SMALLTALK scheint ihr Ding zu sein: Bevor ihr neues Album erscheint, kommt Dido nach Berlin. Dort stellt sie Journalisten und Mitarbeitern ihrer Plattenfirma die ersten neuen Songs vor. Bei Wein und Häppchen, in gemütlicher Runde. Vorne sitzt die britische Sängerin und plaudert gut gelaunt mit der Moderatorin über ihre mehrjährige Pause. Danach geht sie zu den rund 40 Gästen und spricht – mit jedem einzelnen.

Dido Florian Cloud de Bounevialle O'Malley Armstrong – auf diesen etwas sperrigen Namen wird die Songwriterin vor 47 Jahren in London getauft. Sie wächst in guten Verhältnissen auf, geht auf Privatschulen, lernt Klavier und Geige. Ihre ersten musikalischen Schritte geht sie mit Bruder Rollo. Er ist Musikproduzent und Gründer der Band Faithless. Dort beginnt Dido als Backgroundsängerin.

Dido: „Thank You”

Ihr eigener Song „Thank You“ verschwindet 1998 zunächst in der Versenkung, erlebt zwei Jahre später aber ein fulminantes Comeback. Rapper Eminem nutzt den Refrain für seinen Hit „Stan“ und macht Dido mit etwas Verspätung weltbekannt. Songs wie „Here with Me“, „Life for Rent“ oder „White Flag“ werden im Radio rauf- und runtergespielt, Dido gewinnt vier Brit Awards.

Nach der Geburt ihres Sohnes und ihrem vierten Album (2013) lässt Dido es etwas ruhiger angehen. Und kommt nun mit „Still On My Mind“ eindrucksvoll zurück. Auf den zwölf Songs wechseln sich Hip-Hop, Pop, Elektro und Folk ab. Ein typisches Dido-Album – im Sound von 2019. Hier erzählt sie, wie ihr heute siebenjähriger Sohn Stanley ihre Musik verändert hat.

Dido: „Hurricanes“ (2019)

Coca-Cola, Coke light oder Coke Zero Sugar?
„Um ehrlich zu sein, trinke ich kaum Getränke mit Kohlensäure. Ich mag eher stilles Wasser oder Tee.“

Wie gut bist du darin, Smalltalk zu führen?
„Eigentlich ganz gut, ja. Ich mache das gerne.“

Ich habe beobachtet, wie du mit vielen Journalisten und Mitarbeitern von Plattenfirmen einen kurzen Plausch gehalten hast...
„Ich finde es wichtig, wie fremde Leute auf meine neue Musik reagieren. Vorher hat nur meine Familie die Songs gehört. Es ist ziemlich interessant, was andere dazu sagen, aber auch aufregend.“

„Kinder sind die ehrlichsten Kritiker. Wenn ihnen ein Lied nicht gefällt, gehen sie einfach weg.“


Wem spielst du neue Musik als Erstes vor – außer deinem Bruder natürlich?
„Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich schlecht darin, anderen meine Musik vorzuspielen. Ich halte sie unter Verschluss, bis ich komplett zufrieden und stolz bin. Erst dann bist du auf jede mögliche Reaktion vorbereitet.“

Albumcover – Dido: „Still On My Mind”

Wer ist dein größter Kritiker?
„Mein Mann und mein Sohn sind ziemlich ehrlich, was ich sehr gut finde. Aber darum muss ich auch sicher sein, was ich ihnen vorspiele. Kinder sind generell super ehrlich. Wenn ihnen ein Lied nicht gefällt, gehen sie einfach weg. Überhaupt ist es sehr einfach zu erkennen, ob deinem engen Familienkreis etwas gefällt oder nicht. Das siehst du schon an den Gesichtern.“

Auf deinen früheren Alben hast du meist über traurige Situationen in deinem Leben gesungen...
„Auf dem neuen Album weniger. Überhaupt gibt es meist beide Seiten in den Songs: Licht und Schatten. Kein Song ist ausschließlich traurig oder glücklich.“

Dido: „Give You Up“ (2019)

Nach der Geburt deines Sohnes hattest du zunächst Probleme, gute Songs zu schreiben. Warst du damals zu glücklich?
„Ich bin momentan auch glücklich und habe keine Probleme, Songs zu schreiben. Es ist eher so, dass ich gerne kleine, bestimmte Momente beschreibe, hinter denen ein Konflikt steht. Die verwirrend sind. Nicht schwarz und auch nicht weiß. Aber wenn du gerade ein Kind bekommen hast, spürst du keine inneren Konflikte. Du bist einfach nur glücklich. Wenn ich heute auf die Songs schaue, die ich in der Zeit geschrieben habe, bin ich einfach nicht so zufrieden. Wahrscheinlich bin am Ende ich selbst meine härteste Kritikerin, um auf deine Frage von vorhin zurückzukommen.“

Im Podcast erzählt Dido, warum sie keine Kinderlieder mag und welche Stimmen sie verehrt:


Die Ballade „Have To Stay“ hat es aufs Album geschafft. Und sie hat eine ganz besondere Bedeutung für dich...
„Stimmt. Es ist das einzige Lied, in dem ich über meinen Sohn singe. Vielleicht bleibt es auch das einzige. Ursprünglich wollte ich nie einen Song darüber schreiben, ein Kind zu haben. Aber eines Tages dachte ich, ich muss über die Liebe singen, die man für sein Kind empfindet. Ich wollte das Lied eigentlich schreiben, ohne es später jemandem vorzuspielen. Heute ist es einer meiner Lieblingssongs. Und er hat mir die Türen geöffnet, um wieder gute Songs schreiben zu können. Die Version auf dem Album ist das allererste Demo, das es von dem Lied gibt.“

6 Lieblingssongs von Dido:


Es ist dein erstes Album nach fünf Jahren, was nicht ungewöhnlich für dich ist. Wie wichtig war es, die ersten Jahre nach der Geburt bei deinem Sohn zu sein und nicht auf Tour?
„Sehr wichtig. Ich war jahrelang ununterbrochen auf Tour. Danach habe ich eine Pause eingelegt. Die Familie ist das Wichtigste in meinem Leben geworden. Ich liebe es einfach, Zeit mit meinem Sohn zu verbringen. Die Zeit ist jedenfalls schnell rumgegangen. Ich habe währenddessen auch gearbeitet, Instrumente gespielt, Texte geschrieben. Aber mich auch mit Freunden getroffen.“

Beyoncé und andere Mütter nehmen ihre kleinen Kinder mit auf Tour...
„Ja, aber ich weiß nicht, ob ich das könnte. Ich bewundere jeden, der das macht. Ich persönlich war aber damals nicht in der Verfassung dafür. Mittlerweile geht er zur Schule. Es ist alles etwas einfacher.“

Dido
IHR SOHN hat schon eine vielversprechende Stimme, sagt Dido…

Wann hat dein Sohn eigentlich gemerkt, dass er eine berühmte Mutter hat?
„Ich weiß gar nicht, ob er das überhaupt schon realisiert hat. Es gibt immer wieder Momente, in denen mich Leute auf der Straße ansprechen oder anlächeln. Das findet er dann immer komisch, aber für ihn ist das ganz normal. Kinder gewöhnen sich generell schnell an alle möglichen Situationen und handeln instinktiv. Das ist alles kein Problem.“

Will er auch Sänger werden?
„Er hat eine ganz entzückende Stimme, das muss ich sagen."

Dido
…sie selbst „genießt es einfach, zu singen“.

Du bist ein Familienmensch und hast das Album mit deinem Bruder produziert. Wie war die Zusammenarbeit?
„Unglaublich. Es ist total einfach. Wir haben die Arbeit in den Alltag integriert und viel Spaß gehabt. Die Ideen fliegen uns einfach zu, während wir spazieren gehen oder am Strand liegen. So liebe ich die Musik. Ich bin Solo-Künstlerin, fühle mich dennoch als Teil einer Familie und eines Teams. Ich kann mich sehr glücklich schätzen.“

Und ihr habt öfter mal die Rollen getauscht...
„Wir sind eigentlich jeden Song etwas anders angegangen. Mal habe ich den Text vorgegeben, mal er. Mal habe ich die Idee zu einem Beat gehabt, mal er. Jedes Lied ist anders entstanden.“

Wie sehr ähnelt ihr euch? Oder seid ihr privat ganz unterschiedlich?
„Wir haben die gleichen Werte und liegen musikalisch auf einer Wellenlänge. Aber wir sind als Personen schon sehr unterschiedlich. Er ist viel ruhiger. Ich liebe es, durch die Welt zu reisen, Leute zu treffen und laut zu singen. Er liebt es dagegen, im Studio zu arbeiten. Ich liebe Abenteuer, er schüttelt da eher den Kopf."

„Ich schreibe Songs immer in dem Glauben, dass niemand sie hören wird.“

In den vergangenen fünf Jahren ist viel passiert im Musikgeschäft. Es gibt viele neue Acts und Plattformen. Hattest du mal die Sorge, dass die Leute Dido vergessen?
„Nein. Das wäre mir auch ziemlich egal gewesen. Ich bin einfach froh, dass ich jetzt schon seit über 20 Jahren die Musik machen kann, die ich möchte. Diese Freiheit zu verlieren, würde mir etwas bedeuten. Aber das wird sich nicht ändern. Denn ich schreibe Songs immer in dem Glauben, dass niemand sie hören wird. Diesmal hatte ich keinen Plattendeal. Keiner hat gefragt, wann das Album kommt. Es hat einfach niemand erwartet. Sogar ich nicht.“

Deine Stimme ist unverwechselbar. Bei jedem Song wissen die Hörer genau: Das ist Dido…
„…das wundert mich immer. Ich bin nicht die beste Sängerin und habe nicht die Technik, die andere haben. Ich singe einfach, wie es mir in den Sinn kommt. Das ist mehr Glück. Ich genieße es einfach zu singen. Ich liebe es. Es hat mich schon immer glücklich gemacht. Wenn ich als Kind Angst hatte, habe ich gesungen."

Dido & Faithless: „One Step Too Far”

Du gehst mit „Still On My Mind“ ab Mai auf Tournee. Deine letzte liegt 15 Jahre zurück...
„Ja. Ich gehe mit der neuen Platte auf Tour, weil es einfach Songs sind, die Spaß machen. Ich bin auch gespannt darauf, wieder die alten Hits zu spielen. Aber hauptsächlich habe ich es vermisst, mit Menschen, die meine Musik hören, zu interagieren. Und das führt auf Dauer dazu, dass es schwerer wird, Songs zu schreiben. Du brauchst einfach diese Berührungspunkte. Songs schreiben ist keine Einbahnstraße, du kannst die Ideen und Inspirationen nicht nur aus dir selbst heraus ziehen. Manchmal sagen mir Leute auf der Straße, was meine Lieder ihnen bedeuten und erzählen mir ziemlich bewegende Geschichten. Aber es geht nichts über das Gefühl, mit Menschen auf den Konzerten ins Gespräch zu kommen. Darum bevorzuge ich auch kleinere Hallen.“

Mit welchen Gefühlen gehst du nach so langer Zeit wieder auf die Bühne?
„Ich denke, ich werde aufgeregt und nervös sein. Auch während der neun Jahre auf Tour war ich jedes Mal nervös. Aber sobald du auf der Bühne stehst und anfängst zu singen, geht es weg. Die Minuten davor sind allerdings schlimm.“

Mit wem würdest du dich gern auf 'ne Coke treffen?
„Mit Carole King. Sie ist eine unglaubliche Songwriterin. Ich weiß nicht warum, aber ich würde einfach gerne mal mit ihr im gleichen Raum sitzen. Ich glaube, sie ist beeindruckend.“

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