Sie sind mitten unter uns, für jeden wahrnehmbar und doch sind es geheime Orte: Spielplätze. Wer keine Kinder hat, weiß nichts von diesen Parallelwelten, von ihren Bewohnern und ihren geheimen Regeln. Unsere Autorin verbringt dort ihre Nachmittage.

WENN DIE KINDER größer werden, aber noch nicht groß genug sind, um GANZ alleine auf den Spielplatz zu gehen, beginnt für Eltern eine komische Zeit. Sie müssen mit, aber sie werden vor Ort nicht mehr gebraucht, ehrlich gesagt: Sie stören. Manchmal habe ich Glück und andere überflüssige Elternteile sind unterhaltsam. Manchmal habe ich kein Glück, kein Buch dabei und mag auch keine Mails auf dem Handy abarbeiten. Dann erfinde ich Spiele oder Aufgaben. Hirnjogging soll schlaumachen und vielleicht kann ich so das ewige Multitasking ausgleichen. So entstand mein Spielplatz-ABC. Es ist praktisch und vielfach einsetzbar. Es dient Spielplatz-Anfängern als Nachschlagewerk und kann von Fortgeschrittenen beliebig erweitert werden. Also los: 

Spielplatz-ABC - Apfelschnitz

A wie Apfelschnitz. Nehmen gut organisierte Eltern in kleinen Dosen mit, in der Hoffnung, dass der kleine Sonnenschein bei aufkommendem Hunger den Apfelschnitz einem fremden Schokokeks vorzieht. In der Regel bleibt die Frage „Willst du einen Apfelschnitz?“ unbeantwortet. Das Schicksal der Apfelschnitze: 1. Mama isst sie selbst oder 2. Sie werden drei Tage später gefunden und weggeworfen. (-> „Quetschie“)

Spielplatz-ABC - Bälle

B wie Ball. Wer einen Ball dabeihat, hat schon gewonnen. Es sei denn, es ist der falsche Ball oder jemand anders hat einen schöneren, was eigentlich das Gleiche ist. Problematisch auch: Bälle nehmen in einer normalgroßen Tasche wahnsinnig viel Platz weg. Hilft ein Wasserball. Bis jemand mit einem Lederfußball aufkreuzt. (-> „Fußball“)

Spielplatz-ABC - Café

C wie Café. Eine der großen Fragen der Menschheit: Warum hat eigentlich noch kein Start-up einen mobilen Kaffee-Service für Spielplätze gegründet? Schaut euch die gähnenden Eltern an. Idealerweise gibt es am mobilen Kaffee-Stand, den ich an den Spielplatzrand fantasiere, ausnahmslos Kaffee. Damit die Diskussion um Eis und Gummitiere gar nicht erst aufkommt. (-> „Ja-haa“)

D wie Decke. Ob teuer, billig, gefüttert, isoliert, bunt, uni: Sie ist zu klein. Immer. (->„Gesellschaft“)

Spielplatz-ABC - Eisförmchen

E wie Eisförmchen. Gab es früher nicht, jetzt dominieren sie jeden Sandkasten. Kinder unterschiedlichen Alters verbringen ganze Minuten damit, Eis zu formen und Eltern anzudrehen. Wenn der Spielplatz sich leert, gehört es zu den beliebten Gedächtnisspielchen, sich zu fragen, ob man zwei grüne und eine blaue oder eine rote und zwei gelbe dabeihatte. (-> „Oh, mein Förmchen“)

F wie Fußball. Fußball ist eine ernste Angelegenheit. Das beginnt schon auf dem Spielplatz. Einfach „nur so kicken“ geht auf einem Platz mit zwei Toren nicht. Da kommt es zu regelrechten Szenen, bei denen Fünfjährige auf Einjährige einschimpfen, dass beim Fußball NIEMALS die Hand zu nutzen sei, es sei denn man stehe im Tor. (-> „Ball“)

Spielplatz-ABC - Gesellschaft

G wie Gesellschaft. In der richtigen Gesellschaft ist der Spielplatzbesuch ein Kinderspiel. Leider lernt man das erst zu schätzen, wenn es mal wieder anders ist und alle Anwesenden Zicken, Besserwisser, Sandschmeißer, Schubser oder Heulsusen sind. Das macht demütig. (-> „Xantippe“)

H wie Hüpfe. Lange wusste ich nicht, wofür die breiten Kunststoffbänder da sind. Heute weiß ich: Das, was die Kinder „Hüpfe“ nennen, ist die Weiterentwicklung der Wippe. Bei Fragen wie „Was passiert, wenn zwei auf der einen Seite hüpfen, mit dem Kind auf der anderen Seite?“ lernen Kinder heute Ursache-Wirkung-Relation. (-> „Wippe“)

Spielplatz-ABC - Igitt

I wie Igitt. Es ist doch komisch. Manche Kinder sauen sich täglich mehrfach von oben bis unten ein. Mit Sand, Dreck, Tomatensoße, Eis - ganz egal, sie bohren stundenlang in der Nase. Aber wenn ihnen etwas nicht passt – ein Butterbrot, eine staubige Schaukel – ist das IGITT! Immer laut, immer absolut. (-> „Apfelschnitze“)

J wie Ja-haa. Die Universal-Antwort auf jede Frage. „Kannst du mal kommen?“ „Ziehst du deine Jacke an?“ „Kommst du jetzt?“ „Hört ihr auf zu streiten?“ Der Unterschied zum einfachen „Ja“ könnte nicht größer sein. Bestenfalls heißt es „mal gucken“, eigentlich aber „nerv nicht, Mama“. (-> „Gesellschaft“)

Spielplatz-ABC - Karussell

K wie Karussell. Ich werde niemals verstehen, warum mein Sohn im Auto über Übelkeit klagt, wenn ich ihn mit Freunden auf einem Karussell sehe. Dann wird nämlich mir schlecht. Schon, wenn ich mir überlege, was alles passieren könnte. Es passiert nie etwas. (-> „Y.O.L.O.“)

Spielplatz-ABC - Leiter

L wie Leiter. Der eine will hoch, die andere will runter, schon haben wir die schönste Krise an der Rutsche. Denn der Untere nimmt seine Hand natürlich immer erst dann weg, wenn der obere draufgetreten ist. (-> „Netze“)

M wie Mülleimer. Immer zu voll und irgendwie immer zu weit weg. Sonst lägen nicht überall Bonbonpapiere und Chipstüten. Außerdem frage ich mich, wo die Chipstüten herkommen, wo doch alle nur Bio-Äpfel essen. (-> „Zigaretten-Kippen“)

Spielplatz-ABC - Netze

N wie Netze. Viel besser als Leitern, weil in der Regel zwei Kinder aneinander vorbeikommen. (-> „Leitern“)

Spielplatz-ABC - Förmchen

O wie „Oh, mein Förmchen“. Ob ein Förmchen interessant ist, entscheiden weder Farbe noch Form, noch Motiv, sondern alleine die Tatsache, ob ein anderes Kind sich dafür interessiert. (-> „Xantippe“)

Spielplatz-ABC - Pumpe

P wie Pumpe. Eine Pumpe macht den Unterschied. Zumindest von Mai bis Oktober. Solange die Kinder einen Spielplatz unter Wasser setzen können, Matsch-Sand produzieren, Staudämme bauen und sich selbst von oben bis unten einsauen, braucht der Spielplatz sonst nichts mehr. Alles perfekt. Vorausgesetzt, die Eltern haben an die Wechselwäsche gedacht. (-> „Y.O.L.O.“)

Q wie Quetschie. Für die Mama, die denkt, dass das Kind Obst essen soll, gleichzeitig aber glaubt, dass es an einem Apfel erstickt, wurden diese Tütchen mit Fruchtmus erfunden. Quetschies schmecken großartig, Kinder lieben sie. Aber sie sind spielplatzungeeignet weil man sie unmöglich teilen kann ohne den nächsten Kita-Virus in Umlauf zu bringen. Viel besser wären Apfelschnitze. (-> „Apfelschnitze“)

Spielplatz-ABC - Rutsche

R wie Rutsche. Na klar weiß jeder, wie eine Rutsche zu benutzen ist. Aber anders rum macht es mehr Spaß. Außerdem kommen alle ins Gespräch. Rutscher mit Kletterern, Drängler mit Anstehern, Eltern mit Kindern, Eltern mit Eltern. Herrlich. (-> „Gesellschaft“)

S wie Seilbahn. Super für den, der draufsitzt und sich schon richtig gut festhalten kann. Schwierig für alle anderen. Wichtigster Satz: „Aus dem Weg!“ (-> „Y.O.L.O.“)

Spielplatz-ABC - Schaukel

SCH wie Schaukel. Wann lernen Kinder eigentlich, das Gewicht so zu verlagern, dass sie selbst eine Schaukel zum Schwingen bringen können? Fahrradfahren, Butterbrote schmieren, Zähneputzen und Nebensätze formulieren kommt auf jeden Fall früher. (-> „Ja-haa“)

Spielplatz-ABC - Tischtennisplatte

T wie Tischtennisplatte. Manche nutzen sie zum Tischtennisspielen. Andere für das Buffet bei Festen, zum Draufklettern und Runterfallen, um Fußbälle zu köpfen, zum Sitzen und Anlehnen. Kaum ein Spielgerät wird so intensiv durch alle Altersstufen genutzt. (-> „Unterschlupf“)

U wie Unterschlupf. Manchmal kommt der Regen schneller als gedacht. Dann kann es in einem Unterschlupf richtig kuschelig werden. Außerdem lieben Kinder es, sich zu verstecken. Spielen kann man dort auch. Arche Noah zum Beispiel. (-> „Tischtennisplatte“)

V wie Vater. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Geschlechter-Ausgeglichenheit schneller in den Führungsetagen von Dax-Unternehmen realisiert wird als auf Spielplätzen. Zumindest unter der Woche. Die männlichen Exoten werden entsprechend beäugt wie seltene Käfer. Keine Sorge, Väter. Die wollen nur spielen. (-> „Gesellschaft“)

Spielplatz-ABC - Wippe

W wie Wippe. Sie wirkt immer ein bisschen retro. Aber retro ist in und hat etwas von zeitloser Beständigkeit. Irgendwann sah man kaum noch Wippen auf den Spielplätzen, und in meinen Augen ist das ein großer Verlust. Es gibt kaum etwas, was man auf einer Wippe nicht lernen könnte. Gewicht verlagern, balancieren, Kleinere ärgern, Banden bilden, runterspringen. (-> „Hüpfe“)

X wie Xanthippe. Viele alte Namen kommen wieder in Mode. Xanthippe habe ich noch nie gehört. Aber oft schon gedacht. Die Frau des Sokrates galt als ausgesprochen streitsüchtig. Es gibt Dreijährige, die ihr in nichts nachstehen. Keiner darf sich ihren Spielsachen nähern. Die Abschluss-Szene ist meist sehenswert.
(-> „Gesellschaft“)

Y wie Y.O.L.O. Manchmal wünscht man sich auf dem Spielplatz ein bisschen mehr YOLO-Gelassenheit. Für Offliner: „You only live once“. Wenn das Kind sich an der Pumpe nass macht, was soll’s? Nachher ist es wieder trocken.
(-> „Rutsche“)

Z wie Zigarettenkippe. Ich habe nichts gegen Raucher. Ich habe noch nicht einmal etwas gegen Rauchen auf dem Spielplatz, wenn alle Kinder längst im Bett sind. Aber ich habe wirklich was gegen Kippen im Sand. (-> „Mülleimer“)

 

Übrigens: Die Bewerbungsphase für die Fanta Spielplatz Initiative läuft vom 20. Juni bis zum 31. Juli 2018. Im September startet das Voting und im Herbst stehen die Gewinner fest.

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Pressebüro Fanta Spielplatz-Initiative
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