Das folgende Interview ist im Original in "Emotion" erschienen, wir veröffentlichen es hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Die Rumänin Bianca Bourbon ist Geschäftsführerin von Coca-Cola in Deutschland, Dänemark und Finnland. Ihr Schlüssel zum Erfolg: vielfältige Teams, die zur Welt von heute passen.

Bianca Bourbon, 44, hat internationale Wirtschaftswissenschaft in Bukarest studiert. Bei Coca-Cola startete sie im Marketing und verantwortete u. a. alle Marken in Osteuropa; dann wechselte sie ins operative Geschäft und war für Zentraleuropa zuständig. Als Deutschland-Chefin setzt sie auf mehr Auswahl wie Bio-Limonade, Bio-Tee und Getränke mit weniger Zucker.

Sie haben ihre Karriere vor über 20 Jahren bei Coca-Cola gestartet – was war Ihr Traumjob als Kind?

„Ich fand "Chefin"-Sein spannend. Meine Mutter war selbstständig. Ich fand es toll, wenn Leute anriefen und nach der "Chefin" fragten. Später war mein Traumberuf Flugbegleiterin und dann Diplomatin. Denn ich bin im kommunistischen Rumänien aufgewachsen und wollte vor allem ins Ausland. Heute arbeite ich als internationale Geschäftsführerin – meine Wünsche haben sich erfüllt.“

Wie sind Sie zu Coca-Cola gekommen?

Ich hatte erst einen Aushilfsjob für zwei Wochen. Das Arbeitsklima gefiel mir auf Anhieb so gut, dass ich bleiben wollte. Coca-Cola unterschied sich von allem, was ich kannte. Ich hatte Marketing und Wirtschaft studiert und hier war ein großes, internationales Unternehmen mit vielen Möglichkeiten. An die Offenheit musste ich mich erst gewöhnen: Plötzlich durfte ich die Kollegen duzen! Nach einem Praktikum erhielt ich einen Job im Marketing. Der Launch von Coca- Cola light in Rumänien war mein erstes Großprojekt. Nach und nach habe ich mehr Länder betreut und bin dann ins internationale Management gewechselt.

Was ist das Besonders an Ihrem Job?

Ich hatte kürzlich im Büro eine lange Videokonferenz auf einem großen Bildschirm. Meine Kollegin hatte ihre kleine Tochter dabei. Die sah mich und meinte, meine Arbeit sei wunderbar: den ganzen Tag fernsehen. Was für sie "fernsehen" ist, bedeutet in der Realität, sich viel Zeit für Menschen zu nehmen. Ich verbinde Kollegen in verschiedenen Ländern und ihre Ideen miteinander. Dabei ist es mir wichtig, für eine angenehme Atmosphäre zu sorgen. Denn ich erstelle kein Produkt, sondern erschaffe eine Kultur. Dabei arbeite ich gern mit unterschiedlichen Persönlichkeiten – daraus ziehe ich Kraft.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Um mein Stressniveau und vor allem das von anderen niedrig zu halten, versuche ich, Dinge nicht zu verkomplizieren. Privat entschleunige ich, indem ich mit meinem Mann und unserem Hund im Wald spazieren gehe.

Sie setzen in Ihren Teams bewusst auf Diversity. Warum?

Ich erlebe selbst, was viele Studien zeigen: Wenn verschiedene Charaktere, Nationalitäten und Geschlechter zusammenarbeiten, erzielen wir bessere Ergebnisse. Und wenn jedes Teammitglied sich mit seinen Erfahrungen und Perspektiven einbringen kann, bereichert das ein Unternehmen. In unserer deutschen Zentrale arbeiten 16 verschiedene Nationalitäten, und in den Führungspositionen liegt unser Frauenanteil bei über 50 Prozent.