In den Trainingszentren der Stiftung Amandla stärken Jugendliche durch Sport auch ihre sozialen Kompetenzen. Oliver Kahn und die Coca-Cola Foundation unterstützen sie dabei

DER NAME ist klangvoll – aber die Gegend rau. Der Leopoldplatz im Berliner Wedding. Das frühere Arbeiterviertel rund um den „Leo“ gilt heute als Problembezirk. Arbeitslosigkeit und Kinderarmut, die Hauswände sind beschmiert und die Gehsteige verschmutzt. Viele Menschen hier fühlen sich abgehängt. Der Wedding war nie die feine Adresse der Hauptstadt, aber das Viertel stand doch auch immer für Selbstbewusstsein und den Kampfgeist seiner Bewohner. Kevin Prince Boateng kickte sich hier vom Bolzplatz bis in die Bundesliga. Der Weddinger Nico Kovac war als Spieler zupackend und soll den FC Bayern als Trainer zu neuen Titeln führen. Vor allem den jungen Menschen fehlt es hier nicht an Antrieb, sondern an Chancen. Das soll sich ändern.

Safe-Hub - Training
RUND 10.000 Kinder und Jugendliche wurden durch das Sportprogramm bislang erreicht

Schräg gegenüber vom Leo soll ein „Safe-Hub“ entstehen. Das Projekt bietet Jungen und Mädchen einen geschützten Raum, in dem sie gehört werden und sich entwickeln können. Fußball ist dabei das verbindende Element. Auf dem Feld trainieren die Jungen und Mädchen und lernen dabei einen respektvollen Umgang miteinander. Die Trainerlaufbahn lehrt Verantwortung und bringt Selbstbewusstsein.

Der Safe-Hub hat einen prominenten Paten: Oliver Kahn. Die Stiftung des ehemaligen Weltklasse-Torwarts treibt das Projekt gemeinsam mit der Organisation Amandla voran. Amandla wurde von einem Deutschen in Südafrika gegründet. Dort betreibt die Organisation bereits drei sogenannte „Safe-Hubs“.

Boys on a Bench
HISTORISCHES VORBILD: Die symbolträchtige Print-Anzeige „Boys on a Bench“ aus dem Jahr 1969. Jugendliche mit heller und dunkler Hautfarbe sitzen auf einer Bank, lachen miteinander und trinken Coca-Cola

Die Coca-Cola Foundation unterstützt sie dabei seit 2016 mit mehreren Hunderttausend Euro. Von dem Geld wurden in der Anfangsphase vor allem Workshops veranstaltet, um Trainer auszubilden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. So wurden mit Unterstützung der Coca-Cola Foundation bereits 440 Trainer in speziellen Kursen qualifiziert. Dadurch konnten im Anschluss rund 10.000 Kinder und Jugendliche erreicht und viele für den Sport begeistert werden.

Oliver Kahn

Oliver Kahn, was können junge Menschen beim Sport lernen?

„Beim Sport müssen sich die jungen Menschen mit verbindlichen sozialen Normen und Werten befassen. Genau hier setzt unser Fußball-Bildungsprogramm mit Amandla an: Wir sind überzeugt, dass sozial benachteiligte junge Menschen über den Fußball an ein verbindliches Wertesystem herangeführt werden können. Ziel unseres Fußball-Bildungsprogramms ist es, das Wertesystem junger Menschen zu verbessern und in ihren Alltag zu integrieren. Die Themen ‚Fair Play‘ und ‚Sozialkompetenzen‘ stehen dabei im Mittelpunkt. In unseren Trainings spielen beispielsweise nicht nur Tore eine Rolle, sondern auch Verhaltensweisen wie Respekt, Teamwork und positiver Umgang mit Frustration und Niederlagen werden mit Punkten belohnt.“

Safe-Hub – Mädchen beim Training
KEIN PLATZ für Frust, aber für Respekt und Teamwork

Welche Erfahrungen machen Sie in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen in solchen Programmen?

„Auf der ganzen Welt sind die jungen Menschen fasziniert vom Fußball, über den Fußball können wir sie dazu bringen, sich für unser Bildungsprogramm zu öffnen. In den Safe-Hubs gelingt uns das wirklich sehr gut. Immer, wenn ich bei den Projekten vor Ort bin, habe ich den Eindruck, dass die Kinder und Jugendlichen alle Informationen und Fähigkeiten, die wir ihnen vermitteln möchten, aufsaugen wie ein Schwamm. Und das Besondere an unserem Fußball-Bildungsprogramm ist, dass wir den teilnehmenden jungen Menschen die Möglichkeit geben, selbst zu Trainern zu werden. Die Trainer kommen also größtenteils aus demselben Umfeld wie die Kinder und sind dadurch sehr glaubwürdig.“

Safe-Hub – Entwurf
VIRTUELLES Modell: So könnte der Safe-Hub in Berlin-Wedding einmal aussehen 

Warum entsteht der Safe-Hub im Wedding?

„In einem längeren Prozess hat sich Wedding in Berlin-Mitte als spannender Standort für den ersten deutschen Safe-Hub herauskristallisiert. Dort wohnen viele Menschen mit Migrationshintergrund, zwei Drittel der Kinder haben große Sprachdefizite bei der Einschulung, 68 Prozent der Kinder leben in Kinderarmut, außerdem gibt es dort mehrere Unterkünfte für Flüchtlinge. Der Bedarf nach Unterstützung und Fördermöglichkeiten für junge Menschen ist in Berlin-Wedding deshalb groß. Die Teilnahme an unserem Fußball-Bildungsprogramm kann den jungen Menschen Lust auf Bildung machen und gibt Ihnen die Chance, ein unabhängiges und erfolgreiches Leben zu führen.“

„Über Fußball werden zentrale Werte wie Teamgeist, Toleranz, Fairplay oder der Respekt vor Regeln vermittelt.“

Warum ist Fußball der geeignete Sport?

„Fußball ist die beliebteste Sportart in Deutschland und hat die meisten Fans weltweit. Der Fußball ist deshalb wie kaum ein anderes Medium in der Lage, Mädchen und Jungen aller Altersklassen und jeglicher Herkunft zu faszinieren und zusammen zu bringen. Über den Fußball werden zentrale Werte wie Teamgeist, Toleranz, Fair Play oder der Respekt vor Regeln vermittelt.“