WAS WÄRE, WENN nächste Woche die Welt unterginge? „Asteroid trifft Erde“ titelten kürzlich Zeitungen bundesweit – trotzdem kam es nicht zu Massenpanik und Plünderungen in den Supermärkten. Denn schnell wurde klar: Es handelte sich um Werbung für eine neue Serie.

„8 Tage“, so der Titel, bleiben den Menschen, dann kracht es in Mitteleuropa. Christiane Paul spielt eine Ärztin und Mutter, die nicht nur um ihr Leben, sondern auch um ihre Ehe kämpft.

Die Rolle als Ärztin und Mutter ist ihr vertraut: Christiane Paul, geboren in Berlin-Pankow, hat nicht nur selbst zwei Kinder. Sie stammt aus einer Arztfamilie und wurde zunächst selbst Chirurgin. Doch schon neben der Schule und dem Medizinstudium stand sie immer wieder vor der Kamera, zum ersten Mal mit 17 Jahren. Erst 2004, nach Promotion und zwei Jahren im Beruf, entscheidet sie sich für die Filmkarriere. Sie ist in Filmen wie „Die Welle“, „Das Adlon“ und den ARD-Terror-Thriller „Unterm Radar“ zu sehen. Für den bekommt sie 2016 einen Internationalen Emmy.

Mit einem Lächeln und einem Kaffeebecher in der Hand steigt die 44-Jährige aus dem Taxi und strahlt mit der Februarsonne um die Wette.

Coca-Cola, Coke light oder Coke Zero Sugar?

„Die klassische Coke. Beim Drehen brauche ich mittags echt eine Coke. Im Urlaub und mittags bei Dreharbeiten. Finde ich super.

Was machst du heute in acht Tagen? Irgendwelche Pläne?

„Da bin ich tatsächlich in Thailand. Das war schon immer ein Wunsch von mir. Ich fahre zwei Wochen alleine in eine Art Yoga Retreat auf einer Insel. Ich habe viel gearbeitet in den letzten Jahren, da ist es nötig, dass ich auch auftanke und deswegen einfach mal allein und in Ruhe in den Urlaub fahre. Zum ersten Mal. Und ich freue mich total drauf. Einfach mal lesen, keine Termine haben – außer meinen Yoga-Kursen – und die Seele baumeln lassen. Wir verlieren in dem Beruf viel Energie und Kreativität, was man manchmal vergisst. Den Tank müssen wir immer wieder auffüllen. Und das schaffe ich nicht, indem ich nur im Alltagsgewusel bin, abends Serien gucke und schlafe, sondern indem ich lese, ins Museum gehe und einfach neue Eindrücke sammle.“

Lieber eine Zeitreise in die Vergangenheit oder in die Zukunft? Villa am Strand oder Hütte in der Bergen? Überraschende Antworten von Christiane Paul:

Fällt es dir schwer, aufs Smartphone zu verzichten?

„Ja. Mein Mann hat auch schon gesagt, ich solle es bitte ausschalten. Es ist ja so, dass beruflich fast alles über das Handy läuft. Man muss immer Mails checken, alles soll schnell gehen. In meiner letzten Drehpause war ich mit den Kindern im Urlaub und habe das Handy einfach eingeschlossen. Das geht! Auch wenn man es sich erst nicht vorstellen kann.“

In „8 Tage“ glauben die Menschen in Deutschland, dass ihr Leben in acht Tagen vorbei ist. Würdest du persönlich gerne vorher wissen, wann Schluss ist?

„Ich frage mich, was das mit einem machen würde. Ich glaube, dass das eine Veränderung nach sich zieht, die nicht gut ist. Also ich glaube, wir sollten nicht zu viel über unsere Zukunft wissen. Oder? Was denkst du?“

Szenen aus „8 Tage“ - Mark Waschke, Lena Klenke, Claude Heinrich, Christiane Paul
FAMILIENFOTO: Die Steiners in „8 Tage“ (Mark Waschke, Lena Klenke, Claude Heinrich, Christiane Paul)

Auf der einen Seite hätten wir die Chance, Abschied zu nehmen von bestimmten Personen. Aber wir würden sicher durchdrehen...

„Ja, wir würden verrückt werden. Sterben ist echt eine schwierige Angelegenheit und dann müsste man sich damit zwangsweise auseinandersetzen. Ich glaube, es ist besser, man geht irgendwann, wenn es soweit ist. Ich glaube, wir haben nur ein Leben, was meine Figur auch in der Serie sagt. Natürlich kann man jetzt nicht so leben, als sei jeder Tag der letzte. Aber man kann sein Leben gut leben, ehrlich und liebevoll zu sich selbst und anderen sein.“

„Der Ton ist so rau geworden, der Druck so groß. Manchmal merke ich das auf der Straße, im Taxi oder im Bus.“

Was heute nicht mehr selbstverständlich ist...

„Es hat sich so viel verändert, in zwischenmenschlichen und auch geschäftlichen Beziehungen. Der Ton ist so rau geworden, der Druck so groß. Manchmal merke ich das auf der Straße, im Taxi oder im Bus. Der Druck ist groß und die Menschen sind nicht immer entspannt und freundlich. Das sollten wir uns aber bewahren.“

In der Serie reagieren die Menschen ganz unterschiedlich. Die einen feiern exzessive Partys, die anderen versuchen, sich zu retten. Welcher Typ wärst du?

„Ich würde schon versuchen, einen Ausweg zu finden. Ich bin der Typ, der für alles eine Lösung sucht. Was manchmal auch total anstrengend für andere sein kann. Aber meine Erfahrung ist, dass man sich in der Wirklichkeit dann doch ganz anders in existentiellen Situationen verhält, als wir uns das vorstellen können. Wir versuchen uns als Schauspieler ja in solche Momente hineinzuversetzen. Aber wenn dann was Krasses passiert, kommt es meist ganz anders.“

Hier erzählt Christiane Paul von einem Notfalleinatz im Zug. Und sie verrät, welches Essen ihre letzte Mahlzeit wäre:


Deine Familie versucht in der Serie, mit Hilfe von Schleppern nach Russland zu flüchten. Die reale Flüchtlingskrise – mal anders herum...

„Ich fand das total faszinierend, diese Flüchtlingssituation umzudrehen. Ganz Mitteleuropa versucht zu fliehen, und die Grenzen zum Osten sind dicht. Das kann man sich ja fast gar nicht vorstellen. Der Komet destabilisiert zudem das ganze alte Europa und ist fast so etwas wie eine Metapher. Wir müssen derzeit auch aufpassen, dass Europa nicht zerfällt, weil man es nicht schafft, in Einheit zusammenzustehen. Das hat heute noch einmal eine ganz andere Tragweite als vor eineinhalb Jahren, als wir gedreht haben. Die Briten gehen raus, der Süden ist pleite, der Osten rechtskonservativ. Diese Analogie mit dem in Europa auftreffenden Kometen finde ich sehr spannend.“

„Ich bin vorher extra nochmal drei Tage in meine damalige Abteilung in der Charité gegangen.“

Und du spielst eine Chirurgin, die du ja auch im echten Leben schon warst. Wie vertraut war es, wieder im OP-Saal zu stehen?

„Ich bin vorher extra nochmal drei Tage in meine damalige Abteilung in der Charité gegangen und habe hospitiert. Einfach um mich zu vergewissern, dass noch ein paar Dinge da sind. Ich bin ja seit mittlerweile 15 Jahren raus aus dem Beruf.“

„8 Tage“ ist die erste deutsche Serie, in der du mitspielst. In den vergangenen Jahren gab es einen echten Serienboom. Was ist das Schöne daran für Schauspieler?

„Du hast natürlich die Möglichkeit, eine Rolle über einen langen Zeitraum zu entwickeln und verschiedene Facetten auszuleuchten. Außerdem arbeitest du über einen langen Zeitraum zusammen, das ist für das ganze Team eine echte Herausforderung – aber auch wirklich toll!“

Szene aus „8 Tage“ - Claude Heinrich und Christiane Paul
KURZE PAUSE vor dem Weltuntergang: Jonas (Claude Heinrich) und seine Mutter Susanne (Christiane Paul)

Siehst du die Gefahr des Überangebots von Serien?

„Das ist ja bei Netflix schon ein wenig so. Die haben immer wieder großartige Sachen. Aber ich frage mich, ob da auch gute Serien nicht irgendwann in der Masse untergehen. Ich glaube, in Amerika wurden im vergangenen Jahr über 400 Serien produziert. Viele schaffen es dann gar nicht. Ich glaube, wir sind gerade in so einer Blase. Man muss mal gucken, wo wir in fünf Jahren stehen. Das Kino leidet gerade total unter dieser Entwicklung. Ich bin deswegen auch immer wieder froh, wenn ich mal einen schönen, abgeschlossenen Arthouse-Film im Kino anschauen kann.“

Wie schwer tut sich die Filmindustrie mit den Streamingangeboten?

„Wir können das einfach nicht mehr wegdiskutieren. Es ist auf eine Art schon traurig, dass so ein Film wie der Oscar-Gewinner ‚Roma‘ nicht für das Kino produziert wird, sondern für Netflix, weil die einfach das Geld dafür geben. Und auch toll, dass Netflix es dann für einen Film wie ‚Roma‘ ausgibt. Aber eigentlich gehört so ein Arthouse-Film ins Kino.“

„Steven Spielberg hat gesagt, dass ein Kinobesuch für eine US-Familie an die 100 Dollar kostet.“

Es heißt oft, dass neue Medien die alten nicht verdrängen, sondern verändern. Inwieweit hat sich das Kino verändert?

„Man sieht es allein daran, dass aus Hollywood mittlerweile vor allem die großen Blockbuster und Marvel-Verfilmungen kommen. Ich frage mich, ob Filme wie ‚Frankie & Johnny‘ mit Michelle Pfeiffer und Al Pacino heute noch möglich wären, diese US-Independentfilme. Ich weiß es nicht.“

Für viele Konsumenten ist es sicher auch eine Frage des Preises. Ein Kinofilm für mehr als zehn Euro oder ein Streaming-Abo für acht Euro im Monat...

„Du zahlst ja heute locker 15 Euro Eintritt für einen Kinofilm. Steven Spielberg hat vor ein paar Jahren gesagt, dass ein Kinobesuch für eine US-Familie an die 100 Dollar kosten kann: Babysitter, Parkplatz, Popcorn. Dementsprechend gehen die Leute vor allem für Events und Marvel-Comics ins Kino. Aber wo sind die ganzen amerikanischen Independent-Filme?“

Du bist mit dem Kino ja besonders eng verbunden. Du hast bei einem Film die Wehen bekommen...

„Stimmt, bei meinem ersten Kind. Das war bei ‚Spiderman‘, zum Glück erst während des Abspanns. Und der Taxifahrer sah noch aus wie der Regisseur Roberto Benigni. Besser hätte man auch ein Drehbuch nicht schreiben können.“

Morgen geht die Welt unter. Drei Dinge, die du heute noch machen würdest?

„Zeit mit meinen Kindern, meinen Eltern und meinem Mann verbringen. Das sind schon drei Dinge.“

Mit wem würdest du dich gern mal auf 'ne Coke treffen?

„Sean Penn. Ich lege die Latte mal hoch. Ich finde ihn als Schauspieler echt toll und würde ihn gerne einfach mal kennenlernen.“

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„8 Tage“ läuft ab dem 1. März, 20:15 Uhr, jeden Freitag auf Sky 1 HD und steht auf Abruf oder im Stream auf Sky Ticket und Sky Go bereit.