Uwe Kleinert, Leiter Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung bei der Coca-Cola GmbH, über die Haltung des Unternehmens zu Mehrweg- und Einwegpfandflaschen, Recycling und eine Welt ohne Müll. 

Stimmen die Berichte, wonach Coca-Cola sich aus dem Mehrwegsystem verabschieden will?

 „Nein. Mehrwegverpackungen sind und bleiben ein wichtiger Teil unseres Sortiments. Wir sind der größte Mehrweganbieter für Erfrischungsgetränke in Deutschland. Allein in den letzten drei Jahren hat die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP DE) über 200 Millionen Euro in die Erneuerung und den Ausbau unseres Mehrwegflaschenpools und in neue Mehrwegkisten investiert. Dieses Jahr werden wir zudem zwei neue Mehrweg-Produktionslinien in Betrieb nehmen. Und mit der 1,0 Liter Glasflasche für Coca-Cola Classic und Coca-Cola Zero Sugar führen wir aktuell eine neue Mehrwegflasche auf dem deutschen Markt ein.“

Uwe Kleinert, Leiter Nachhaltigkeit
UWE KLEINERT, Leiter Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung bei der Coca-Cola GmbH 

Wie hoch ist denn der Anteil an Mehrweg-Verpackungen bei Coca-Cola derzeit?

„2018 betrug unser Mehrweganteil 39,9 Prozent. Damit liegt Coca-Cola deutlich über dem Branchendurchschnitt der Erfrischungsgetränke. Zählt man alle Getränke in den unterschiedlichen Packungsgrößen zusammen, bieten wir 64 Artikel in Mehrweg an. 2018 waren das in Deutschland mehr als 1.926.000.000 Mehrwegpfand-Flaschen.“

Warum ist der Mehrweg-Anteil in den letzten Jahren dennoch gesunken?

„Seit den 2000er Jahren haben sich Marktanteile im Lebensmittelhandel verschoben. Erfrischungsgetränke werden zu großen Teilen bei Discountern gekauft, die mehrheitlich Einweg anbieten.

2016 haben wir die 0,5L PET- und die 1,5L PET-Mehrweg-Pfandflasche vom Markt genommen. Weshalb? Das war keine einfache Entscheidung. Die 0,5L PET-Mehrweg-Pfandflasche war eine typische Verpackung für den Konsum unterwegs, bei der wir zuletzt 15 Prozent der Flaschen pro Umlauf verloren haben. Damit kam die 0,5L PET-Flasche nur noch auf durchschnittlich sechs Umläufe, was für eine Mehrwegflasche einfach zu wenig ist. Bei der 1,5L PET-Mehrwegflasche dagegen, die in 10er-Kästen verkauft wurde, sank die Nachfrage. Die Menschen leben heute flexibler. Die Haushalte werden kleiner. Verbraucher kaufen ganz pragmatisch je nach Lebenssituation und Anlass. Wir setzen deshalb auf einen Mix von Einwegpfand- und Mehrwegverpackungen in verschiedenen Größen. Wir bieten unseren Konsumenten eine Auswahl an – nicht nur im Hinblick auf unsere Produkte, sondern auch im Hinblick auf die Verpackungen.“

64 Coca-Cola Artikel in Mehrwegpfandflaschen

Welche Mehrwegflaschen bieten Sie konkret in Deutschland an?

„Mit der Abfüllung der ersten Coca-Cola in der kleinen 200 ml Glasflasche hat das Unternehmen vor 90 Jahren das Mehrwegpfandsystem für Erfrischungsgetränke in Deutschland begründet. Coca-Cola hat auch die erste Kunststoffmehrwegflasche entwickelt, übrigens hier in Deutschland, und auch hier auf den Markt gebracht. Derzeit bieten wir neben der 1,0 Liter PET-Mehrwegflasche auch Glasmehrwegflaschen in den Größen 0,2 Liter, 0,25 Liter, 0,33 Liter, 0,5 Liter, 0,7 Liter, 0,75 Liter und jetzt auch in 1,0 Liter an."

Unser Ziel: Eine Welt ohne Müll

Mehrwegflaschen gelten als ökologisch vorteilhafter. Warum produzieren Sie nicht einfach mehr davon?

„Einfache Antworten klingen gut, aber sie werden der Komplexität des Themas nicht gerecht. Uns geht es um die gesamte Ökobilanz einer Verpackung mit allen relevanten Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus. Auf dieser Basis möchten wir alle Verpackungen kontinuierlich weiter ökologisch verbessern. Deshalb haben wir sowohl unsere Mehrweg- als auch unsere Einwegflaschen in der Vergangenheit optimiert, indem wir sie zum Beispiel leichter gemacht oder bei der Herstellung von Einwegverpackungen mehr Recyclingmaterial verwendet haben. Alle unsere Verpackungen aus PET, Glas, Weißblech und Aluminium sind recycelbar. 99,9 Prozent unserer Verpackungen sind bepfandet. Sie kommen über das Pfandsystem zurück und werden wieder befüllt (Mehrweg) oder recycelt (Einweg). Wir sehen gebrauchte Verpackungen als Wertstoffe. Denn unser Ziel ist die Kreislaufwirtschaft.“

Coca-Cola Rücklaufquote

„Ist es wirklich besser, Mineralwasser aus Glasflaschen zu trinken?“, fragt das ZEITMAGAZIN Nr. 48/2018 am 21. November 2018 in dem Artikel „Du Flasche!“. Hier geht es zum vollständigen Beitrag, der interessante Aspekte beleuchtet.

Sie sind einer der größten Plastikproduzenten. Plastik in den Weltmeeren ist eines unserer großen Umweltprobleme. Wie sehen Sie die Umweltfolgen Ihres Handelns?

„Coca-Cola hat 2018 gemeinsam mit Regierungsvertretern und Branchenführern aus aller Welt die Ocean Plastics Charter unterzeichnet. Die Ocean Plastics Charter zielt darauf ab, Abfall zu vermeiden und sicherzustellen, dass wiederverwendbare Kunststoffe entwickelt werden. Denn Kunststoff ist ein wichtiger Werkstoff, wir müssen nur richtig damit umgehen. Gebrauchte Kunststoffe dürfen nicht zu Abfall werden. Sie gehören zurück in den Wertstoffkreislauf. Uns geht es um eine Welt ohne Müll, nicht um eine Welt ohne Kunststoff. Wir wollen, dass keine unserer Verpackungen im Meer oder in der Landschaft landet.

Deshalb haben wir uns bis 2030 weltweit zum Ziel gesetzt, dass wir für jede Verpackung, die wir in den Markt bringen, eine Verpackung zurücknehmen, um sie zu recyceln. Dies hat unser CEO James Quincey mit unserer Initiative „Eine Welt ohne Müll“ beim Weltwirtschaftsforum 2018 unterstrichen. In Deutschland ist der Wertstoffkreislauf über das Pfandsystem bereits heute nahezu geschlossen. Um ihn komplett zu schließen, setzen wir für die Produktion neuer Getränkeflaschen auch Altmaterial aus gebrauchten PET-Getränkeflaschen ein. Bereits jetzt haben wir bei den meisten PET-Einwegverpackungen in den Größen 500 ml und kleiner mindestens 50% Anteil an recycletem PET, im Durchschnitt aller unserer Einwegpfandflaschen sind es 29%.“

Recycling eingesammelte Einwegpfand-PET-Getränkeflaschen
NEUES LEBEN: So werden eingesammelte Einwegpfand-PET-Getränkeflaschen recycelt                              Quelle: FORUM PET

Was unternimmt Coca-Cola, um den Anteil von recyceltem Kunststoff in neuen Flaschen zu erhöhen?

„Unser Ziel ist es, bis 2025 den durchschnittlichen Anteil von recyceltem PET in all unseren Einwegpfandflaschen auf 50 Prozent erhöhen. Es ist aber noch nicht genügend qualitativ hochwertiges PET-Rezyklat verfügbar, das den hohen Ansprüchen für Lebensmittelverpackungen genügt. Denn wir haben zwar ein gutes Pfandsystem mit sehr hohen Rücklauf- und Recyclingquoten, aber die Nachfrage nach diesem sortenreinen Altmaterial ist sehr hoch.

In Deutschland geht ein Drittel des Rezyklats aus Getränkeflaschen wieder in Getränkeflaschen, der Rest geht in andere Verpackungen und Folien, in Textilfasern oder andere Produkte. Deshalb investieren wir auch in  innovative Recyclingverfahren. Bei diesem Verfahren kann jegliches PET-Material, also nicht nur PET aus Getränkeflaschen, benutzt werden, um lebensmitteltaugliches PET herzustellen. Zusammen mit Ioniqa Technologies und Loop Industries arbeiten wir daran, aus Kunststoffen unterschiedlicher Eigenschaften, Farben und Beschaffenheit lebensmittelsichere Verpackungen herzustellen.

Recyceltes Material Coca-Cola

Es gibt keinen Königsweg, aber viele Wege in die richtige Richtung. Wir investieren weiter in Mehrwegflaschen, wir erhöhen den Anteil an recyceltem PET in Einwegpfandflaschen und wir schließen den Wertstoffkreislauf in unserer Produktion.