LACHEN! Viel und laut. Miteinander, übereinander, durcheinander. Wenn Sara Doorsoun, Kathrin Hendrich und Lea Schüller den Raum betreten, herrscht gute Laune: Die Fußball-Nationalspielerinnen verstehen sich blendend. Wenige Monate vor der Weltmeisterschaft in Frankreich steht fest: Der Teamgeist stimmt.

Die Mannschaft von Neu-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg trifft ab dem 7. Juni auf China, Spanien und Südafrika. Bei der WM vor vier Jahren landeten die DFB-Frauen auf dem vierten Platz und holten ein Jahr später olympisches Gold.

DFB-Frauen-Nationalmannschaft beim Training
LÄUFT: Die DFB-Frauen-Nationalmannschaft beim Training

Defensivspielerin Sara Doorsoun stand damals noch nicht im Kader. Die 27-Jährige mit iranischen und türkischen Wurzeln spielt mittlerweile beim Topclub VfL Wolfsburg. Kathrin „Kathy“ Hendrich ist im belgischen Eupen geboren und spielt seit vergangener Saison beim FC Bayern München. Die 27-Jährige ist eine rheinische Frohnatur, liebt es zu essen und studierte eine zeitlang Sozialarbeit. Lea Schüller gehört mit 21 Jahren zu den Jüngsten, hat aber schon viel Erfahrungen sammeln können. Schon mit 16 Jahren spielte die Stürmerin in der Bundesliga bei der SGS Essen.

Wir sprechen mit dem DFB-Trio über die Anfänge ihrer Karriere und die Stimmung in der Kabine.

Coca-Cola Classic, Coke light oder Coke Zero Sugar?

Kathrin: „Wenn, dann am liebsten die klassische Coke.“
Sara: „Ich auch.“

Im Juni beginnt die WM-Mission in Frankreich. Im Teamhotel habt ihr Doppelzimmer. Habt ihr ein Mitspracherecht, wer mit wem aufs Zimmer kommt?

Lea: „Auf jeden Fall. Wir haben eigentlich unsere feste Zimmerpartnerin. Das kann aber immer mal wechseln, wenn jemand verletzungsbedingt ausfällt.“

Welche Eigenschaft sollte eure Zimmerpartnerin auf keinen Fall haben? Sara, du bist sehr ordentlich, oder?

Sara: „Ja, stimmt. Ich bin in der Regel mit Kristin Demann auf dem Zimmer. Am Anfang habe ich versucht, ihr durch die Blume zu sagen, dass es nicht sooo ordentlich ist. Ich wollte ihr nicht direkt sagen, dass sie mal aufräumen solle. Aber nun, nach fast drei Jahren, passt es ganz gut zwischen uns. Ich bin ihr etwas entgegengekommen und sie mir. Aber gestritten haben wir uns deswegen nie.“

DFB-Frauen-Nationalmannschaft beim Training
DFB-Frauen: „Die Aufregung wird steigen.“

Schnarchen ist ja auch immer ein Thema...

Kathrin: „Damit hatte ich bislang echt Glück. Ich bin jemand, der nicht so früh ins Bett geht und gern mal etwas länger schläft, wenn es möglich ist. Von daher sollte meine Zimmerpartnerin keine Frühaufsteherin sein. Ich bin mit Lisa Schmitz auf einem Zimmer und die steht auch nicht früh auf. Von daher passt es ganz gut.“

Für euch drei ist es die erste WM. Wie aufgeregt seid ihr so kurz vor dem Start?

Lea: „Für mich ist es das erste Turnier bei der A-Nationalmannschaft. Noch hält sich die Aufregung in Grenzen, aber sie wird nach und nach steigen.“

DFB-Frauen-Nationalmannschaft beim Training
WAS ZÄHLT, ist auf dem Platz: DFB-Frauen 2019


Sara, bist du generell nervös vor dem Spiel?

Sara: „Es geht. Ich versuche schon, es cool und gelassen anzugehen. Ich gehe vor dem Spiel noch mal ein paar alte Spielszenen durch und mache mich nicht verrückt. Aber als ich gehört habe, wie viele Zuschauer in Frankreich dabei sein werden, habe ich schon gedacht: Warum hat man mir das gesagt? Da bin ich schon etwas nervös. Aber das legt sich dann und im Spiel bekommt man das Drumherum gar nicht mehr so mit.“

DFB-Frauen-Nationalmannschaft beim Training
DFB-Frauen: „Die Musik ist schon meist an.“

Habt ihr bestimmte Rituale vor dem Spiel?

Lea: „Ich gehe immer mit dem linken Fuß zuerst auf den Platz.“
Sara: „Ich auch. Und sage dann beim Betreten des Platzes ein kurzes türkisches Gebet auf. Das mache ich vor jedem Spiel, auch nach der Halbzeitpause.“

Lea trägt interessante Schienbeinschoner..

Lea: „Ja, die habe ich zu Weihnachten bekommen und finde sie super schön. Auf dem rechten ist ein Löwe abgebildet, der Mut und Kampf symbolisiert. Auf dem linken ist eine Spielszene zu sehen, in der wir in der 90. Minute den Siegtreffer erzielt haben und wir uns alle in den Armen liegen.“

„In der Kabine muss das Handy weggelegt werden. Ist ja auch klar.“

Auf solche Szenen hoffen wir natürlich auch in Frankreich. Wie geht es kurz vor dem Spiel in der Kabine zu? Laut? Leise? Hört ihr Musik?

Kathrin: „Die Musik ist schon meist an, auch vor und nach dem Aufwärmen. Danach haben wir ein paar Minuten für uns, um nochmal in uns zu gehen und uns zu konzentrieren.“

Und es herrscht Handyverbot...

Sara: „Während der Busfahrt ins Stadion hört jeder noch seine eigene Musik, aber in der Kabine muss das Handy weggelegt werden. Ist ja auch klar.“

Im Podcast sprechen Lea, Sara und Kathrin über Musik und Social Media in der Kabine

Und nach dem Spiel habt ihr sicher viele Nachrichten. Sind es nach einem Sieg mehr?

Lea: „Ja. Die meisten Nachrichten bekomme ich, wenn wir gewonnen oder ich ein Tor geschossen habe. Wenn wir verlieren, kriege ich von den engsten Freunden auch Nachrichten. Aber das hält sich dann in Grenzen.“

Wie wichtig sind euch die sozialen Medien?

Sara: „Es gibt Phasen, da poste ich täglich etwas. Dann mache ich auch mal ein, zwei Wochen gar nichts. Ich lege mich da nicht so fest, aber möchte den Fans schon einen kleinen Einblick in meinen Alltag geben. Ich mache das auch gerne, aber es ist keine Priorität.“

Lea: „Ich poste eher weniger, weil ich einfach nicht der Typ dafür bin. Wenn, dann schreibe ich was über meinen Urlaub. Aber ich bin da generell verhalten.“

Kathrin: „Ich bin auch eher zurückhaltender. Aber grundsätzlich finde ich es eine gute Sache, den Fans zu zeigen, wie wir leben.“

5 Songs, mit denen sich Lea, Sara und Kathrin motivieren:

Was verbindet ihr mit dem Gastgeberland Frankreich – außer Fußball?

Lea: „Ich war 2004 im Urlaub dort und habe die Europameisterschaft der Männer im Fernsehen gesehen. Daraufhin habe ich angefangen, Fußball zu spielen.“

Kathrin: „Ich bin früher immer mit meinen Eltern und Geschwistern in den Urlaub nach Frankreich gefahren. Deswegen habe ich durchaus gute Erinnerungen.“

„Mein älterer Bruder hat auf mich aufgepasst. Was sollte er mit der kleinen Schwester machen? Fußball.“

Ihr habt alle früh angefangen mit dem Fußball. Sara war zum Beispiel drei Jahre alt. Wie kamst du damals dazu?

Sara: „Durch meinen Bruder. Der sagt mir heute noch, dass ich nie vergessen solle, wer mich zum Fußball gebracht hat. Meine Eltern waren beide selbständig, und mein älterer Bruder hat auf mich aufgepasst. Was sollte er mit der kleinen Schwester machen? Fußball. Er hat mich immer ins Tor gestellt, weil ich da am wenigsten störe. Meine Fähigkeiten sind dort nicht so zur Geltung gekommen, was schnell erkannt wurde. Aber es hat mir viel Spaß gemacht, und ich kam nicht mehr davon los.“

Wo spielt dein Bruder jetzt?

Sara: „Der spielt zum Glück gar nicht. Der hat andere Qualitäten.“

Zum Glück hat er dich vorher angesteckt. Bei Kathrin waren es auch die Brüder...

Kathrin: „Ja, ich habe drei Brüder, die auch alle Fußball gespielt haben. In der Nachbarschaft wurde überall im Garten gekickt, deswegen habe ich da immer mitgespielt. Ich war immer die Jüngste und habe am Anfang zu keiner Mannschaft gehört. Ich stand immer da und wurde ‚Störi' genannt, weil ich das Spiel stören sollte. Irgendwann bin ich dann in einen Verein gegangen.“

„Von den Gegnern habe ich früher komische Blicke bekommen.“

Dort gibt es ja am Anfang gemischte Mannschaften. Wie war es für euch, sich gegen die Jungs durchzusetzen?

Sara: „Heute sieht man zum Glück immer mehr gemischte Mannschaften. Früher war es eher außergewöhnlich, wenn ein Mädchen in einer Mannschaft mitgespielt hat. Innerhalb des Teams war ich schnell integriert, für die war es dann normal. Von den Gegnern habe ich dann erst komische Blicke bekommen. Aber dann haben sie gesehen, dass ich nicht so schlecht bin.“

An welchem Punkt habt ihr dann entschieden, Profi zu werden?

Lea: „Bei mir war es eine ganz klassische Entwicklung. Ich bin in die Niederrhein-Auswahl berufen worden und habe im Länderpokal gespielt. Danach habe ich dann Angebote bekommen. In dem Jahr wurde die U17-Bundesliga gegründet und ich bin nach Essen gewechselt, wo schon eine Freundin von mir gespielt hat.“

Sara: „Ich war dabei, als das Küken mit 15 zu uns kam. Man hat schon früh erkannt, was in ihr steckt.“

Lea Schüller, Kathrin Hendrich und Sara Doorsoun
PERSPEKTIVEN: Lea Schüller, Kathrin Hendrich und Sara Doorsoun haben auch neben dem Platz noch viel vor

Oft wollen Eltern ja einen sicheren Job für die Kinder. Wie war das bei euch?

Lea: „Mir wurde es an einem Punkt mal etwas zu viel. Meine Eltern mussten mich immer von der Schule zum Auswahltraining fahren. Meine Mutter sagte, ich solle mein Talent nicht verschenken. Sie hat mich immer unterstützt und bestärkt. Aber ich studiere ja auch nebenbei.“

Wirtschaftsingenieurwesen...

Lea: „Ich wollte schon immer Autos konstruieren. Nach dem Abi habe ich mich an der Hochschule in Krefeld informiert und mich dann dafür entschieden.“

Kathrin: „Ich habe angefangen, in Köln Sozialarbeit zu studieren. Nach meinem Wechsel nach Frankfurt habe ich ein Fernstudium in Bildungswissenschaften begonnen. Geht in die gleiche Richtung. Aber ich weiß noch nicht genau, was ich später machen möchte. Man freut sich auch mal, nicht nur auf dem Platz zu stehen und einen Ausgleich zu haben.“

Lea: „Ich finde es auch wichtig, etwas nebenbei zu machen. Wenn ich den ganzen Tag zu Hause darauf warte, abends zum Fußballtraining zu gehen, werde ich ganz bekloppt. Für mich ist es auch eine gute Ablenkung, wenn ich mal aufgeregt bin.“

Sara: „Ich wollte gerne zur Sportfördergruppe der Polizei, aber das ist nicht in allen Bundesländern möglich. Vor zwei Jahren habe ich meine Ausbildung abgeschlossen und konzentriere mich derzeit auf den Fußball. Ich überlege gerade, im September auch ein Fernstudium zu beginnen.“

Mit wem würdet ihr euch gern auf 'ne Coke treffen?

Kathrin: „Bastian Schweinsteiger war immer mein Vorbild. Ich mag einfach seine Spielweise. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber er wirkt immer bescheiden und auf dem Boden geblieben.“

Lea: „Bei mir ist es Marco Reus, mein absolutes Idol. Auch, wenn ich nicht so weit von Dortmund entfernt wohne und öfter im Stadion bin, habe ich ihn persönlich noch nicht kennengelernt.“

Sara: „Chris Brown könnte gerne mal für mich singen, auf ‘ne Coke würde ich aber eher David Beckham treffen.“