COKE AM BALL. Coke schießt. Tooooooooooor! Ja. Richtig gelesen. Coke kann auch Tore schießen. Derzeit ist er für den FC Schalke 04 am Ball. Hinter Coke steckt nämlich der spanische Rechtsverteidiger Jorge Andújar Moreno. Der bürgerliche Name des 30-Jährigen steht allerdings nur im Reisepass. Auf dem Platz und in der Kabine nennen ihn alle schlicht: Coke.

Grund genug für uns, nach Gelsenkirchen zu fahren. Wir treffen Coke nach dem Training zum Interview – direkt neben dem Trainingsplatz. Er kommt in Trainingsjacke, kurzer Hose und Sandalen.

Coke spielt schon seit ganzes Leben lang Fußball. Zunächst beim Madrider Club Rayo Vallecano, dann beim FC Sevilla. Dort gewinnt er gleich dreimal in Folge die Europa League und wird im Finale 2016 gegen Jürgen Klopps FC Liverpool zum Matchwinner: Coke schießt beim 3:1-Sieg zwei Tore und wechselt kurze Zeit später zum FC Schalke 04. Dort verfolgt ihn das Verletzungspech, unter Trainer Domenico Tedesco hat er einen schweren Stand.

Wir sprechen mit Coke über sein Leben in Deutschland und seine beiden Leidenschaften: Fußball und Theater.

Coke, Coca-Cola light oder Coke Zero Sugar?

„Coke!“

Die Frage liegt natürlich nahe: Warum der Spitzname?
„In Spanien werden einige Männer, die Jorge heißen, von Familie und Freunden Coke genannt. Mein Vater hat damit angefangen, als ich noch sehr jung war. Meine Freunde aus meinem Viertel, mit denen ich auf der Straße Fußball gespielt habe, nannten mich dann auch so. Und jetzt kennen mich auf dem Fußballplatz alle unter diesem Namen.“

Google übersetzt: „Coca-Cola wechselt zu Schalke“

Also es hat nichts mit dem Getränk zu tun...

(lacht) „Nein!“

Gab es mal witzige Erlebnisse mit deinem Spitznamen?
„In Spanien nennen wir das Getränk nicht Coke, sondern ausschließlich Coca-Cola. Als ich hierher wechselte, stand in den Online-Portalen 'Coke wechselt zu Schalke.' Damals habe ich aber noch kein Wort Deutsch verstanden und die Überschriften bei Google übersetzt. Da stand dann auf Spanisch: 'Coca-Cola wechselt zu Schalke'.“

Auf ne Coke mit Coke
VERLETZUNGEN kommen nie zum richtigen Zeitpunkt, sagt Coke. Aber diese war schon sehr ungünstig

Gibt es eigentlich Momente, in denen auch Profifußballer mal einen Burger mit Coke bestellen?
„Direkt nach einem Spiel oder einen Tag danach ist es schon mal möglich, solche Dinge zu trinken und zu essen. Das ist auch für den Kopf mal wichtig. Aber sonst müssen wir schon auf unser Gewicht und unsere Fitness achten.“

Gibt es spanische Gerichte, die du hier vermisst?
„Es ist hier schwerer, guten Fisch zu bekommen. Das ist in Spanien einfacher. Vor allem in Andalusien, wo ich lange gespielt habe. Aber ab und an gehe ich hier in spanische Restaurants, das ist überhaupt kein Problem.“

„Für mich war es der größte Schritt meines Lebens. Es ist meine erste Station im Ausland.“


Kochst du gerne?
„Ja, wenn ich Zeit habe schon. Aber ich muss mich in diesem Bereich noch verbessern. Da hilft nur regelmäßige Übung. Das ist in der Küche nicht anders als beim Fußball.“

Du lebst jetzt seit eineinhalb Jahren in Deutschland. Wie schwer war dieser Schritt für dich?
„Für mich war es der größte Schritt meines Lebens. Es ist meine erste Station im Ausland. Aber es war ein guter Zeitpunkt. Durch meine schwere Verletzung war es natürlich etwas komplizierter. Aber danach, als ich mit meinen Teamkollegen wieder regelmäßig trainieren konnte, fühlte ich mich sehr gut. Ich habe in Düsseldorf schon Freunde gefunden, die nichts mit Fußball zu tun haben. Ich fühle mich wohl.“

Du hast es schon angesprochen: Gleich im ersten Freundschaftsspiel hast du dir einen Kreuzbandriss zugezogen. Wie hart war diese Zeit?
„Es war natürlich sehr hart. Es war die erste schwere Verletzung in meinem Leben. Im ersten Moment fühlst du dich alleine in einem fremden Land. Ich hatte damals noch nicht einmal ein Haus gefunden. Das war eine verrückte Zeit. Verletzungen kommen nie zum richtigen Zeitpunkt, aber das war schon sehr ungünstig. Aber ich habe das Gefühl, dadurch mental stärker geworden zu sein. Ich habe Menschen kennengelernt, die mir sehr geholfen haben. Auch das ist sehr wichtig. Du musst auch dieser Seite des Sports etwas Gutes abgewinnen.“

Hier grüßen Kollegen und Fans Coke nach seiner Verletzung:


Wie sah dein Tagesablauf ohne Training und Reisen aus?
„Das Schwerste war für mich, alleine im Fitnessstudio zu sein und ohne meine Teamkollegen zu trainieren. Das war schon recht langweilig. Ich mag es sehr, bei der Mannschaft zu sein. Wenn du verletzt bist, trainierst du sogar mehr. Du musst Muskeln aufbauen und Übungen mit dem Physiotherapeuten machen.“

Zu Beginn der Saison gab es Gerüchte, du würdest Schalke verlassen, weil du nicht ins System des neuen Trainers passen würdest. Wie fühlt man sich, wenn die Presse so über die eigene Karriere berichtet?
„Ich spiele schon mein ganzes Leben lang professionell Fußball. Für mich ist es einfach ein normaler Teil des Geschäfts. Viele sagen oder schreiben Dinge über dich. Du musst damit leben, das ist kein Problem. Ich komme hierher auf den Platz und trainiere so gut wie möglich. Das ist halt meine Arbeit.“

Und es ist in manchen Fällen vielleicht gut, kein Deutsch zu verstehen...
„Ja, das stimmt.“

Aber du nimmst Deutschunterricht...
„Ja, wir haben einen Lehrer, der uns zwei Mal in der Woche Unterricht gibt. Jeweils 90 Minuten. Das ist sehr gut. Natürlich verstehen wir mehr Wörter, die mit Fußball zu tun haben, weil der Trainer sie häufig nutzt.“

„Das Schwierigste an der deutschen Sprache? „Die vier Fälle. Die haben wir im Spanischen nicht.“

Wie hält ein Trainer eigentlich die Ansprachen bei so vielen internationalen Spielern?
„Normalerweise spricht er Deutsch und Englisch. Er versucht uns in beiden Sprachen, Dinge zu erklären. Zu Beginn hat er im Einzelgespräch mit mir auch Italienisch gesprochen, das habe ich ganz gut verstanden. Aber es ist natürlich nicht einfach bei Spielern aus so vielen Nationen.“

Was ist für dich das Schwierigste an der deutschen Sprache?
„Die Deklination, also die vier Fälle. Die haben wir im Spanischen nicht.“

Du hast dich ein zweites Mal verletzt, bist jetzt aber wieder fit. Was sind deine Ziele für die nächsten Monate?
„Ich will natürlich das Beste für mein Team geben und möglichst gut spielen. Fußball ist wirklich mein Leben und macht mir unglaublich Spaß.“

Coke beim Training:

Wenn du kein Fußballer geworden wärst, dann wärst du heute...?
„Wahrscheinlich irgendetwas anderes, was mit Fußball zu tun hat. Denn das ist meine Leidenschaft. Aber ich weiß es nicht. Es ist schwer, sich das vorzustellen. Ich habe schon mit zehn Jahren bis zu vier Mal pro Woche trainiert.“

„Auch auf der Bühne ist das Zusammenspiel extrem spannend. Alle müssen miteinander harmonieren.“


Aber du hast noch eine zweite Leidenschaft: das Theater. Du hast vor Jahren einen Workshop besucht und produzierst derzeit die altgriechische Komödie „Weiberversammlung“ in Malaga und Sevilla. Was magst du am Theater?
„Das Theaterspiel fasziniert mich. Es hat damals angefangen, als ich nach Sevilla gegangen bin und war eigentlich nur als Zeitvertreib neben dem Fußball gedacht. Daraus ist dann aber schnell mehr geworden. Ich finde das Zusammenspiel auf der Bühne extrem spannend. Alle müssen miteinander harmonieren und helfen sich gegenseitig, wenn einer mal was von seinem Text vergisst oder so. Es ist ähnlich wie beim Fußball. Nur habe ich schnell erkannt, dass mir die gestaltende Rolle hinter der Bühne mehr liegt, als die auf der Bühne, und engagiere mich deshalb mehr auf diesem Gebiet.“

Auf ne Coke mit Coke
WIEDER FIT: Coke würde gern mal eine Coke mit Rafael Nadal trinken 

Zurück auf den Platz: Erinnerst du dich an deinen härtesten Gegenspieler?
„Ich erinnere mich noch an viele Spiele gegen Barcelona oder Real Madrid, als ich gegen Cristiano Ronaldo oder Neymar gespielt habe. Das waren natürlich sehr gute Gegenspieler. Auch Antoine Griezmann gehört sicher dazu.“

Mit welchem Star aus der Vergangenheit hättest du gerne zusammengespielt?
„Raúl. Er war damals mein Lieblingsspieler bei Real Madrid. Die Leute haben ihn geliebt, auch als er hier für Schalke gespielt hat. Ich habe ihn zwar einige Male getroffen, aber nie wirklich persönlich mit ihm geredet.“

Worauf freut ein Fußballer sich am meisten nach der aktiven Laufbahn?
„Wir Fußballer reisen zwar unglaublich viel, lernen aber die Städte nie kennen. Vor den Spielen ruhen wir uns im Hotel aus und fahren dann direkt ins Stadion. Es wäre schön, mehr zu reisen und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.“

Gibt es eine Stadt, die dich dabei besonders interessiert? Dortmund zum Beispiel?
(lacht) „Nein, da würde mir keine einfallen momentan. Es sind zu viele Städte, die mich interessieren.“

Mit wem würdest du dich gern mal auf 'ne Coke treffen?
„Rafael Nadal. Ich liebe es, wie er Tennis spielt und auch, wie er über den Sport und seine Motivation spricht. Ich glaube, er ist eine tolle Persönlichkeit.“

Spielst du selbst Tennis?
„Ja, ich liebe Tennis. Es ist mein zweitliebster Sport. Ich kann derzeit nicht viel spielen, aber trainiere unglaublich gerne.“

Fünf Lieblingssongs von Coke:

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