KAROLINE HERFURTH redet gerne. Im Soho-House in Berlin-Mitte unterhält sich die Schauspielerin beim Stylen angeregt mit ihrem Maskenbildner über einen Film. „Ich rede immer weiter, wenn man nicht stoppt“, sagt sie.

Die in Ost-Berlin aufgewachsene Schauspielerin wird in einer Patchwork-Familie mit sieben Geschwistern groß. Schon als Kind spielt sie im Zirkus, tanzt und steht vor der Kamera. Später ist sie in deutschen Filmen („Crazy“, „Mädchen Mädchen“) und internationalen Produktionen („Das Parfüm“, „Der Vorleser“) zu sehen. Kommerziell am erfolgreichsten ist die „Fuck Ju Göhte“-Reihe, in der Herfurth die überkorrekte Lehrerin Elisabeth Schnabelstedt spielt.

In der neuen Amazon-Serie „Beat“ spielt die 34-Jährige an der Seite von Jannis Niewöhner und Kostja Ullmann die Geheimagentin Emilia. Die Thriller-Serie spielt im Untergrund der Berliner Techno-Szene und handelt von Drogen, Organhandel und anderen dunklen Machenschaften.

Wir reden mit Karoline Herfurth über die Berliner Club-Szene und ihr Politik-Studium – das sie auch nach zehn Jahren noch nicht beendet hat.


Coca-Cola, Coke light, Coke Zero Sugar?

„Kaffee. Leider immer Kaffee...“

„Beat“ spielt vor allem in einem Berliner Techno-Club. Wieviel Erfahrungen hast du in dieser Richtung gesammelt?

„Es geht so. Ich spiele ja eine Geheimdienstagentin, die nicht so gerne in Clubs geht. Und das ist auch ein bisschen Typecasting. Ich bin tatsächlich nicht so wahnsinnig oft in Clubs unterwegs gewesen in meinem Leben, obwohl ich sehr gerne tanzen gehe. Aber ich habe schon früh im Leben angefangen zu arbeiten. Wenn ich mich dann entspannt habe, lieber zu Hause mit meinen Freunden, Essen und Spielen.“

8 eindeutige Entscheidungen von Karoline Herfurth:

Hast du trotzdem in der Phase etwas von der legendären Berliner Club-Szene mitbekommen?

„Ist sie so legendär? Ja, stimmt. Ist sie. Aber ich habe nicht so wahnsinnig viel davon mitbekommen. Ich kann das nicht mal mit der Mauer entschuldigen, weil die zu der Zeit schon weg war. Ich war mit 17,18 Jahren schon mal im Sage oder einem Club an der Warschauer Straße. Aber danach hörte es auch schon wieder auf.“

„Manche Gesichter, die in Berlin neu entstehen, finde ich wunderschön. Andere zu glatt.“

Wie würdest du generell die Lebensstimmung in der Hauptstadt zu der Zeit beschreiben?

„Ich bin im Ostteil Berlins aufgewachsen. Wenn ich jetzt an diese Orte zurückkehre, fühlt es sich zwar wie zu Hause an, sieht aber nicht mehr so aus. Die Gegend hat teilweise ein ganz anderes Gesicht bekommen. Manche Gesichter, die in Berlin neu entstehen, finde ich wunderschön. Andere zu glatt. Mein Gefühl damals war, dass man sehr viele Freiräume und Orte für Kreativität hat. Alles etwas provisorisch, dreckig und abgerockt – was gute und schlechte Seiten hat. Aber es gibt für jeden seinen Raum. Momentan merkt man eindeutig, dass Mietpreise die effektivsten Grenzen sind, die man errichten kann. Die Gentrifizierung ist natürlich enorm, was meiner Meinung nach so gar nicht berlinerisch ist. Damals war man noch unglaublich durchmischt. An dieses Lebensgefühl erinnere ich mich. Ich hoffe, das kann man behalten oder besser gesagt wieder herstellen.“

Hier in Mitte ist der Wandel am deutlichsten zu sehen...

„Früher habe ich nicht weit weg von hier an der Weinmeisterstraße auf einer Müllkippe gespielt...“

Karoline Herfurth - Szene aus „Beat“
UNDERGROUND: Karoline Herfurth als Emilia 

Dort sind heute vor allem Touristen unterwegs...

„Mir geht es vor allem um die Mischung verschiedener Schichten, Werte und Kulturen und dass nicht nach Gruppen und Bezirken getrennt wird. Ich wünsche mir sehr, dass da die Politik schnell weitreichend agiert.“

„Ich finde ich es gut, mal drei Tage zu feiern und auch nicht schlimm, sich mal abzulenken.“


Viele Clubs sind durchaus noch gemischt. Da tanzt der Banker neben dem Abiturienten. Manche exzessiv von Freitag bis Montagfrüh, so wie in der Serie die Hauptfigur Beat. Sind die Leute damit glücklich oder wollen sie nur ihren Alltag vergessen?

„Da will ich mir gar kein Urteil anmaßen. Ich finde es gut, wenn jeder machen kann, wonach ihm ist. Das ist immer meine Lebensdevise. Solange man anderen damit nicht schadet. Drei Tage im Techno-Club feiern, schadet niemandem. Außer man nimmt extrem viele Drogen, was weitreichende Folgen in anderen Ländern hat. Das muss einem bewusst sein, wenn man das tut. Es ist nicht nur ein Konsumgut für uns, sondern für ganz viele andere Länder Kriegsgrund. Ansonsten finde ich es gut, mal drei Tage zu feiern und auch nicht schlimm, sich mal abzulenken.“

Beat ist 28 Jahre. Wird man irgendwann zu alt zum Feiern?

„Das glaube ich nicht. Das ist totaler Quatsch. Man wird für gar nichts zu alt.“

Man braucht nur einen Tag länger zum Auskurieren...

„Das stimmt. Der Körper wird halt älter. Das merke ich auch, wenn ich nicht drei Tage tanzen gehe.“

Hier erzählt Karoline Herfurth, ob sie lieber auf eine Techno- oder Schlagerparty gehen würde und was ihr kleiner Bruder damit zu tun hat:

Bei vielen Studenten bleibt das Studieren auf der Strecke, weil sie zu viel feiern. Bei dir, weil du so viel arbeitest. Du hast 2008 angefangen mit Politik und Sozialwissenschaften. Wie sieht es aktuell aus?

„Stimmt. Ich habe zum Glück gute Gründe, warum es so lange dauert bei mir. Noch wird das auch toleriert. Die Frage ist irgendwann, ob ich noch Anschluss finden kann. Statistik hat sich bei mir auch länger hingezogen als gedacht, aber ich habe beide Module abgeschlossen. Wenn ich künftig weitermache, muss ich aber wieder die ganzen Statistik-Sachen, die ich vor mittlerweile vier Jahren gelernt habe, hochholen und neu lernen. Das ist immer das Problem. Ich habe mal probiert, konsequent ein bis zwei Kurse pro Semester zu besuchen. Aber es erfordert schon viel Konzentration, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Das kann man nicht nebenbei machen. Da muss man sich schon eine Auszeit nehmen. Was ich bisher noch nicht hinbekommen habe.“

5 Lieblings-Songs von Karoline Herfurth:

Warum überhaupt das Studium?

„Ich bin grundsätzlich sehr, sehr neugierig. Ich will einfach mehr wissen. Soziologie und Politik sind Bereiche, die mich als Mensch, Bürgerin und Filmschaffende wahnsinnig interessieren. Allein die Kurse, die ich schon belegen konnte, haben mein ganzes Weltbild verändert. Meine ganze Sicht auf den Umgang mit anderen Kulturen, Gesellschaften und politischen Systemen. Ich lese die Zeitung ganz anders. Ich beschäftige mich eigentlich mit allen Themen, die mich umgeben, ganz anders. Es ist einfach unglaublich bereichernd. Wenn man die Möglichkeit hat, und die haben wir in Deutschland, sollte man diese auch nutzen, wenn es einen interessiert.“

Ich habe auch Politik studiert. Man kann Handlungen von Politikern zumindest besser erklären – auch wenn man sie nicht unbedingt gutheißt...

„Auch was da überhaupt verhandelt wird, zum Beispiel bei Souveränitätsfragen. Vor dem Studium hätte ich nicht unbedingt gewusst, was die Problematik daran ist, wenn ich Grundrechte aufgebe, um die Sicherheit zu verstärken. Warum ist Migration manchmal so schwierig? Warum ist es so eine große Aufgabe, verschiedene Kulturen und Werte zu vereinen? Politische Fragen sind nicht immer so einfach zu beantworten.“

Karoline Herfurth - Szene aus „Beat“
OVERGROUND: Emilia (Karoline Herfurth) jagt Organ- und Waffenhändler

Warum eine europäische Union so wichtig ist für den Frieden...

„Generell Institutionen und Handelsabkommen. Die Welt ist unglaublich verwoben. Ich bin nach dem Mauerfall in einem unglaublich friedlichen, freien Staat groß geworden. Es ist aber ein eher seltener Fall auf dieser Welt. Es muss uns bewusst sein, dass es keine Selbstverständlichkeit ist und was es uns ermöglicht, so zu leben.“

„Es wäre gut, wenn jeder Mensch versucht, 10 bis 20 Prozent Politik in seinen Alltag zu integrieren.“


Fehlt dieses Bewusstsein heute?

„Das weiß ich nicht so genau. Ich habe das Gefühl, ohne es belegen zu können, dass wir nicht mehr so politisch sind. Ich glaube, es wäre gut, wenn jeder Mensch versucht, 10 bis 20 Prozent Politik in seinen Alltag zu integrieren. Alles, was wir tun, ist in irgendeiner Art und Weise eine gesellschaftliche oder politische Handlung. Selbst was wir kaufen, ist eine politische Handlung. Das ist für viele überfordernd, was ich auch verstehe. Nicht jeder kann alles wissen und alle Zusammenhänge erkennen. Das ist klar. Wir haben alle einen Beruf und ein Leben. Aber trotzdem gehört es dazu, zu lesen, sich über Themen zu informieren, zu wissen, was es für Folgen hat, wenn ich bestimmte Personen und Parteien wähle. Es wäre schön, wenn dieses politische Bewusstsein wieder selbstverständlich wird.“

Mit wem würdest du dich gern auf 'ne Coke treffen – also mal kennenlernen?
„Tom Hanks!“

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Beat läuft ab dem 9. November auf Amazon Prime.