ES BEGANN mit einer Coke in 2.240 Meter Höhe, auf dem Passo Sella in den Dolomiten, vor 37 Jahren. Der Augenblick war einfach zu gut, um nicht festgehalten zu werden. Ein wunderbarer Tagesausflug, der erste Urlaub mit Auto, der gerade achtzehnjährige Frank Schlag wollte etwas behalten, was ihn an diesen besonderen Moment erinnern würde. In der Hand hielt er eine gläserne Konturflasche, Getränkeverpackung und formschönes Objekt. Der angehende Kunsthändler packte die Flasche ein – und markierte, ohne es damals zu wissen, den Anfangspunkt der heutigen Ausstellung „The Coke Side of Art“ in seiner Galerie in Essen.

The Coke Side of Art - Showichi Kaneda
OHNE TITEL. Showichi Kaneda (*1970 in Kyoto, Japan), 2019, Mischtechnik auf Kunststoff, 61 cm x 91 cm

Seit jenem Tag in Italien hat Frank Schlag Coke Flaschen eingepackt, wo immer er unterwegs war. Niemand konnte das so richtig verstehen – sahen die Glasflaschen doch scheinbar alle gleich aus. Das sah Frank Schlag anders.

Manchmal hatte das Glas eine leicht andere Farbe, manchmal waren Etikett, Schrift, Form ein wenig anders als alle andern. Er konnte es beurteilen. Mit der Zeit sammelten Freunde mit, wenn sie auf Reisen waren und so kamen bis zum heutigen Tag etwa 400 Glasflaschen aus 100 Ländern und rund 300 verschiedene Dosen zusammen.

The Coke Side of Art - Sabine Christmann
FAMILIENTREFFEN. Sabine Christmann (*1960 Offenbach a.M.), 2019, Öl auf Leinwand, 30 x 50 cm

Frank Schlag hatte immer schon gewusst, dass er irgendwann eine Ausstellung rund um das Thema Coca-Cola organisieren wollte. Spätestens mit Andy Warhol war die Konturflasche in den 60er Jahren in der Kunst angekommen. Inspiriert hat sie seitdem viele Künstler rund um die Welt. International sollte die Ausstellung sein, genau wie seine Flaschensammlung. Zusammentragen wollte er die Kunst und die Flaschen an einem Ort, der für Coca-Cola und für ihn selbst bedeutsam war: in Essen.

Acht Buchstaben, ein Bindestrich, sie zierten damals in Essen jeden Kiosk und jede Kneipe.

Hier wurde vor 90 Jahren zum ersten Mal Coke in Deutschland abgefüllt. Hier ist Frank Schlag 1963 geboren und aufgewachsen, er ist ein Kind des Ruhrgebiets und bekennender Lokalpatriot. Die Schilder mit der Werbung für Coca-Cola prägten in seiner Kindheit das Straßenbild in Essen, die weiße Welle auf rotem Grund, acht Buchstaben, ein Bindestrich, sie zierten damals jeden Kiosk und jede Kneipe.

The Coke Side of Art - Dean Arlen
COCA-COLA. Dean Arlen (*1966 Port-of-Spain, Trinidad), 2019, Papier, Acryl, Tinte und Kleber auf Leinwand, 98 x 98 cm 

90 Jahre Coca-Cola in Deutschland. Das schien Frank Schlag ein passender Anlass für seine Ausstellung. 2015 begann er, die Ausstellung zu planen, vier Jahre lang suchte er nach geeigneten Exponaten. Und fand sie, wie auch schon die Flaschen, überall auf der Welt. Die 36 Künstler, die bei ihm ausstellen, kommen von allen fünf Kontinenten. Das früheste Werk stammt aus dem Jahr 1970, die jüngsten aus diesem Jahr. Gemälde sind dabei, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafik, Fotografien und Collagen. Alle Werke stehen zum Verkauf, zwischen 300 und rund 20.000 Euro kosten sie.

The Coke Side of Art – Frank Schlag 1982
DIE ERSTE: Frank Schlag und seine Schwester Gabriele, 1982 auf dem Passo Sella, mit dem Grundstein seiner Sammlung

Dass Kunst rund um Coca-Cola die Menschen anspricht, merkte Schlag schon bei der Vernissage am 12. Oktober. Sie dauerte praktisch den ganzen Tag und zeitigte erste Verkaufserfolge. Etwa 300 Menschen kamen, um die Kunstwerke und die 18 angereisten Künstler zu sehen und natürlich, um eine Coke zu trinken. Ein großer, schwarzer Coca-Cola Kühlschrank steht in der Galerie. Coke ist auch hier, wie an so vielen Orten auf der Welt, nur eine Armeslänge entfernt.

The Coke Side of Art – Frank Schlag 1982
FRANK SCHLAG in seiner Galerie, 2019

Viele Besucher werden wiederkommen. Wenn die Galerie zur Führung lädt, zur Katalogpremiere oder zu einer Lesung am 15. November aus dem Roman „Always Coca-Cola“ von Alexandra Chreiteh. Am 27. November gibt es eine letzte Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung. Dann feiert Frank Schlag seine Finissage.

Wenn alles gut läuft – und danach sieht es aus – wird er bis dahin viele der 65 Kunstwerke verkauft haben. Seine private Sammlung packt er dann wieder ein. Die persönlichen Erinnerungsstücke stehen nicht zum Verkauf. Eine Flasche erinnert ihn nämlich an einen Tag im Jahr 1982 in den Dolomiten. Das Wetter war schön und Frank Schlag wollte den Moment niemals vergessen.

Weitere Highlights der Ausstellung:

The Coke Side of Art – Toon Teeken
THE BOTTLE. Toon Teeken (*1944 in Heerlen, Niederlande), 2019, 28 Gouachen, jeweils 35 x 25 cm, gesamt: 155 x 205 cm 

The Coke Side of Art – André Schweers
COKE IT – MILK IT. André Schweers (*1963 in Mülheim a. d. Ruhr), 1991, Pigmentdruck auf Barytpapier, 30 x 20 cm, gerahmt 50 x 40 cm, Exemplar. 1/5

The Coke Side of Art – Andrea C. Hoffer
OHNE TITEL. Andrea C. Hoffer (*1964 in Kirchhellen), 1994, Eitempera auf Leinwand, 58 x 45,5 cm

The Coke Side of Art – Franck Gohier
JACK DANIELS AND COKE. Franck Gohier (*1968 in St. Nazaire, Frankreich), 2019, Acryl auf Holz, 120 cm x 90 cm

The Coke Side of Art – Walter Schernstein
LAS VEGAS, NEVADA, USA, 8457 – 2012. Walter Schernstein (*1956 in Mülheim a.d. Ruhr), Fotografie, Pigment Print auf Hahnemühle Matt FineArt Photo Rag 308 g/m², Papierformat 42 x 59,4 cm, Fotoformat 33 x 48,5 cm

Bis 27. November,
Galerie Frank Schlag & Cie. GmbH
Teichstraße 9 
45127 Essen 
Dienstag - Freitag: 10:00 - 19:00 Uhr,
Samstag: 10:00 - 16:00 Uhr
Sonntag und Montag geschlossen.

Telefon: 0201 – 180 77 72
E-Mail: german-modern-art@t-online.de