WAS HABEN der junge John Lennon, Freddy Mercury, Franklin D. Roosevelt und Nicolaus Sarkozy gemeinsam? Sie alle waren oder sind Briefmarkensammler. Tom Hanks hingegen haben es alte Schreibmaschen angetan – diese Begeisterung war es auch, die den Schauspieler zum Verfassen seines ersten eigenen Buches brachte. Auch Angelina Jolie wird eine skurrile Sammelleidenschaft nachgesagt: Sie soll die benutzten Pflaster ihrer Kinder horten. Quentin Tarantinos Leidenschaft soll Brettspielen gehören, die auf TV-Serien basieren.

Sammeln kann man fast alles. Brillen, Eintrittskarten, Kronkorken, Radiergummis, Safes, Spucktüten, Parfumflaschen, Pferde, Autos, Kunst – der Fantasie und der Hamsterlust sind keine Grenzen gesetzt.

„Sammler sind glückliche Menschen“, soll Goethe einst gesagt haben. Er selbst widmete sich handschriftlichen Originalen berühmter Künstler, Politiker, Gelehrter und Monarchen, sogenannten Autographen. Mehr als 25 Jahre lang trug er über 2.500 Briefe, Notenblätter, Manuskripte, Dokumente und andere Schriftstücke zusammen.

So ganz kann man sie nicht verstehen, die Sammler, es sei denn man gehört selbst dazu. Rational lässt sich die Aufregung um die begehrten Objekte auch nicht erklären. Forscht man jedoch ein wenig nach, wird schnell klar: Der Sammelsport steckt in unseren Genen.

AC/DC-Flasche und Coca-Cola Radio
ROCK’N’ROLL furs Sammlerherz: AC/DC-Flasche und Coca-Cola Radio mit Tape-Deck

In der Urzeit überlebte nur, wer für den kalten Winter am meisten gehortet hatte. Nur so konnte er den ungnädigen Naturkräften die Stirn bieten und seine Mini-Höhlenmenschlein durch magere Zeiten bringen. Vor allem in kälteren und feuchteren Gebieten hat sich deshalb der Sammeltrieb entwickelt. In wärmeren Regionen wird hingegen bis heute einfach weniger gesammelt.

„Möchtest du meine Briefmarkensammlung sehen?“ Diese Frage hat eine vielschichtige Bedeutung.“

Ein anderer, heilsamer Aspekt: Insbesondere das männliche Selbstwertgefühl soll durch das Sammeln gestärkt werden. Da Studien zufolge 98% der Sammler männlich sind und da das Leben mitunter wie ein einziger Dschungel sein kann, heißt das: Andauernd taucht irgendein neuer Oberbär oder Großgorilla auf und will einem an den Pelz. Wie gut, wenn man da auf sichere Mittel zurückgreifen kann: den Besitz! Damit ist man schon im Vorteil und eindeutig der Klügere. Und natürlich ist auch die Sippe mitversorgt.

Briefmarkensammlung
FÜR JEDES Sammelgebiet gibt es eine Blaue Mauritius.

„Möchtest du meine Briefmarkensammlung sehen?“ Diese Frage hat somit eine noch vielschichtigere Bedeutung, als wir bislang dachten – und ihren Ursprung im Dschungel. Womit wir beim nächsten Schritt zum Verständnis der Sammlerseele wären: dem Gefühl von Gewinn, auch im Hinblick auf die Zukunft. Ein seltenes Stück endlich in Händen zu halten, erzeugt Hochgefühle und macht einfach süchtig. Besonders, wenn es die gesamte Sammlung aufwertet.

Ja, die Jagdlust gesellt sich gerne zum Sammeltrieb. Wir haben es geahnt: Der Sammler ist immer auch ein Jäger.

Auch wenn es heute meist nicht ums Überleben geht, auch wenn jeder Sammler weiß, dass alles was an Gegenständen unter der Sonne kursiert, eines Tages den Besitzer wechseln wird: Es ist der Spaß, der zählt.

Auf den vielen Sammlerbörsen live oder online Gleichgesinnte zu treffen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen, seine Sammlung zu vergleichen und ergänzen, das macht glücklich.

Das Sortieren und Archivieren gibt ein Gefühl von Ordnung und Sicherheit in einer Welt, die oft genug unübersichtlich ist. Besonders wir Deutschen stehen in dieser Hinsicht ganz weit vorn. Wie keine andere Nation lieben wir es aufgeräumt. Und wir haben den Blick fürs Detail. Uns fallen Dinge auf, die andere schlicht übersehen.

Setzkasten
TIERISCHES VERGNÜGEN, sogar im Setzkasten 

Für alle, die in die Welt der Coca-Cola Schätze eintauchen möchten – und niemand versteht das besser als wir: Am 20. Mai ist es wieder soweit: die 24. Coke Convention öffnet in Essen ihre Türen und freut sich auf leidenschaftliche Besucher. Es ist die größte deutsche Coca-Cola Sammlerbörse, mit Ausstellern unter anderem aus Spanien, Frankreich, Belgien, Holland, Schweiz, Italien, Tschechien, Österreich, Luxemburg, Malta und den USA.

Wer danach noch Platz im Kofferraum hat, fährt vielleicht zur Teddybär-Welt, zur Spielfiguren-Börse, zu den Ü-Eiern oder zu den Klassikern für Comics. Allein mit dieser Liste an Schallplattenbörsen dürften einige Kilometer auf den Tacho kommen.

Im Grunde ist es immer noch wie früher, als die Jungs mit glänzenden Augen auf dem Pausenhof umherrannten, ihre Sammelhefte unterm Arm, um dann in stillen Ecken ihre Tauschgeschäfte auszuhandeln. Manche Kunstsammler hingegen vollbrachten unschätzbare Kulturleistungen. Für ihre Schätze wurden Museen gebaut, Berggruen oder Ludwig etwa. Allen gemein ist eins: das reine, ungetrübte Glück beim Anblick eines begehrten Objekts. Egal ob Coca-Cola, Picasso oder Panini – Sammeln ist einfach unsere Natur.

Hier siehst du eine Kollektion von Fußball-Sammelgläsern von Michael Ehlert. Nur ein winziger Ausschnitt aus dem Fundus des Coca-Cola Sammlers. Ehlert nennt mehr als 2.000 Coke Objekte sein Eigen. Mehr auf seiner Website www.Cokeisit.de.