PÜNKTLICH um 13 Uhr kommt Lukas Rieger auf einem schwarzen Rennrad um die Ecke. Wie ein ganz normaler Teenager. Das Rad mit den dünnen Reifen und dem dicken Schloss hat er sich von einem Freund geliehen. Wenn wir jetzt eine Runde über den nahegelegenen Hackeschen Markt laufen würden, wäre klar: Lange bliebe er nicht unerkannt. Denn wo Lukas Rieger auftaucht, sind seine Fans nicht weit – vor allem nicht an touristischen Orten wie hier in Berlin-Mitte.

Auf dem Rad, mit seinen großen Kopfhörern um den Hals wird er nicht so schnell erkannt. Lukas muss nur wenige Minuten fahren, dann ist er schon in seiner Wohnung. Lange wohnt der 19-jährige Teenieschwarm allerdings noch nicht in der Hauptstadt – eigentlich kommt er vom Land. Auf dem Dorf Immensen bei Hannover ist Lukas aufgewachsen. Weniger als 2.500 Einwohner, dafür viele Kühe und Schafe.

Lukas Rieger bei „The Voice Kids“ (2014):

Als Schüler macht Lukas vor fünf Jahren bei der Castingshow „The Voice Kids“ mit. Er scheidet zwar aus, postet aber weiter Videos auf YouTube. Schnell baut er sich eine riesige Fanbase auf, bekommt einen Plattenvertrag und veröffentlicht die Alben „Compass“ und „Code“. Beide schaffen es unter die Top 5 der deutschen Charts. Der Hype um „den deutschen Justin Bieber“, wie er häufig genannt wird, ist so groß, dass 2016 eine Autogrammstunde abgebrochen werden muss. Viele Mädchen fallen in Ohnmacht. Heute folgen ihm rund 1,8 Millionen Fans auf Instagram – etwa 720 Mal mehr als Immensen Einwohner hat.

Lukas Rieger
AUSGESCHLAFEN: Lukas Rieger 

Seit diesem Jahr kennt ihn auch die Generation Ü18, und zwar nicht nur von den Postern im Kinderzimmer, sondern der RTL-Tanzshow „Let's Dance“. Jetzt veröffentlicht der schlaksige Teenie sein neues Pop-Album „Justice“. Lieder über Liebe und Freundschaft. Auch ein Song mit den Lochis ist dabei.

Beim Interview im Büro seiner Plattenfirma guckt Lukas immer wieder aufs Smartphone, postet auch ein Foto in seiner Insta-Story. Wir sprechen mit ihm darüber, ob er sein Leben bei dem ganzen Hype noch genießen kann und warum er immer schon berühmt werden wollte.

Lukas Riegers neuer Song „Nobody Knows Me (Like You Do)”:

Coca-Cola Classic, Coke light oder Coke Zero Sugar?

„Am liebsten die ganz normale Coke.“

Wie hast du letzte Nacht geschlafen?

„Sehr gut. Ich war leider sehr spät im Bett. Aber heute Morgen war alles gut. Kurz frisch gemacht und dann hier hin.“

Träumst du viel?

„Ja, fast jede Nacht. Das ist – glaube ich – ein gutes Zeichen, oder?

Man verarbeitet zumindest das, was einen tagsüber beschäftigt hat. Und du erlebst ja unglaublich viel in den vergangenen Jahren. Erinnerst du dich an deine Träume?

„Meistens weiß ich es noch, auch wenn es in der Regel sehr unsinnig ist. Das sind immer Sachen, die für mich erst einmal gar keinen Zusammenhang ergeben. Aber am Ende verstehe ich meist, wie der Traum zu Stande gekommen ist. Das, was ich über mehrere Tage erlebt habe, wurde dann in einen Traum zusammengefasst.“

Frühaufsteher oder Langschläfer? Duschen oder baden? Kochen oder Lieferservice? Der Alltags-Check mit Lukas Rieger:

Zum Beispiel?

„Ich hatte vor ein paar Nächten einen Traum, in dem ich auf einem Schiff war. Ich hatte ein paar Tage davor mit meinen Eltern darüber gesprochen, dass wir noch nie eine Schiffsreise gemacht haben. Und plötzlich kamen ganz viele Affen an Bord. Man fragt sich dann erst, was das soll. Aber ich hatte einen Tag vorher ein Musikvideo mit einem Affen angeschaut. Und dann tauchten noch Freunde von mir auf und es brach ein Streit aus. Die Freunde von früher haben sich mit meinen jetzigen gestritten und meinten, dass sie eigentlich meine richtigen Freunde seien. Alles sehr strange.“

„Zimmer aufräumen? Crazy. Daran denke ich gar nicht mehr, weil ich so oft in Hotels schlafe.“


Aber vielleicht etwas, das dich unterbewusst beschäftigt... Wie sieht das nach Konzerten aus? Ich kann mir vorstellen, da fällt das Einschlafen nicht ganz so leicht...

„Ich schlafe meist im Tourbus, wo ich sehr gut schlafen kann. Du liegst in deiner kuscheligen Koje und hörst das Fahrtrauschen. Für mich ist das sehr angenehm. Aber direkt nach einem Konzert muss ich schon erst runterkommen. Ein bisschen chillen oder Playstation spielen. Einfach mal an was anderes denken. Im Schlaf träum ich dann eh wieder von den Konzerten...“

Von 100 auf 0 kommen ist sicher nicht ganz einfach...

„Auf jeden Fall. Auch andersrum nicht. Du musst von der Ruhephase auch erst mal hochkommen, dich einsingen, um auf 100 zu kommen. Und danach musst du wieder abkühlen, dich erstmal hinlegen und Stück für Stück runterkommen.“

Lukas Rieger - „Justice“
Lukas Riegers neues Album „Justice“

Du hast mit deinen fast 20 Jahren so viel erlebt, wie andere im ganzen Leben nicht. Kannst du all das richtig genießen?

„Also erstmal bin ich sehr dankbar, dass ich das alles erleben darf. Aber das mit dem Genießen ist in der Tat so eine Sache. Ich hatte gestern so einen Moment. Da lag ich im Bett, hab einfach nur an die Decke geguckt und mir vor Augen geführt, was alles so passiert ist in den letzten Jahren. Dann realisierst du erst, wo du eigentlich bist. Ich bin in Berlin, habe vor ein, zwei Jahren noch auf einem kleinen Dorf gewohnt. Ich habe schon Pläne für die nächste Zeit, das ist manchmal ganz schön verrückt. Ich glaube, man müsste das alles noch mehr auskosten. Aber Stück für Stück versuche ich, dort hinzukommen.“

Im Podcast spricht Lukas Rieger über das Erwachsenwerden – und eine Wohnungsbesichtigung in Berlin:

Im Internet hast du Millionen von Fans, auf der Straße wirst du regelmäßig erkannt, bei Konzerten kreischen die Mädchen. Verändert einen das?

„Mich persönlich verändert es nicht, aber natürlich mein Leben. Ich weiß, dass mich auf der Straße Leute erkennen und ansprechen. Das finde ich auch voll cool. Das gibt mir eine Bestätigung, dass es richtig ist, was ich mache. Aber mich als Person verändert es fast nicht. Ich bin immer noch der gleiche Junge, der Musik macht und seinen Traum lebt.“

5 Lieblingssongs von Lukas Rieger:

Nicht abzuheben, wenn jeder um dich herum sagt, du seist toll, stelle ich mir nicht einfach vor...

„Ich denke schon manchmal, wie verrückt mein Leben eigentlich ist. Aber meine Familie würde mich immer auf den Boden zurückholen, wenn sie Angst hätten, ich könnte abheben. Wenn ich nach Hause komme, sagen mir meine Eltern immer noch, ich solle mein Zimmer aufräumen. Dann denke ich mir so: Zimmer aufräumen? Crazy. Daran denke ich gar nicht mehr, weil ich so oft unterwegs bin und in Hotels schlafe.“

Lukas Rieger: „Won’t Forget About You“ (2018):


Du hast mittlerweile deine eigene Wohnung in Berlin. Da musst du deinen Müll ja auch selbst runterbringen...

„Ja, richtig. Ich habe auch direkt nach dem Einzug eine Nachricht von meinem Nachbarn bekommen. Da hatte ich den Müll einfach vor die Tür gestellt und wollte ihn am nächsten Tag runterbringen. Nach drei Tagen hat er mir dann einen Zettel geschrieben, dass mein Müll stinke und ich ihn wegbringen solle. Seitdem hängt dieser Zettel von innen an meiner Tür, damit ich immer daran denken werde, den Müll rauszubringen.“

Hast du bei Wohnungsbesichtigungen eigentlich darauf geachtet, dass nicht zu viele junge Mädchen im Haus wohnen?

„Ich informiere mich schon, wer da wohnt. Aber ich wohne in einem Komplex, in dem vor allem Erwachsene und Geschäftsleute leben. Ich habe mit meinen Nachbarn auch noch nie wirklich geredet, sie nur mal im Fahrstuhl gesehen und gegrüßt.“

„Als kleiner Junge wünscht man sich manchmal, auch etwas Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen.“


Du wolltest schon als Kind berühmt werden. Warum eigentlich?

„Meine Kindheit war super, super schön. Aber ich habe ja eine Schwester, die eine Behinderung hat und deshalb sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Die gesamte Aufmerksamkeit lag quasi immer bei ihr, was ich auch verstehen kann. Das ist ja normal. Aber als kleiner Junge wünscht man sich manchmal, auch etwas Aufmerksamkeit von anderen zu bekommen. Als ich abends alleine im Zimmer war und meine Eltern meine Schwester gebadet haben, habe ich schon überlegt: Was mache ich denn? Entweder ich gehe mit baden oder mache etwas anderes. Irgendwann bin ich dann auf die Musik gekommen, für die ich mich immer schon interessiert habe, auch weil meine Mutter Musiklehrerin ist. Ich habe mich dann aus Spaß beim ‚Supertalent‘ beworben, bin da aber noch vor dem offiziellen Casting ausgeschieden, was schon ein Schlag ins Gesicht war. Das war nicht so einfach, aber ich konnte daraus lernen. Ich wollte unbedingt weitermachen, habe Songs geschrieben, sie ins Internet gestellt und dann kam ‚The Voice Kids‘.“

Und die Aufmerksamkeit…

„Es ist krass: Nur ganz, ganz wenige Leute haben meine Telefonnummer. Ich bin echt schlimm darin, Nachrichten zu beantworten. Das regt meinen Manager auf, aber auch meine Freunde. Ich sehe die Nachrichten, will aber nicht gleich zurückschreiben und vergesse sie dann. Auf diese schriftliche Aufmerksamkeit bin ich irgendwie nicht aus. Ich finde es super schön, wenn jemand mir lange Texte schreibt, muss das aber nicht haben. Ich genieße es eher, mit Leuten zusammenzusitzen und Zeit zu verbringen.“

„Wenn ich in der Lokalzeitung bin, dann ist die Aufregung immer groß, alle schicken meiner Mama Fotos davon.“


Und die Reaktionen in deinem Heimatdorf?

„Da ist meist alles so wie immer. Das sind einfach sehr lustige und nette Menschen. Die verstehen gar nicht, was ich mache. Die sehen mich dann im Fernsehen bei ‚Let's Dance' und finden es super toll. Ich glaube, das Dorf ist sehr stolz auf mich. Aber wenn meine Mutter erzählt, was ich gerade mache, zum Beispiel einen Podcast aufnehme, dann verstehen sie das gar nicht. Die kennen vor allem die ‚Bild' oder den ‚Spiegel'. Wenn ich in der Lokalzeitung bin, dann ist die Aufregung auch immer groß und alle schicken meiner Mama Fotos davon. Das ist voll süß, weil sie mich unterstützen, obwohl sie gar nicht genau wissen, was in meiner Welt gerade abgeht.“

Sammelt deine Mutter Artikel über dich?

„Wenn ich im Fernsehen bin, nimmt sie alles auf. Artikel aus der Zeitung hebt sie nur noch auf, wenn es richtig cool ist und schickt mir auch immer Fotos davon. Früher hat sie aber alle Magazine gekauft, in denen ich war. Für mich war es auch total krass, als ich zum ersten Mal in der ‚Bravo‘ zu sehen war. Auch wenn es nur ein ganz kleiner Mini-Artikel war.“

Lukas Rieger: „Bella“ (2018):

Wo viel Hype und Gekreische ist, sind immer auch böse Kommentare und Hater. Wie geht du damit als Junge vom Dorf um?

„In meinem Dorf habe ich sehr wenige Hater, außer vielleicht ein paar Jungs, die mich dumm anmachen. Aber gerade bei Social Media ist das ja ein Riesenthema. Am Anfang war das sehr belastend für mich. Ich habe nicht gecheckt, warum mich Leute aus dem Nichts beleidigen. Ich habe denen ja nichts getan. Aber ich denke heute, wenn man Hass bekommt, hat man etwas richtig gemacht. Mit Erfolg kommt halt der Hass von Leuten, die es einem nicht gönnen. Gerade in Deutschland ist diese Nichts-Gönner-Schiene sehr krass. Deswegen bin ich auch gerne in Los Angeles, weil es da viel, viel entspannter zugeht. Da unterstützen sich alle, auch musikalisch. Hier ist das nicht so. Schade. Man kann viel mehr erreichen, wenn man zusammenarbeitet.“

Lukas Rieger - Selfie
Lukas Riegers Selfie beim Interview

Fühlst du dich vielleicht auch deshalb so wohl dort, weil du mehr deine Ruhe hast?

„Schon. Aber ich werde auch dort manchmal von Amerikanern erkannt, auch wenn es längst nicht so oft vorkommt, wie in Deutschland. Aber mindestens einmal pro Reise.“

Wie ist es, wenn du hier ins Restaurant gehst? Spürst du, ob dich jemand erkennt und länger anguckt?

„Ich schaue ich mich um und weiß auf der Stelle, ob mich Leute erkennen. Meine Freunde checken das erstmal nicht so, aber ich sehe das sofort. Ich gehe natürlich trotzdem rein und esse meinen Burger. Aber ich sehe schon zu, dass dabei keiner ein Foto macht. Wenn doch, gehe ich oder ein Kumpel hin und frage, ob sie das nicht später machen könnten. Beim Essen ist das immer etwas unangenehm. Die meisten verstehen das auch.“

Sollten dich Fans denn lieber ansprechen oder untereinander tuscheln?

„Auf jeden Fall ansprechen. Beim Tuscheln weißt du ja nicht: Reden die gerade über dich? Lästern die gerade? Lieber kommen, ein Foto machen und jeder geht seinen Weg, als dass sie 15 Minuten dasitzen und sich nicht trauen.“

Mit wem würdest du dich gern auf 'ne Coke treffen?

„Ich würde mich gerne mit Justin Bieber auf 'ne Coke treffen und über Musik reden. Der kann mir mit Sicherheit viele Ratschläge geben.“

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