WENN ER auftaucht, wird es turbulent: In einem Kino in Leipzig bildet sich schon zur sonntäglichen Mittagszeit eine Menschenmenge. Kinder mit ihren Eltern, Studenten, Männer Mitte 40 stehen vor der Absperrung. In den Händen CDs, Bücher und große Popcorn-Eimer. TV-Teams bauen hektisch ihre Kameras auf, einige haben ihre Kinder mitgebracht. „Otto muss Interviews geben und hat wenig Zeit. Er wird danach leider keine Autogramme geben können“, ruft Ottos Manager den Fans zu. „Gehen Sie schon mal ins Kino. Der Film fängt gleich an“.

Die Fans denken nicht daran, ihre Plätze zu räumen. Sie bleiben. Gleich wird Otto im Kinosaal den Animationsfilm „Der Grinch“ vorstellen. Darin leiht der 70-Jährige einem zotteligen grünen Weihnachtshasser seine unverwechselbare Stimme.

Der Mann, den Deutschland seit Jahrzehnten als den „Außerfriesischen“ kennt, kommt durch den Hintereingang. Blau-weißes Ottifanten-Shirt, knallgrüner Blazer, grüne Sneakers und grüne Fellmütze. Otto als Mensch gewordener Grinch.

Otto hat den Humor mehrerer Generationen geprägt. Schon die Otto-Fernsehshows in den 70ern waren nationale Ereignisse. Ebenso die Otto-Kinofilme in den 80er und 90ern. Viele seiner Gags sind heute Teil der Alltagssprache. „Kleinhirn an Großhirn“, „Dänen lügen nicht“. Otto war schon komisch, als Comedians noch nicht erfunden waren. Eine Legende, ein schelmischer Gigant und zugleich der Komplize des Kindes in uns allen.

Als ihn seine Fans lautstark rufen, stellt er sich mitten im Interview auf den Stuhl und jodelt ihnen zu. Schnell wird klar: Ein ernsthaftes Gespräch mit Otto ist hier heute nicht möglich. Otto will blödeln – und zu seinen Fans. Darum ist er hier. Völlig in Ordnung. Otto darf das. Otto darf sowieso alles.

Coca-Cola, Coke light, Coke Zero Sugar?
„Da weiß ich gar nicht, was das ist. Ich trinke nur Friesentee. Den aber Zero. Oder light?“

Hier neben uns stehen Kinder, junge Erwachsene und ältere Herrschaften, um dich zu sehen. Ein Bild, das du sicher kennst...
„In Leipzig zum ersten Mal. Warum sind die alle hier? Das versteh ich gar nicht...“

Otto - Selfie
SELFIE-TIME! Otto Waalkes und Thomas Bremser in Leipzig 

Wie ist es für dich, wenn du vermutlich überall, wo du hingehst, direkt erkannt wirst?
„Ich war vorhin auf dem Marktplatz in Leipzig. Dort stand eine Menschenmenge und einer schrie 'Da ist Otto'. Da drehten sich alle um und schauten mich an. Ich wurde ganz verlegen. Vielleicht hätte ich doch nicht so laut rufen sollen...“.

Gibt es denn noch Momente, in denen dich niemand erkennt? Oder ist immer Selfie-Zeit?

„Im Moment ist immer Selfie-Zeit. Das gehört sich auch so. Das wundert mich sowieso. Ich mach das ja schon so lange. Dass immer noch Selfie-Zeit ist. Eigenartig. Aber ich freu mich darüber. O Selfie-Zeit, o Selfie-Zeit, wie scharf sind deine Bilder?“

Otto Waalkes: 6 endgültige Entscheidungen zu Weihnachten


Meine über 90-jährige Oma lacht über dich, Kinder in der Grundschule schauen deine Videos auf YouTube. Wie erklärst du dir diesen zehnten Frühling?
„Darüber darf ich gar nicht nachdenken. Ich möchte es mir selbst nicht erklären. Möchtest du es mir erklären?“

„Die Leute freuen sich, mich zu sehen. Mir geht es umgekehrt genauso. Warum sollte ich damit Schluss machen?“

Vielleicht fragen wir mal die Schüler von heute, warum sie Otto lieben. Dieter Hallervorden hatte eines Tages genug von seinem Didi-Image und ist ins seriöse Fach gewechselt. Gab es bei dir auch mal solche Überlegungen?
„Aber warum denn? Die Leute haben so einen Spaß. Die Leute sind nett zu mir und freuen sich, mich zu sehen. Mir geht es umgekehrt genauso. Warum sollte ich damit Schluss machen? Das ist bei mir auch kein Image. Vielleicht war´s das bei Dieter Hallervorden. Das weiß ich nicht. Er ist ja talentiert und kann in verschiedene Rollen schlüpfen. Ich bin kein Schauspieler. Ich bin nur Otto. Ich brauche mich nicht zu verstellen. Das ist das Gute...“


„Der Grinch“ ist ein Miesepeter, immer schlecht gelaunt. Von Komikern denken viele, sie hätten immer gute Laune. Wann bekommst du schlechte Laune?
„Wenn ein Interview zu lange dauert. Dann werde ich langsam wirklich schlecht gelaunt. Denn ich will mich doch lieber um die Fans hier kümmern. Die warten doch schon.“

Wir können gerne gemeinsam zu den Fans...

„Nein, erst eure Fragen...“

Otto am Mikrofon
ERNSTSEIN ist anstrengend: Otto am Mikrofon für „Der Grinch“ 

Aber gibt es Momente, in denen du einfach keine Lust hast?
„Im Moment habe ich keine Lust, ernst zu sein. Das ist so anstrengend. Aber du stellst ernsthafte Fragen. Also bin ich verhalten, ruhig, gehe auf deine Fragen ein. Das fällt mir normalerweise schwer. Mal schauen, wie lange ich durchhalte.“

Lustigsein ist nicht so anstrengend?

„Hollederidi. Das ist nicht so anstrengend, nein.“

Ottos Klassiker (1): Herbert von Karamalz


Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Grinch und dir?
„Der Grinch ist nur ein vermeintlicher Bösewicht. Hinter der rauen Schale verbirgt sich ein weiches Herz. Und das habe ich, glaub ich, auch.

„Der Grinch“ hasst Weihnachten, will das Fest sogar klauen. Wie stehst du zu Weihnachten?
„Ich mag eigentlich alles an Weihnachten. Ich mag Weihnachten, weil alle sich bemühen, lieb zu sein. Manche behaupten sogar: Weihnachten sei ein Fest der Liebe. Da musst du nur Rolf Zuckowski fragen. Der hat sich noch viel intensiver mit dem Geist der Weihnachten befasst und sich darüber Gedanken gemacht. Ich bisher noch nicht genügend. Weihnachten ist für mich noch gar nicht richtig da, hinterher geht´s los für mich. Dann werde ich mir mal Gedanken machen.“

Ottos Klassiker (2): Das Phänomen der Schräge


Du hast durch die Tour also auch vorweihnachtlichen Stress...
„Ach, Stress ist das nicht. Das ist doch sehr angenehm. Die Leute freuen sich, wenn sie mich sehen. Sie nehmen meine Anwesenheit quasi als Geschenk, mehr kann ich ihnen ja nicht geben. Das ist doch toll. Ich habe der Kleinen da vorhin einen großen Ottifanten gezeichnet. Sie hat sich sehr gefreut. Es müssen ja nicht immer die ganz großen Geschenke sein. Obwohl die natürlich auch ganz schön sind. Also raus mit der Kohle und kaufen, kaufen, kaufen.“

Und was schenken dir die Fans während der Kinotour?
„Na ich bin mal gespannt, was sie mir in Leipzig so schenken. Ich habe schon einen LKW bestellt. Alles einsacken, das ganze Zeug. (Singt:) Gold und Silber lieb ich sehr, kann´s auch gut gebrauchen! Also her mit den Kostbarkeiten. Hollederidi!“

Hier trifft Otto seine Fans:


In diesem Jahr hast du deine Autobiografie geschrieben und im Hamburger Kunstmuseum gibt es eine Ausstellung über dich...
„Richtig, eine Ausstellung habe ich auch gerade, in Hamburg. Das Schöne an der Malerei ist ja: Der Geist ist aktiv – ohne körperliche Strapazen. Das macht mir mehr Spaß als Marathonlaufen und abwechslungsreicher ist das Malen auch noch.“

Ottos Klassiker (3): „Wetten dass..?“


Wieviele Ottifanten hast du in deinem Leben schon gezeichnet?
„Wie spät haben wir es jetzt? 360 Milliarden? Ich weiß es nicht. Eine ganze Menge. Ich musste mal bei „Wetten, dass..?“ für eine Wette eine Million Ottifanten während der Sendung zeichnen. Ich habe aber nur 750.000 geschafft. Wette verloren! Da musste ich in Hagenbecks Tierpark einen Elefanten waschen. Das war noch anstrengender als Marathon!“

Mit wem würdest du dich gern auf 'ne Coke treffen?
„Kennst du noch den großen Sänger Nat „King“ Coke? Der sang Lieder von Coke Porter. (Singt:) ‚Merry Christmas to you...‘ Das kennt man doch!“

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