ALS WIR sein Hotelzimmer betreten, sitzt Riccardo Simonetti schon in der Maske. Sein Stylist kümmert sich um die Haarpracht. Gerade war der gebürtige Bayer zu Gast bei den „People’s Choice Awards“ in Los Angeles, bei denen er sogar ein Selfie mit Kim Kardashian ergatterte, hat beim „RTL Spendenmarathon“ für Kinder gesammelt. Riccardo ist viel unterwegs dieser Tage. Aber das war nicht immer so.

Riccardo wuchs in der Alpenstadt Bad Reichenhall auf. Bereits während seiner Kindheit träumte er davon, ein Star zu werden und verfolgte diesen Traum seit jeher. Mittlerweile hat der 25-Jährige das Bergpanorama gegen ein buntes Leben in Berlin getauscht. Vor Kurzem erschien sein erstes Buch „Mein Recht zu funkeln“. Hier erzählt er uns, worum es darin geht, welche Pläne er für die Zukunft hat und warum er Britney Spears gerne mal auf eine Coke light einladen würde.

Coca-Cola, Coke light oder Coke Zero Sugar?

„Coca-Cola light! Ich trinke keinen Alkohol und daher ist Coke light mein liebstes Getränk, wenn ich ausgehe. Was für andere ein Glas Wein ist, ist für mich ein Glas Coca-Cola light – mit Zitronenscheibe natürlich.“

Vor Kurzem ist dein erstes Buch „Mein Recht zu funkeln“ erschienen. Worum geht es darin?

„Es ist eine Sammlung autobiographischer Anekdoten. Ich war schon immer eine selbstbewusste Person, obwohl ich in meinem Leben viele schwierige Situationen durchmachen musste. Diese Ereignisse lasse ich Revue passieren, weil ich glaube, dass ich anderen Menschen damit Mut machen kann. Jeder, der mal gemobbt wurde, weiß, dass das Schlimmste in solchen Situationen ist, sich alleine zu fühlen.“

„Mir war wichtig, etwas zu schaffen, das die Leute auch dann noch beschäftigt, wenn ihr Smartphone aus ist.“

Wie fiel das erste Feedback aus?

„Das Buch war innerhalb weniger Stunden auf Platz eins mehrerer Bestsellerlisten. Verkaufszahlen sind das eine, aber wenn Menschen, die das Buch gelesen haben, mir sagen, sie fühlen sich durch mein Buch dazu inspiriert, an sich selbst und ihre Träume zu glauben, macht mich das unglaublich stolz. Sogar in Schulen und Universitäten wird mein Buch gelesen, das ist ein cooles Gefühl. Mir war genau das wichtig: etwas zu schaffen, das die Leute auch dann noch beschäftigt, wenn ihr Smartphone aus ist.“

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Wie lange hast du an „Mein Recht zu funkeln“ gearbeitet?

„Ich habe das Buch alleine geschrieben, und das war tatsächlich viel Arbeit. Wir sind außerdem nach Los Angeles geflogen, um das Cover sowie Motive für die einzelnen Kapitel zu fotografieren. Alles in allem hat dieser Prozess eineinhalb Jahre gedauert und jetzt bin ich unfassbar dankbar, dass es draußen ist und die Leute es gerne lesen.“

Hattest du in deinem Leben schon oft das Gefühl, für dein eigenes Recht kämpfen zu müssen?

„Wenn man als Junge, der ein Faible für Pailletten hat, auf dem Land aufwächst, ist das nicht leicht. Auch heute muss ich noch häufig für mein Recht kämpfen. Besonders die Medienwelt ist super intolerant und oft homophob. Es gilt immer wieder, die Steine wegzuräumen, die mir in den Weg gelegt werden.“

„Es ist gut, große Träume zu haben, denn ich mache jetzt die Sachen, von denen ich früher geträumt habe.“


Bei Wikipedia wirst du als „Blogger, Moderator, Model, Schauspieler und Kolumnist“ bezeichnet. Was würdest du selbst als deinen Beruf angeben?

„Ich verstehe mich als Entertainer. Alles, was ich tue, beruht darauf, dass ich Leute unterhalten und inspirieren möchte. Ich lasse mich ungern auf das Smartphone reduzieren, und würde nicht sagen, dass ich nur ein Influencer oder Blogger bin. Das ist ein Medium, das ich bediene, so wie jede andere öffentliche Person auch.“

Apropos Blog: Auf deinem Blog und in den sozialen Medien sprichst du oft über ernste Themen wie Selbstliebe und Gleichberechtigung. Warum liegt es dir am Herzen, darüber zu sprechen?

„Ich habe das Gefühl, es ist meine Pflicht, als öffentliche Person Meinung zu bekennen und mich für Themen stark zu machen, die oft nicht behandelt werden. Mir ist es wichtig, dass ich Jungs, die so sind wie ich früher, das Leben durch mein Handeln ein kleines bisschen leichter machen kann.“

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Du engagierst dich gegen Mobbing und hast dafür die Aktion #IamStrongerThanBullying gegründet. Kannst du erklären, worum es dabei geht?

„Ich habe die Aktion im Sommer 2016 ins Leben gerufen. Menschen können unter dem Hashtag ihre persönlichen Mobbing-Erfahrungen teilen, ganz egal, ob sie selber gemobbt haben oder gemobbt wurden. Ich glaube, es macht den Leuten Mut, wenn sie sehen, dass es nicht nur sie trifft, sondern eben auch Dünne, Dicke, Menschen, die nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen, Schwule oder Heteros. Ich bin unendlich stolz auf jeden einzelnen, der seine Geschichte erzählt, und ich versuche, die Leute immer wieder zu motivieren, indem ich ihnen kleine Awards schicke, damit sie stolz auf sich sind und auf das, was sie geschafft haben.“

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft mittlerweile offener und toleranter geworden ist?

„In vielerlei Hinsicht sind wir schon viel offener und toleranter geworden, ja. Allein, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, ist schön. Aber solange junge Menschen Angst davor haben müssen, sich zu outen, müssen wir noch viel tun. Es gibt so viele Baustellen, die angegangen werden müssen: Schwule dürfen zum Beispiel immer noch kein Blut spenden, Frauen werden diskriminiert. Deswegen dürfen wir uns nicht zurücklehnen, sondern müssen weiterkämpfen.“

Fällt es dir da manchmal schwer, dich in der Glamour-Welt der Prominenz zu bewegen?

„Ich finde, die Aufgabe von Prominenten ist es auch, in der Öffentlichkeit ein Fantasieleben zu führen. Viele verfolgen das Leben von Prominenten schließlich, um sich von ihrem eigenen abzulenken. Ich finde es aber auch wichtig, diese Scheinwelt immer wieder zu durchbrechen. Ich versuche, den Werten, die meine Mama mir mitgegeben hat, immer treu zu bleiben.“

Riccardo Simonetti - Buchausschnitt
RICCARDO als Fan: Foto aus „Mein Recht zu funkeln“

Bei deinen öffentlichen Auftritten polarisierst du vor allem durch deine ausgefallenen Looks. Woher nimmst du die Inspiration? Wer sind deine Style-Vorbilder?

„Für mich ist Mode eine Sprache, die funktioniert, bevor ich selber den Mund aufmachen kann. Ich drücke mit meiner Kleidung die Dinge aus, die ich sagen möchte. Es gibt Menschen, die ich sehr inspirierend finde: Thomas Gottschalk, Michael Jackson, Lady Gaga, Britney Spears. Ich adaptiere deren Stil allerdings nicht, sondern lasse mich viel mehr von ihren Looks inspirieren.“

Du gehst mit deinem Wunsch nach Berühmtheit ganz offen um. Fühltest du dich schon immer zu einem Leben in der Öffentlichkeit berufen?

„Ja, für mich war das von Anfang an klar. Ich stehe auf der Bühne, seitdem ich vier Jahre alt bin. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass Menschen immer etwas an mir auszusetzen hatten, außer wenn ich auf der Bühne stand. Und dieses Gefühl wollte ich aufrecht erhalten. Ich komme vom Land und hatte gar keine Kontakte – jetzt kenne ich jeden und das liegt nur daran, dass ich hart gearbeitet und meine Ziele verfolgt habe. Und deswegen vermittele ich den Leuten auch, dass es nicht schlecht ist, große Träume zu haben, denn ich mache jetzt die Sachen, von denen ich als Kind und Teenager geträumt habe.

„Das Universum hat nur Gutes für dich im Sinn, du musst nur daran glauben.“

Wenn du den 10-jährigen Riccardo heute treffen würdest, was würdest du ihm sagen?

„Entspann dich. Das wird schon alles so, wie du es dir vorstellst. Das Universum hat nur Gutes für dich im Sinn, du musst nur daran glauben.“

Auf welche Errungenschaft bist du in diesem Jahr besonders stolz?

„Ich habe dieses Jahr ein paar Preise gewonnen, das ist immer ein schönes Gefühl. Ich war außerdem auf vielen Preisverleihungen zu Gast, zum Beispiel bei den People’s Choice Awards in Los Angeles. Natürlich bin ich auch sehr stolz auf mein Buch und meine Synchronrolle in einem Disneyfilm, die ich in diesem Jahr sprechen durfte. Es war also ein sehr ereignisreiches Jahr für mich.“

Und worauf freust du dich im nächsten Jahr besonders?

„Im neuen Jahr möchte ich natürlich auf den Erfolg von 2018 aufbauen, besonders, was Projekte im Fernsehen angeht. Allerdings habe ich auch das Gefühl, das mit wachsendem Erfolg eine größere Verantwortung einhergeht. Diese Verantwortung liegt für mich darin, etwas von dem Erfolg abzugeben. Deswegen habe ich mir ein paar ganz tolle Organisationen herausgesucht, mit denen ich im kommenden Jahr einige wohltätige Projekte umsetzen werde.“

Mit wem würdest du dich gern mal auf eine Coke treffen?

„Es gibt so viele Leute, die ich gerne treffen würde. Am liebsten allerdings mit Britney Spears. Sie hat mich jahrelang unterhalten, inspiriert und mir beigebracht, an meine Träume zu glauben. Dafür würde ich ihr gerne danken und sie auf eine Coke light einladen.“

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