DAS HOTEL de Rome in Berlin-Mitte ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt vom Checkpoint Charlie. Das dortige Mauermuseum am ehemaligen Grenzposten erzählt eindrucksvolle Geschichten von Menschen, die aus der damaligen DDR in den Westen flüchteten. Oder es versuchten. Auch ein Heißluftballon gehört zu den Ausstellungsobjekten. Es ist der Ballon, der im September 1979 zwei Familien von Thüringen aus in den Westen brachte – unter dramatischen Umständen.

Heute, 39 Jahre später, ist der Ballonkorb in einem Saal des Hotels aufgebaut worden. Michael „Bully“ Herbig präsentiert seinen neuen Film: „Ballon“. Nein, keine DDR-Komödie. Herbig hat einen klaren und packenden Film gedreht. 

Wir treffen David Kross, er spielt Günter Wetzel, der sich mit Frau, Kindern und einer befreundeten Familie auf eine waghalsige Flucht begibt. Der Film erzählt ein spannendes Stück deutsch-deutscher Geschichte. Mit spektakulären Bildern und erstklassigen Schauspielern, unter anderem Thomas Kretschmann, Alicia von Rittberg, Friedrich Mücke und eben David Kross. David Kross wird schon als Jugendlicher durch Filme wie „Knallhart „und „Krabat“ bekannt. Er ist gerade 17, da spielt er in der Hollywood-Produktion „Der Vorleser“ mit Kate Winslet die Hauptrolle. Außerdem steht er für Stephen Spielberg („Gefährten“) und Detlev Buck („Same Same But Different“) vor der Kamera.

Wir sprechen mit David unter anderem über das, was Schauspieler die meiste Zeit tun: abwarten – und mutig sein.

David Kross in „Ballon
HANDARBEIT: David Kross in „Ballon“

Coca-Cola Classic, Coke light, Coke Zero Sugar?
„Normale Coke.“

Wie gelangweilt bist du gerade?
„Gelangweilt? Wirke ich so?“

Nein, aber du hast mal gesagt, dass du dich schnell langweilst. Da ist der Beruf des Schauspielers ja eigentlich nicht besonders günstig...
„Das stimmt. Hauptsächlich wartet man.“

Warum David Kross den Schnurbart auch nach Drehschluss trug:


Was machst du dann am Set?

„Candy Crush spielen? (lacht) Man kann schon viel machen. Bei einem Ensemble-Film wie „Ballon“ sitzen die Schauspieler oft zusammen und man langweilt sich nicht so schnell. Wir haben zum Beispiel ‚Quizduell‘ gespielt.“

„Ballon“ – Dreharbeiten im Studio
DER HIMMEL kommt später dazu: „Ballon“-Szene vor dem Greenscreen

Wie langweilig stellst du es dir vor, nächtelang bunte Fetzen zu einer Ballonhülle zusammenzunähen? Das hat Günter Wetzel, den du im Film verkörperst, ja gemacht...
„Das ist krass. Ich musste für den Film ja Nähen lernen, eine spezielle Technik. Das dauert wahnsinnig lange. Das zwei Monate Tag und Nacht durchzuziehen, ist Wahnsinn. Ich war schon nach einer Stunde fix und fertig. Davor hatte ich großen Respekt.“

David Kross in „Der Vorleser


Du hast schon in mehreren Filmen mitgemacht, die während der Nazi-Zeit spielen, zum Beispiel „Der Vorleser. In „Ballonsind wir in der ehemaligen DDR, Ende der 70er Jahre. Was war für dich das Besondere am Setting?

„Das fängt schon bei meinem Aussehen und der Maske an: Schnauzbart, Koteletten, Perücke. Günter Wetzel hat seinen Schnauzer nach seiner Hochzeit nie abrasiert, was mich mit der Rolle total verbunden hat. Ich habe ihn auch in den Drehpausen getragen. In Berlin ist er nicht weiter aufgefallen. Auch die Kostüme waren super. Wir hatten eine tolle Kostümbildnerin. Mit diesen Klamotten hat man sich total zurückversetzt gefühlt. Das hat auch was Cooles gehabt. Ich habe viele Dokumentationen gesehen, wie die Jugend damals aufgewachsen ist. Wie sie mit ihren Mopeds rumgecruist sind und getanzt haben. Dieses Lebensgefühl kennenzulernen, war sehr interessant.“

Eine gewisse Leichtigkeit...
„Total. Aber auch so eine Entschlossenheit. Günter Wetzel war 24 Jahre alt, als er geflohen ist. Sich mit so einer Entschlossenheit ranzusetzen, auch mit einer „Wir schaffen das“-Mentalität, ist faszinierend. Das war ja sehr riskant. Umso schöner, dass sie es wirklich geschafft haben.“

Hier erzählt David Kross von seiner ersten Ballonfahrt – mit Höhenangst

Was war das Mutigste, das du in deinem Leben gemacht hast?
„Der Beruf des Schauspielers ist ja so, dass man immer über seinen Schatten springen und neue Herausforderungen annehmen muss. Ich werde quasi immer wieder gezwungen, mutig zu sein. Ich muss eigentlich bei jedem ersten Drehtag über meinen Schatten springen. Das ist auch gut so. Aber das ist natürlich bei weitem nicht so mutig wie das, was die beiden Familien im Film auf sich nehmen.“

5 Songs, die David Kross mit „Ballon“ verbindet:

Du bist 1990 geboren. Welchen Zugang hattest du vor dem Film zur deutsch-deutschen Geschichte?
„Das Thema wurde in der Schule besprochen. Aber das Schöne an dem Film ist ja, dass er spannend ist, man nah dran ist und trotzdem noch viel über diese Zeit erfährt. Die Stimmung, die damals herrschte. Die Gründe, warum Familien in den Westen fliehen wollten. Das erfährt man alles nebenbei, was ich toll finde.“

„Wir hatten damals Flüchtlinge aus dem eigenen Land. Das vergisst man ja so schnell.“

Im Moment sind auch wieder unzählige Menschen auf der Flucht. Hast du durch den Film nochmal eine andere Sichtweise bekommen?
„Ich weiß nicht, ob ich eine andere Perspektive bekommen habe. Aber ich habe jemanden dargestellt, der eine riskante Flucht unternommen und sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Das ist ein sehr aktuelles Thema und zeigt natürlich auch total, wie nah das an unserer eigenen Geschichte in Deutschland dran ist. Wie wir damals Flüchtlinge aus dem eigenen Land hatten. Das vergisst man ja so schnell.“

Michael Herbig, Alicia von Rittberg, David Kross, Karoline Schuch, Friedrich Mücke
SITZEN alle im selben Ballon: Michael Herbig, Alicia von Rittberg, David Kross, Karoline Schuch, Friedrich Mücke

Du hast viele Filme mit Detlev Buck gedreht, jetzt erstmals mit Michael „Bully“ Herbig. Welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede hast du festgestellt?
„Die größte Gemeinsamkeit ist auf jeden Fall, dass beide für ihre Geschichte leben und dafür alles geben. Sie sind diszipliniert und offen für Vorschläge und total flexibel bei neuen Gegebenheiten am Set. Das zeichnet sie beide aus. Dass jemand erfolgreich im Komödienfach unterwegs ist und plötzlich etwas ganz anderes macht, finde ich cool. Darum wollte ich bei diesem Film unbedingt dabei sein.“

„Wir haben total konzentriert gearbeitet. Da war kein Platz für die Bullyparade."


Hat man am Set manchmal die „Bullyparade im Hinterkopf, wenn man mit Bully arbeitet?

„Absurderweise überhaupt nicht. Wir haben total konzentriert gearbeitet. Bully wollte die Geschichte genau so nacherzählen, wie sie passiert ist. Er hat oft mit den echten Wetzels gesprochen und ist total in die Materie eingetaucht. Da war kein Platz für die Bullyparade...“

David Kross - Selfie
DER BART ist ab: David Kross‘ Selfie beim Interview

Er hat sogar auf den ostdeutschen Akzent verzichtet, damit der nicht von der Geschichte ablenkt. Welche Akzente kannst du sprechen?

„Ach, ich kann eigentlich nur norddeutsch. Da gerate ich meist rein, wenn ich etwas mundfaul bin. Aber sonst eigne ich mir die Akzente und Sprachen an. Ich musste für einen Film mal französisch sprechen. Da musste ich den Text und die Aussprache auch vorher einstudieren. Das ist bei Akzenten ja eigentlich nichts anderes.“

Mit wem würdest du dich gern auf 'ne Coke treffen?
„Ich hätte gerne mal eine Coke mit Philip Seymour Hoffman getrunken, der leider gestorben ist. Ich finde, er war ein ganz großer Schauspieler und interessanter Mensch. Ich hätte gerne mit ihm über seine Arbeit gesprochen.“

„Ballon“ startet diese Woche im Kino.