NICHTS KANN ihn aus der Ruhe bringen. Nicht die wiederkehrenden Regenschauer, nicht das Hungergefühl, nicht der Regisseur, der immer neue Einstellungen vorschlägt. „Alles cool“, sagt Marcel Gurk beim Videodreh in Südtirol. Am Ende lohnt es sich: Nach zwei Stunden Dreh erstreckt sich ein Regenbogen über das satte Grün des Hotelrasens. Der Regisseur ist glücklich. Marcel auch.

Der 21-jährige Duisburger spielt – wie fast alle in seinem Alter – als Schulkind Fußball. Er dribbelt gerne, gibt den Ball aber nur ungern einem Mitspieler. Der Trainer ist deshalb oft sauer. Darum beschließt Marcel, mit dem Fußballspielen aufzuhören. Trotzdem ist der Ball seitdem immer an seiner Seite. Oder auf dem Kopf. Oder im Nacken. Marcel ist mittlerweile Deutschlands bester Fußball-Freestyler, hält mehrere Guinness-Rekorde und hat sogar ein Lehrbuch veröffentlicht.

Bereits mit 16 Jahren balanciert er den Ball im Liegen so oft auf der Fußsohle wie kein anderer. Über eine halbe Stunde schafft er es, ohne dass der Ball den Boden berührt. Im Sitzen schafft er es, dass die Kugel über 200 Mal auf sein ausgestrecktes Schienbein fällt, ohne dass sie hinfällt. Mit seinen akrobatischen Tricks doubelt Marcel in Werbespots Fußballprofis, schreibt ein eigenes Buch und kommt beim RTL „Supertalent“ bis ins Halbfinale.

Nebenbei studiert Marcel Gurk und gibt Lehrgänge. Wir sprechen mit ihm über seine innige Liebe zum Ball.

Coca-Cola Classic, Coca-Cola light oder Coke Zero Sugar?

„Ich bin immer bei der klassischen Coke dabei. Für einen Sportler sollte Wasser zwar immer die Nummer Eins sein. Aber ein bisschen Zucker und Energie tun mir auch ganz gut.“

Hand aufs Herz: Darf der Ball auch mit ins Bett?

„Das wird mir tatsächlich oft nachgesagt. Also nach dem Training gehört die ordentliche Pflege mit dazu, da wird er geputzt und kommt auch schon mal mit ins Bett. Das hat er sich dann auch verdient.“

„Es ist ein Lebensstil. Ein Leben ohne Ball geht gar nicht mehr.“

Der Ball ist für dich also nicht nur ein Sportgerät...

„Nein, Freestyle ist mein Leben. Neben der Uni bin ich weltweit unterwegs, trete auf und trainiere mehrere Stunden am Tag. Ich kann später mal meinen Kindern davon erzählen, was ich beim Freestylen alles erlebt habe. Es ist ein Lebensstil. Ein Leben ohne Ball geht gar nicht mehr.“

Wie muss der perfekte Ball sein?

„Das ist eigentlich völlig egal. Hauptsache rund.“

Wie viele Bälle hast du denn schon verschlissen und bewahrst du sie alle auf?

„Klar hat jeder Ball seine eigene Geschichte. Es kann auch schon mal sein, dass einer verloren geht. Das ist mir beim Tricksen am berühmten Hollywood-Zeichen passiert. Das war einer meiner Lieblingsbälle. Aber ich behalte auch welche. Die schönsten und besten haben einen Ehrenplatz in meinem Zimmer.“

Wie viele liegen da aktuell?

„Im Moment glaube ich fünf, einer mit der Unterschrift von Ronaldinho. Der war immer mein großes Vorbild.“

Wie lange trainierst du am Tag?

„Ich versuche schon, zwei Stunden am Tag zu trainieren. Das braucht der Körper auch. Gerade auf hohem Niveau, wenn ich Deutschland bei Weltmeisterschaften repräsentiere, muss ich in Topform bleiben.“

Auf ne Coke mit Marcel Gurk
WEITERMACHEN, um das nächste Level zu erreichen: Marcel Gurk trainiert täglich mehrere Stunden 

Die Fitness ist das eine. Geduld das andere...

„Ja, die meisten scheitern, weil sie direkt aufhören. Klar, das Leben ist hart und alles braucht sein Training. Wenn ein Trick beim ersten Mal nicht klappt, muss man da wochen- oder monatelang dranbleiben. Das ist der Punkt, der am Ende einen erfolgreichen Sportler ausmacht. Nicht aufzuhören, wenn es schwer ist, sondern weiterzumachen, um das nächste Level zu erreichen.“

Wieviel Fußballtalent muss ein Freestyler mitbringen?

„In meiner Fußballzeit habe ich immer wahnsinnig gerne getrickst. Ich glaube, diese egoistische Ballverliebtheit muss dazugehören. Anders kann man kein Freestyler sein. Du bist auf dich alleine gestellt, hast keinen Trainer und entscheidest selbst, wann und wo du trainieren gehst. Eine gewisse Disziplin ist dafür wichtig, aber auch die Balltechnik. Man sollte schon im Vorfeld mal den Ball hochgehalten haben mit dem Fuß, sonst ist der Start relativ schwierig. Also Disziplin, Körperbeherrschung und die Liebe zum Ball sind entscheidend.“

Wegen dieser Ballverliebtheit war deine Fußballerkarriere ja schon früh zu Ende...

„Ja, genau. Meine Alleingänge kamen bei Trainer und Mitspielern nicht gut an. Aber das war immer meine Einstellung zum Fußball. Umso schöner, dass ich dann im Garten nach dem regulären Training noch ein paar Stunden drangehängt habe und irgendwann gemerkt habe, dass das etwas komplett Eigenes ist. Es hat sich dann angeboten, beim Freestylen zu bleiben.“

Fünf Lieblingssongs von Marcel Gurk:


Hier erzählt Marcel, an welchen außergewöhnlichen Orten er schon getrickst hat und welche Musik ihn beim Training motiviert:

Was waren die ersten Tricks, die du einstudiert hast?

„Ich habe mich da tatsächlich an Ronaldinho orientiert und wollte alle Tricks beherrschen, die er kann. Im zweiten Schritt wollte ich dann besser werden als er. Ball in den Nacken werfen, ihn jonglieren und dann immer weiter steigern. Einmal, zweimal, es gibt keine Grenzen.“

Hast du auch mal schlechte Tage, an denen gar nichts klappt?

„Schlechte Tage eigentlich nicht. Natürlich ist nicht jedes Training gleich gut. Gerade mit der Doppelbelastung. Ich gehe täglich zur Uni, weil ich ja auch an die Zukunft denken muss. Eigentlich macht der Ball aus schlechten Tagen gute Tage.“

Du hast die Uni angesprochen. Wie bringst du beides unter einen Hut?

„Das ist mir manchmal auch ein Rätsel. Aber obwohl ich viele Auftritte habe, bin ich täglich in der Uni und schreibe alle Klausuren mit. Solange ich auf beiden Feldern meine Leistungen bringe, geht das. Das hat schon in der Schule gut geklappt und passt jetzt auch.“

Auf ne Coke mit Marcel Gurk
SOMEWHERE over the Rainbow: Der perfekte Moment für Marcel im DFB-Trainingslager in Südtirol

Du studierst Sport-, Event- und Medienmanagement. Was ist dein Berufsziel?

„Natürlich ist es für mich gerade toll, mein Hobby quasi zum Beruf zu machen. Aber ich will auch nicht mehr mit 30 auf der Bühne stehen und meine Tricks zeigen. Am Ende wird es wohl etwas mit Sportmanagement werden. Es ist auch für die Eltern immer beruhigend, einen Plan B zu haben.“

Im Moment wirst du als Freestyler häufig für Veranstaltungen gebucht. Wie sehr hilft es, dass du aus Deutschland kommst?

„Natürlich macht es viel aus, dass Deutschland ein fußballverrücktes Land ist, vor allem in den Jahren der Europa- oder Weltmeisterschaften. Wenn ich meine Tricks mit einem Basketball machen würde, wäre die Aufmerksamkeit sicher nicht so groß.

Freestyle-Fußball geht überall:

Machst du auch mal Strandurlaub ohne Ball?

„Der ist immer dabei. Ich hatte mal die Ehre, ein Freestyle-Camp auf den Malediven zu leiten. Der Ball liegt dann mal daneben am Strand, aber irgendwann spiele ich dann wieder. Komplett abschalten geht auf keinen Fall.“

Wie sieht das mit Verletzungen beim Freestylen aus?

„Das unterschätzen viele. Die denken, ich halte ja nur den Ball hoch. Aber durch die Konzentration und die Bewegung – mal stehen, mal sitzen – gibt es auch Verletzungen. Das ist ja ähnlich wie bei der Akrobatik. Umknicken oder andere Fußballerverletzungen können mir da natürlich auch passieren. Ich hatte zum Glück bislang nur Kleinigkeiten und musste nicht monatelang pausieren. Das würde auch ein Riesenloch in mein Leben reißen.“

„Nicht jeder Fußballer ist bereit, da einzusteigen. Einige haben Angst, schlecht auszusehen.“

Du hast schon mit einigen Profis getrickst. Wie viel Talent bringen die beim Freestylen mit?

„Man muss sagen: Nicht jeder Fußballer ist bereit, da einzusteigen. Einige haben Angst, schlecht auszusehen, was ich auch verstehen kann. Aber generell müssen Fußballer schon eine einigermaßen gute Technik haben. Die Jungs können den Ball mit dem Fuß hochhalten und den ein oder anderen Trick machen. Blamiert hat sich da noch keiner. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, als ich mit Ronaldinho getrickst habe und es war schön, bei ihm auch diese Liebe zum Ball zu spüren.“

Auf ne Coke mit Marcel Gurk
TRÄUME sind dazu da, verwirklicht zu werden: Kickt Marcel demnächst mit Justin Bieber?

Ronaldinho hat seine Karriere schon lange beendet. Wer ist sein Nachfolger?

„Für mich lebt Ronaldinho in Neymar weiter. Der erinnert mich in vielen Spielen an ein verspieltes Kind. Messi und Ronaldo sind da schon kontrollierter.“

Mit wem würdest du dich gern auf 'ne Coke treffen – und freestylen?

„Das ist eine gute Frage. Es hört sich verrückt an, aber ich würde gerne mit Justin Bieber eine Coke trinken und freestylen. Ich glaube, der hätte da echt Bock drauf. Der ist in jeder Sportart aktiv und kriegt beim Fußball ein paar Sachen hin. Ein Video von Justin und mir beim Freestylen würde sicher durch die Decke gehen.“

Folge Marcel Gurk auf Facebook, Instagram und YouTube!