zu fördern – so auch Coca-Cola. Denn sicher ist, dass in Zeiten der Digitalisierung gerade diese in Unternehmen gefragt sind, um neue Impulse zu setzen und die Umstrukturierung vieler Geschäftsbereiche voranzubringen.

Die Frage, die ich mir in den letzten Jahren allerdings häufiger stelle, ist diese: Machen Frauen von der Vielzahl an Möglichkeiten wirklich genug Gebrauch? Die Einführung der Frauenquote in den Aufsichtsräten hat gezeigt, dass, sofern es entsprechende Angebote gibt, diese auch wahrgenommen werden. Doch gerade bezogen auf den Berufsalltag wünsche ich mir, dass noch mehr Frauen diese Haltung verstärken. Meiner Erfahrung nach sind die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, das Erkennen persönlicher Stärken und das selbstbewusste Einfordern und Ergreifen von Chancen der Schlüssel dazu. Deshalb rate ich Frauen, die weiterkommen wollen: „Machen Sie aus sich die starke Marke, die zu Ihnen passt.“ Die folgenden fünf Tipps sollen Ihnen vermitteln, wie man im Job punktet – denn genau das wünsche ich Ihnen: den Mut zu haben, Sie selbst zu sein und damit Erfolg zu haben.

Machen Sie aus sich die starke Marke, die zu Ihnen passt.


Das sind die 5 Tipps von Brigitte Faust

1. Finden Sie Ihr Markenzeichen: Mit dem passenden Outfit Akzente setzen

Die britische Premierministerin May setzt auf extravagante Schuhe, Angela Merkel auf ihre bunten Blazer und Michelle Obama auf Kleider, die ihre trainierten Oberarme betonen. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir das Prinzip dahinter: Mode wird zum Persönlichkeitsstatement. In meinem Fall sind es bis heute bunte Schals, die ich zum klassischen Business-Outfit kombiniere. Im Rückblick hat mir dieses kleine Mode-Detail so manche verschlossen geglaubte Tür geöffnet. Nicht nur vermittelt er Leichtigkeit und erzeugt Sympathie – er zeigt auch, dass seine Trägerin durchaus mit sich reden lässt und ebenso offen und tolerant anderen gegenübersteht. Natürlich reicht ein bunter Schal nicht aus, um Karriere zu machen. Er kann allenfalls einen Akzent setzen – aber meiner Erfahrung nach einen wesentlichen. Wichtig ist, dass frau den Akzent wählt, der zu ihr passt. Hat sie ihn gefunden, zeigt sich die stimmige Wirkung auf ganzer Linie: in Form des selbstbewussten Auftritts.

Brigitte Faust, Arbeitsdirektorin der CCEP DE
AUCH OHNE buntes Tuch ist Brigitte Faust eine Marke 

2. Zeigen Sie Haltung: Für Positionen und Überzeugungen einstehen

Sie haben eine Meinung – teilen Sie sie mit. Denn nach meiner Erfahrung hat noch niemand einen Preis für das sympathischste Lächeln in einem Meeting gewonnen. Entscheidend ist, an die eigene Stärke und Kompetenz zu glauben. Männern fällt das in der Regel leichter. Sie sind geübt darin, sich selbst in Konkurrenz zu anderen darzustellen und halten ihre Meinung nicht außen vor. Deshalb empfehle ich: Stehen Sie mit Geduld, Beharrlichkeit und Eloquenz für Ihre Positionen und Überzeugungen ein – ob bei Themen, bezogen auf ihren Arbeitsbereich oder selbst in privaten Fragen, etwa, wenn Sie Ihren Vorgesetzten um zwei Tage Homeoffice in der Woche bitten, weil Sie überzeugt sind, durch die verbesserte Organisation der Kinderbetreuung besseren Fokus auf die Arbeit legen zu können. Letztendlich wird man Sie dafür respektieren, dass Sie die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten auch in Anspruch nehmen – und damit klare Haltung zeigen. Entscheidend ist, dass Sie wissen, was Sie wollen.

3. Nehmen Sie Hilfe an: Mit Unterstützung anderer schneller Ziele erreichen

Kennen Sie die Situation? Bis 23 Uhr sitzen Sie als Einzige an der Präsentation, die am nächsten Tag bevorsteht und denken: Wenn Sie es nicht machen, wird es nichts. Diesen Denkfehler habe ich bei Frauen oft beobachtet: Statt zu überlegen, wie man eine Aufgabe gemeinsam angeht, versuchen sie es im Alleingang. Was steckt dahinter? Die Überzeugung, nur selbst zu wissen, wie es am besten geht oder mangelndes Vertrauen, andere miteinzubeziehen, sind zwei mögliche Antworten. Mein Rat an alle Perfektionistinnen ist dieser: Damit Sie Ihre Ziele schneller erreichen, ist es unerlässlich Unterstützer zu finden und Hilfe annehmen zu können. Wegbereiter können sowohl aus Ihrem beruflichen als auch privaten Umfeld stammen. Gerade wir Frauen – egal in welcher Position – sollten uns gegenseitig unterstützen, auch in Form von Netzwerken. Für Frauen, die in der Ernährungswirtschaft tätig sind, hat Coca-Cola 2009 das Netzwerk „Foodservice“ gegründet. Die Idee ist damals gemeinsam mit Managerinnen entstanden, die bereits Kundinnen waren. Heute arbeitet das Netzwerk daran, durch gezielte Förderprogramme mehr Frauen in Führungspositionen zu verhelfen – so wie auch Coca-Cola sich in Europa als Ziel gesetzt hat, 40 Prozent der Führungspositionen bis 2025 mit Frauen zu besetzen.

Finden Sie das Netzwerk, das zu Ihren Interessen passt.

Zugleich haben wir uns der Initiative „Women into Leadership“ angeschlossen. Dieses Frauennetzwerk hat sich zum Ziel gesetzt – aus den unterschiedlichen Kategorien: Wirtschaft, Kultur, Medien, Wissenschaft, Medizin, Gesellschaft und anderen – Spitzenpersönlichkeiten als Mitglieder zu gewinnen, die als persönliche Mentoren hochqualifizierte und erfolgreiche Frauen im Rahmen eines Mentoring-Programms auf ihrem Weg an die Spitze begleiten. Dies sind tolle Ansätze das Thema positiv voranzutreiben. Ich bin daher dankbar für die inspirierenden Kolleginnen, die ich durch solche Netzwerke kennenlerne. Deshalb empfehle ich: Finden Sie das Netzwerk, das zu Ihren Interessen passt.

Coca-Cola Frauennetzwerk
Coca-Cola hat in Deutschland ein eigenes Frauennetzwerk, in dem die Mitglieder sich austauschen und vom Wissen der anderen profitieren.

4. Wählen Sie den richtigen Partner: Kind und Karriere erfordern eine starke Beziehung

Jede Frau – und das liegt in der Natur der Dinge – wird sich früher oder später mit dem Thema Familienplanung auseinandersetzen. Spätestens dann, wenn eine Frau auf Partner- oder Partnerinnensuche geht, wird sie sich die Frage stellen: Möchte ich Kinder? Wie kann eine Karriere mit Kind aussehen? Fakt ist: Kinder und Karriere schließen sich nicht aus. Entscheidend ist es, den richtigen Partner, die richtige Partnerin zu finden. Denn Kinder hat man immer gemeinsam. Es ist ein großer Vorteil, wenn Sie jemanden an Ihrer Seite haben, der/die in gleichem Maße an Ihrem persönlichen wie beruflichen Weiterkommen interessiert ist und bereit ist, das Familienmanagement zu teilen. Eine Familie zu gründen, ist keine Entscheidung, die Sie alleine für sich treffen können. Genauso verhält es sich mit der Karriere.

5. Seien Sie selbstbewusst: Auf die eigenen Stärken vertrauen

Bei Coca-Cola unterstützen wir gezielt Mitarbeiterinnen auf dem Weg, ihre eigenen Werte zu stärken und ihre persönliche Vision mit Leben zu füllen. Speziell für Frauen haben wir unterschiedliche Programme entwickelt, mit dem Wissen, dass bei ihnen der Bedarf größer ist als bei ihren männlichen Kollegen. Ein Beispiel: Unser Workshop „Achieving Your Best Self“. Wir schenken Frauen drei Tage Zeit, sich ihrer persönlichen Vision bewusster zu werden. Dieser Workshop ist sehr intensiv, denn es dreht sich nicht nur um die Vorstellung von möglichen Karrierewegen, sondern jede Frau setzt sich mit sich selbst auseinander und erhält direktes Feedback. Viele Seminarteilnehmerinnen haben mir anschließend berichtet, wie sehr sie noch heute von dieser Fokussierung profitieren. Aber denken Sie auch daran, dass selbst bei den stärksten Marken mal etwas nicht so läuft wie geplant. Gerade in der heutigen Zeit, wo sich alles im permanenten Wandel befindet, sind oft schnelle Lösungen und Entscheidungen gefragt. Deshalb mein Tipp: Haben Sie den Mut auch mal zu scheitern und trauen Sie sich, Ihre Ideen umzusetzen!

Mehr über starke Frauen bei Coca-Cola lesen Sie in unserer Rubrik „Moms@Work@Coke“.

Sandra Broschat, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Coca-Cola
IN VOLLZEIT flexibel für Kind und Karriere – Sandra Broschat, Sustainability Manager bei Coca-Cola, hat ihren Weg gefunden