SOMMERLICHE 30 GRAD in Hamburg sind – fast schon zu warm. Wir treffen Etienne Gardé im Hamburger Schanzenviertel. Dort sitzt Rocket Beans TV, ein 24/7-Web-Sender, den er mitgegründet hat. Etienne hat es sich auf einem Sofa gemütlich gemacht. Hinter ihm prangt das Senderlogo, eine Raketenbohne.

Persönlich ist Gardé genauso, wie man ihn aus vielen verschiedenen Formaten des Web-Senders kennt: Offen, entspannt und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Der geborene Frankfurter ist in Deutschland schon ziemlich rumgekommen. Für die Formate ‚GIGA‘ und ‚Game One‘, aus denen er bekannt ist, zog er mehrfach um. Mittlerweile blickt Etienne auf eine lange Karriere als Moderator und Redakteur zurück. Wir sprechen mit ihm über die Videospielemesse E3, die vom 12. bis 15. Juni in Los Angeles stattfindet, Gaming, Fußball und vor allem: Seine vielfältige Arbeit bei Rocket Beans TV.

Coca-Cola Classic, Coca-Cola Light oder Zero Sugar?

„Auf jeden Fall Classic! Ich mag das Original aus der kalten Glasflasche mit Eiswürfeln und Zitrone.“

Für alle, die Rocket Beans TV nicht kennen: Wie würdest du euren Sender beschreiben?

„Rocket Beans TV ist ein Internet-Fernsehsender, der 24 Stunden am Tag Programm liefert. Seit 2015 betreiben wir den Sender mithilfe unserer Fans und Zuschauer – viele kennen uns noch von ‚Game One‘ und ‚GIGA‘. Per Crowdfunding haben wir Rocket Beans TV ins Leben gerufen und versuchen seitdem, eine Plattform für Nerds, Internet-, Gaming- und Popkultur-Interessierte aller Art zu sein. Wir wollen außerdem eine Alternative zu klassischem Fernsehen und Videoplattformen wie YouTube bieten.“

Und was ist dein Job bei den Rocket Beans?

„Ich bin einer der Mitgründer und Gesellschafter von Rocket Beans TV. Das heißt, ich habe einerseits die Aufgabe, das gesamte Wohl der Firma im Auge zu behalten und unsere Vision voranzutreiben. Gleichzeitig bin ich aber auch als Moderator, Autor und Redakteur angestellt.“


Wie bist du überhaupt in dieser Branche gelandet?

„Ich bin da durch Zufall reingerutscht: Ein Kumpel von mir hat damals bei GIGA gearbeitet und mir erzählt, dass dort ein Casting für eine TV-Sendung stattfindet. Da habe ich einfach mitgemacht und zwei Wochen später kam der Anruf, dass ich den Job habe. Also begann ich im Jahr 2000 mein Volontariat bei GIGA und wurde dort zum Online-Redakteur und Moderator ausgebildet. Einen klassischen Karriereplan, den Wunsch möglichst berühmt zu werden oder auf einem bestimmten Sender zu landen, gab es nie.“

Und wie hat es dich dann nach Hamburg verschlagen?

„Für mein Volo bin ich zuerst von Frankfurt nach Düsseldorf gezogen. Dann ging es mit GIGA nach Köln. Budi und Simon sind dann für Game One nach Hamburg gezogen und haben Nils und mich schließlich in die Hansestadt geholt.“

5 Lieblingssongs von Etienne Gardé:


Hier hörst Du, aus welchen Filmen und Serien die Lieblingssongs von Etienne Gardé stammen:


Du wirkst auf eurem Sender in vielen unterschiedlichen Formaten mit. Welches ist dein Favorit?

„Oh, das ist eine gemeine Frage… Eines meiner Lieblingsformate ist ‚Almost Daily‘, weil ich mich einfach gerne mit anderen Leuten unterhalte. ‚Pen & Paper‘ gehört auch dazu: ein bisschen Schauspiel, ein bisschen Improvisation und Comedy. Außerdem rede ich in der ‚Bohndesliga‘ gerne über Fußball oder bei ‚Kino+‘ über Filme.“

„Pen & Paper“ ist eines eurer erfolgreichsten Formate. In diesem Rahmen habt ihr schon in unterschiedlichsten Settings gespielt: Zombies, Wikinger, Gefängnisinsassen. Welches ist dein Lieblings-Setting?

„Definitiv ‚Was geschah auf Morriton Manor?‘. Weil ich dort diesen arroganten, französischen Chirurgen spielen konnte und das hat sehr viel Spaß gemacht – eigentlich nur, weil ich mal eine Figur mit französischem Akzent spielen wollte. Ich habe mich in der Rolle komplett verloren. Schon eine halbe Stunde vor der Aufzeichnung habe ich im Studio nur noch mit Akzent gesprochen.“

Auf ne Coke mit Etienne Gardé
SPIELEN mit Akzent: Welche Ideen hat Etienne Gardé noch in seiner goldenen Mappe? 

Angenommen du hättest alle Mittel der Welt, welches Format würdest du auf dem Sender verwirklichen?

„Einige! Da würde ich die goldene Mappe rausholen mit den Ideen, die niemals umgesetzt werden können. Zum Beispiel hätte ich Bock, sowas wie ‚Scotland Yard‘ in echt zu machen: Eine Jagd durch Deutschland mit einem Gejagten, der ein bestimmtes Ziel erreichen muss, bevor die Detektive ihn aufspüren. Auch eine Impro-Show mit Green Screen, in der die Zuschauer live Hintergründe erarbeiten können, auf die die Akteure direkt reagieren müssen, würde ich super finden.“

In den letzten Jahren warst du oft auf der E3 unterwegs. Wie müssen wir uns diese riesige Messe vorstellen?

„Dieses Jahr bin ich nicht dort, allerdings war ich insgesamt schon sechs oder sieben Mal da. Auf der E3 geht es in erster Linie um Videospiele und nicht darum von möglichst vielen Bühnen Gratis-Shirts ins Publikum zu werfen oder YouTuber zu vermarkten. Auf der Messe werden die neuen Titel vorgestellt, vom Aktualitätsgrad her ist es also besonders interessant. Während der E3 trifft man natürlich auch total viele Leute, die man aus der Branche kennt, und das ist immer cool.“

3 Fragen, 3 Entscheidungen:


Hoffst du in diesem Jahr auf bestimmte Neuigkeiten, die auf der E3 verkündet werden?

„Die Macher meiner Lieblingsspiel-Reihe ‚Dark Souls‘ haben vor einiger Zeit ein kryptisches Video veröffentlicht und ich bin super neugierig, ob sie das auf der E3 auflösen. Außerdem hat Bethesda vor Kurzem einen Twitch-Stream gestartet, auf dem nur ein ‚Fall Out‘-Ladebalken zu sehen ist. Da habe ich also auch Hoffnung, dass ein neuer Teil kommt.“

Auf welche Videospiel-Releases freust du dich in diesem Jahr ansonsten noch?

„Auf ‚Red Dead Redemption‘ und ‚The Last of Us 2‘.”

Erinnerst du dich noch an dein erstes Videospiel?

„Die erste Videospiel-Erfahrung muss ich mit einer Pong-Konsole gemacht haben. Also einem Tele-Spiel, das man an den Fernseher angeschlossen hat. Oder es war ein Spiel auf dem Atari 2600 – ‚Pacman‘ oder ‚Centipede‘ wahrscheinlich.“

„Die Produzenten denken, Gamer lieben Übertreibungen. Da gibt’s auf jeden Fall Verbesserungspotenzial.“

Du bist auch ein großer Film-Fan – was hältst du von Videospiel-Verfilmungen?

„Generell habe ich nichts gegen diese Filme, es gibt leider nur so wenig Gute. Videospiel-Umsetzungen sind immer etwas cheesy. Die Produzenten denken, Gamer lieben Übertreibungen. Da gibt’s auf jeden Fall Verbesserungspotenzial.“

Und was zockst du heute am liebsten?

„Action-Rollenspiele, Sportspiele wie ‚FIFA‘ und generell alle kompetitiven Spiele, bei denen man sich mit anderen Spielern messen kann.“

Apropos FIFA: Du bist ja auch leidenschaftlicher Fußball-Fan. Gehst du ab und zu mal ins Stadion?

„Mein Herz schlägt für Eintracht Frankfurt. Würde ich noch in Frankfurt leben, hätte ich auf jeden Fall eine Dauerkarte. In Hamburg gehe ich nur dann ins Stadion, wenn die Eintracht hier spielt. Dafür war ich gerade beim DFB-Pokalfinale gegen FC Bayern München in Berlin – das war der absolute Hammer.“

Fieberst du auch bei der Weltmeisterschaft mit?

„Es geht – ich mag auf jeden Fall den Vibe im Sommer: Geiles Wetter und überall läuft Fußball. Dadurch entsteht ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Natürlich bin ich als Fußball-Fan für Deutschland und schaue die Spiele. Für alle WM-Begeisterten haben wir auf unserem Sender übrigens das ‚WM-Studio‘ mit Tobi Escher, meinem Kollegen Nils, mir und verschiedenen Gästen. Dort unterhalten wir uns in neun Shows über die Spiele und darauf freue ich mich sehr.“

„Das klingt jetzt abgedroschen, aber ist eben auch die Wahrheit: einfach machen!“

Du bist Mitbegründer von Rocket Beans TV – hast du einen Tipp für diejenigen, die auch davon träumen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

„Es gehört natürlich Glück dazu: Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das geht aber nur, wenn man auch aktiv ist. Das Glück muss erarbeitet werden. Wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein. Wenn jemand etwas gut kann und leidenschaftlich daran arbeitet, bin ich total dafür, das mit voller Power anzugehen. Es gibt kaum eine bessere Zeit sich zu verwirklichen und sein Publikum zu finden als jetzt. Klar, es gibt immer viel Konkurrenz, aber da muss man seinen Hut eben mutig in den Ring werfen. Viel Geduld und ein langer Atem gehören natürlich auch dazu. Das klingt jetzt abgedroschen, aber ist eben auch die Wahrheit: einfach machen!“

Wenn du zurückblickst: Bist du glücklich, Rocket Beans TV gegründet zu haben?

„Ja, auf jeden Fall. Die Sendergründung war die richtige Entscheidung und ich bin total glücklich, dass es so gut geklappt hat. Ich hätte allerdings nie gedacht, dass wir mit Rocket Beans TV einen so großen Erfolg landen.“

Zu guter Letzt: Mit wem würdest du dich gerne mal auf eine Coke treffen?

„Larry David. Mein Comedy-Vorbild, Alter Ego und Mitbegründer von ‚Seinfeld‘. Das Lustige ist, ich weiß, dass er absolut keinen Bock hätte, mit mir eine Coke zu trinken. Trotzdem würde ich mit ihm gerne mal einen Tag verbringen.“

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