Faltbare Smartphones sind aktuell der Hype bei den Herstellern. Wer bringt das erste Gerät noch dieses Jahr auf den Markt? Welches Format setzt sich am Ende bei den Usern durch? Die großen Marken liefern sich ein milliardenschweres Rennen um Innovationen und Patente.

Hören oder lesen? Hier hörst du die Kolumne von Rob Vegas als Podcast:


DIE ZUKUNFT des Smartphones ist biegsam. Klingt nicht besonders spannend? Muss es auch nicht, denn den Herstellern geht es erst einmal um die Ziellinie. Wer bringt als Erster seine faltbare SIM-Kiste in die Hände der User?

„Kann ich ein faltbares Smartphone im Urlaub als Faltrollo nutzen? Gibt es neue Apps?“

Es geht da weniger um Marktanteile in einem sehr teuren Preissegment als um das Ansehen in der Branche. Die faltbaren Fernsprechapparate werden zum Verkaufsstart Mitte des Jahres nämlich weit über tausend Euro kosten. Hier werden Early Adopter, Tech-Nerds und besonders die Business-Leute in der Vielflieger-Lounge mit exquisiten Schnittchen angesprochen, welche sich mit der neuen Technik auch vom Rest der Welt abheben wollen. Hatte man früher als wichtiger Mensch einen aufklappbaren Nokia Communicator oder ein Blackberry, so kann man bald seinen Status über ein faltbares Smartphone in Szene setzen.

Rob Vegas
ROB VEGAS, Blogger, Autor und Moderator, kennt noch Disketten und führt wichtige Telefonate weiterhin per Festnetz. Hier staunt er regelmäßig mit uns über die Wunder des digitalen Lebens. Twitter: @robvegas, http://www.robvegas.de 

Aktuell haben gleich mehrere Hersteller faltbare Phones für das Jahr 2019 angekündigt. Samsung hatte das Galaxy Fold gleich an Dutzende Redaktionen und Influencer zum Vorab-Test verschickt. Das artete allerdings nach einem kurzen Hype in ein amtliches Desaster für Samsung aus. Redakteure zogen die vermeintliche Schutzfolie von den Geräten ab und schon funktionierte gar nichts mehr. Die „Schutzfolie“ ist nämlich für den dauerhaften Betrieb gedacht. Dazu machten dem Galaxy Fold auch Staub und Krümel im Faltmechanismus zu schaffen, denn die gebogenen Displays fielen reihenweise aus.

Faltbare Smartphones - Batterie
BRAUCHEN wir demnächst zwei Powerbanks?

Huawei präsentierte indes mit dem Mate X eine optisch hübschere Variante eines faltbaren Designs. Mitte des Jahres soll das Telefon für satte 2.299 Euro auf den Markt kommen. Hier dürften sich die Ingenieure wohl auch bis zur letzten Minute mit dem Faltmechanismus beschäftigen. Biegt man ein Display um die Ecke, so verzieht man es damit eben auch.

Welchen Vorteil hat die neue Technik eigentlich? Immerhin bieten schon heute erhältliche Smartphones immense Auflösungen und Bildschärfe. Gibt es neue Apps? Kann ich ein faltbares Smartphone im Urlaub als Faltrollo nutzen? Mich in Mußestunden vielleicht in der Kunst des Origami üben? Vor allem aber: Muss ich nun permanent zwei Powerbanks für das riesige Display mitführen?

Natürlich kann man die neuen Devices schnell in ein Tablet verwandeln. Damit macht die Fahrt im ICE mehr Spaß, wenn Netflix und Co. im Bordbistro bei mäßigem WiFi auf einer größeren Bildschirmdiagonale ruckeln. Apps wie Google Maps bieten mehr Fläche zur Navigation. Hat man auf der nun riesigen Landkarte sein Ziel gefunden, kann man das FaltPhone wieder zusammenklappen. Nur: Wie häufig werden wir diese Funktionen im Alltag wirklich nutzen? Werden wir an der Ampel nun dauernd auf- und zuklappen?

Immerhin sind auch im Jahr 2019 die meisten Nutzer noch darauf bedacht, dass der Akku lange durchhält. Da würde man sich in der Praxis aktuell öfter einen aufklappbaren, zweiten Akku am Smartphone wünschen. Spiele könnten über das große Display mehr Spaß bereiten, doch hier fehlt es am Ende mehr an Control Sticks und echten Buttons.

Rundum-Display
DIE ZUKUNFT ist biegsam: Werden flexible Displays bald auch auf Alltagsgegenständen leuchten?

Faltbare Smartphones sind daher im Jahr 2019 eher als Vorboten einer neuen Technik zu sehen. Displays sind ab sofort keine starren Rechtecke mehr. Vielmehr haben wir es bei Displays in Kürze mit Folien zu tun, welche unseren Alltag wirklich verändern werden.

Das Display am Geldautomaten ist eckig und plan. Displays im Auto? Ebenso. Überall haben wir im Alltag mittlerweile Touchdisplays um uns herum. Mit der neuen Technik werden diese starren Flächen nun zu fließenden Oberflächen. Wir können Displays um Ecken und Wände laufen lassen. Man kann ein Display um eine Armlehne biegen und damit den Sitzplatz anzeigen lassen. Das oft verrückte Produktdesign von Kaffeemaschinen kann nun um gebogene Displayflächen ergänzt werden. Im Auto könnte das Display vom Armaturenbrett bis zum Beifahrer reichen. Displays sind ab sofort keine platten Scheiben mehr, sondern können Teil von Möbeln, Architektur und jedweder Technik sein. Das ist der eigentliche Fortschritt.