SIE WIRKEN NOCH etwas angeschlagen. Christian Ulmen und Fahri Yardim waren ein paar Tage erkältet. Jetzt aber wollen sie über die zweite Staffel ihrer urkomischen Comedy-Serie „jerks.“ reden. Darin spielen die beiden quasi sich selbst und geraten in immer peinlichere Situationen – oft an und unter der Grenze des guten Geschmacks. Die neuen Folgen laufen auf der Bezahl-Plattform Maxdome und ab Mai auf ProSieben.

Ulmen startet seine Karriere bei MTV, probiert sich immer wieder an innovativen Formaten („Mein bester Freund“) aus, brilliert aber auch in ernsten Rollen – wie in Leander Haußmanns Tragikomödie „Herr Lehmann“. Früh entdeckt er die Möglichkeiten des Internets und gründet mit „Ulmen.tv“ seine eigene Plattform.

Yardim spielt in zahlreichen Kinoerfolgen mit, vor allem an der Seite von Til Schweiger in „Männerherzen“, „Kokowääh“ oder „Honig im Kopf“. Im Hamburger Tatort sorgt er neben Action-Til für die komischen Momente. Auch Ulmen ist als Kommissar in Weimar für die nicht ganz so ernsten Fälle zuständig.

Die beiden Freunde haben sich vor unserem Interview lange nicht gesehen, wirken trotzdem vertraut wie immer.

Fahri Yardim & Christian Ulmen – Selfie
ANSTECKEND: Selfie von Fahri Yardim und Christian Ulmen beim Interview

Classic Coke, Coca-Cola light oder Coke Zero Sugar?
Christian: „Lieber einen Ingwertee.“
Fahri: „Ich Fencheltee.“

Klar, ihr seid erkältet. Trotzdem die Frage: Christian, welche Stelle streichelst du bei Fahri am liebsten?
Christian: „Seine Brust. Die ist sehr schön definiert, kräftig, fest und nicht zu hart.“

Ihr geht gerne auf Körperkontakt, zumindest in früheren Interviews…
Fahri: „Das wird heute anders sein. Es hat sich ausgestreichelt.“
Christian: „Fahri ist etwas miesepetrig, weil er eine Virusinfektion hatte und ich ihn aus Angst vor Ansteckung nicht anfassen mag. Ich fliege übermorgen in meinen ersten Urlaub seit über einem Jahr und möchte mich vorher nicht anstecken lassen. Es fällt mir sehr schwer, denn sein zartes Kränkeln macht ihn noch attraktiver.“

Fahri Yardim und Christian Ulmen
HUMOR mit Anfassen: Fahri Yardim und Christian Ulmen 

Dieses zwanglose Berühren unter Freunden ist in anderen Ländern viel weiter verbreitet als hier. Ist etwas typisch Deutsch an euch?
Christian: „Darüber mache ich mir keine Gedanken.“
Fahri: „Die Nationalität ist eine politische Kategorie. Keine, in der wir fühlen.“
Christian: „Oder eine kulturelle. Blasmusik, Helene Fischer.“
Fahri: „Ich kenne viele sogenannte Deutsche, die das nicht mögen.“
Christian: „Ich mag das auch nicht. Aber man muss ja die deutsche Kultur nicht mögen. Obwohl Blasmusik eher bayrisch ist. Oder thüringisch. Jetzt reden wir doch in diesen ätzenden Kategorien. Ich möchte das nicht.“
Fahri: „Derartig grobe Verallgemeinerungen sind genauso dumm, wie gefährlich. Aber wenn wir unbedingt in Klischees denken wollen, dann sage ich: An mir ist typisch deutsch, dass ich manchmal gerne Fischstäbchen mit Kartoffeln und Spinat esse.“
Christian: „Ich hatte schon mal fantastische Fischstäbchen in Paris.“

Fünf Lieblings-Songs von Christian Ulmen und Fahri Yardim:

Was Christian Ulmen und Fahri Yardim zu ihren Lieblings-Songs sagen, hörst du in unserem Podcast:

Im Ausland hört man immer wieder das Klischee, die Deutschen hätten keinen Humor…
Fahri: „Das habe ich im Ausland noch nie gehört.“
Christian: „Als ich in London bei MTV gearbeitet habe, bin ich öfter damit konfrontiert worden. Vor allem, weil ich zu der Zeit ein humoriges Format moderierte. ‚Quite funny – for a German‘. Das habe ich schon mitbekommen.“

Wie würdet ihr die zweite Staffel „jerks.“ mit einem Wort beschreiben?
Christian: „Entspanntes Fernsehen.“
Fahri: „Family Entertainment.“

„Als Kind habe ich mich 24 Stunden am Tag geschämt. Ich hatte Angst, ausgelacht zu werden.“

Die Dialoge sind wieder komplett improvisiert, aber dahinter steckt ja trotzdem Arbeit. Wie schwer ist die Vorbereitung, wenn dann beim Dreh komplett improvisiert wird?
Christian: „Ich glaube, die Vorbereitung ist nicht schwieriger als bei herkömmlichen Drehs.“
Fahri: „Sie ist leichter.“
Christian: „Quatsch.“
Fahri: „Für mich schon.“
Christian: „Ja, weil Fahri talentiert ist und darauf vertraut, dass ihm sein Talent jeden Tag etwas Schönes zaubert.“
Fahri: „Allerdings, die Ungewissheit, der man sich ausliefert, erzeugt immer wieder eine intensive Spannung. Es gab auch Tage am Set, da hing ich in der Luft. Da sprudelte nichts. Und dann kommt die Angststarre.“

Fahri Yardim und Christian Ulmen
Comedy-Duo Ulmen und Yardim: „Schamgefühl als Rückbesinnung auf etwas Menschliches“

Wie löst man das?
Christian: „Du musst Fahris Assoziationsvermögen etwas ankurbeln. Meist eignen sich da sexuell gefärbte Bilder. Man macht ihn auf Phallussymbole in der Nähe aufmerksam, und schon ist er wach.“
Fahri: „Ja, ich brauche hin und wieder einen Musenkuss beziehungsweise Busenkuss.“

Wie schwer oder leicht ist es, andere Schauspieler für dieses Format zu finden?
Christian: „Das ist in diesen Kategorien schwer zu beantworten. Es gibt Schauspieler, die können besser mit Text arbeiten und bereiten sich gerne vor. Für die ist das wie eine einstudierte Choreografie, die sie dann auf Abruf vortanzen. Und dann gibt es Schauspieler, die gerne in eine andere Welt schlüpfen wollen. Und das kannst du in der Improvisation tatsächlich.“
Fahri: „Viele würden behaupten, bei vorgegebenen Texten kannst du auch in was Fremdes eintauchen.“
Christian: „Ja, ein bisschen. Als ob man kurz in eine Pfütze tritt. Dann geht es zwei Stunden in den Wohnwagen und es wird umgebaut am Set. Wenn du deine Worte selber finden musst, tauchst du automatisch tiefer ein. Isso.“

Was ist für dich als gelernter Schauspieler das Schöne beim Improvisieren?
Fahri: „Das Spannende ist das Nichtwissen. Wenn ich bei der Vorbereitung den Text des Anderen kenne, weiß ich, worauf eine Szene hinausläuft. Bei der Improvisation werde ich während des Drehs überrascht, auch von mir selbst. Das bringt eine besondere Freude, besonders wenn sich Abgründiges aus dem Unbewussten offenbart.“

„Wir sind zwei Jahre rumgelaufen und haben das Format angeboten. Du musst als Sender halt loslassen können.“

Hattest du im Vorfeld mal Sorgen, dass die Serie mit ihrer Art des Erzählens nicht funktionieren würde beim Publikum?
Christian: „Solche Sorgen sind nur hinderlich. Ich verdränge sie geschickt. Aber Sorge, dass kein Sender „jerks.“ senden will, hatte ich schon. Wir sind ja zwei Jahre damit rumgelaufen und haben das Format angeboten. Du musst als Sender halt loslassen können. Du kannst bei der Improvisation keine Dialogbücher abnehmen. Maxdome und ProSieben hatten dann den nötigen Mut.“

In der Serie geht es um Peinlichkeiten, die der Alltag schreibt und die dann überspitzt werden. Wann fing das bei euch im Leben an, dass euch etwas peinlich war?
Christian: „Als Kind habe ich mich 24 Stunden am Tag geschämt. Ich hatte Angst, ausgelacht zu werden. In der Schule habe ich mich für meinen Radiergummi geschämt. Andere hatten so ein Schwein als Radiergummi, ich ein graues, seltsam schrumpeliges Ding. Meine Milchzähne fielen nicht aus, die mussten gezogen werden, als ich 15 war. Ich habe mir beim Lachen die Hand vor den Mund gehalten, weil ich mich für mein Radiergummi-Gebiss geschämt habe. Mir war alles peinlich.“
Fahri: „Ich versuche das ja gerne esoterisch einzuordnen. Das Schamgefühl als Rückbesinnung auf etwas Menschliches. Wir sind alle fehlbar. Darum ist das Gefühl der Scham in einer technokratischen Welt, die ständige Selbstoptimierung verlangt, ein erfrischend entschlackendes Moment.“

Das sieht man als Jugendlicher in der Pubertät sicher anders…
Fahri: „Die Pubertät ist eine grauenvolle Phase. Man wächst in einen sexuellen Körper rein, teilweise in unproportionierter Weise, dazu kommen Pickel. Warum gibt es ausgerechnet in der Pubertät Pickel? Wo es gerade da so sehr um Anerkennung geht. Das ist doch nicht fair.“

Und in der Phase sagen einem das die Mitschüler ja auch noch…
Fahri: „Ich wurde wegen meiner langen Haare damals Momo genannt. Ich wollte endlich Mann sein und wurde Mädchen genannt. Eine fundamentale Verletzung.“

Auch in Gesprächen kann es zu peinlichen Situationen kommen. Totschweigen, weglachen oder thematisieren?
Christian: „Darüber sprechen kann es noch peinlicher machen. Dieses Mittel nutzen wir in der Serie oft.“
Fahri: „Manchmal kann die absolute Ehrlichkeit auch alles entspannen. Da helfen nur Entlastungsangriffe.“

„Ein Bierbike wäre mir auch mit 20 peinlich gewesen. Das ist eine Haltungsfrage.“



In einer Folge freundet ihr euch mit einer Jugend-Clique an und verhaltet euch alles andere als erwachsen. Gibt es Dinge, die mit 40 peinlicher sind als mit 20? Mit einem Bierbike durch die Gegend fahren, wie in der Serie?
Christian: „Das wäre mir auch mit 20 peinlich gewesen. Das ist eine Haltungsfrage. Einmal Bierbike, immer Bierbike.“
Fahri: „Viele Erwachsene sind nie aus der Pubertät erwachsen. Wir erzählen ja vom absurden Versuch, ein guter Erwachsener zu sein. Aber gerade der unbedingte Anspruch führt zum Scheitern.“

Sagt uns die Gesellschaft, was uns peinlich sein sollte?
Christian: „Ich würde das gar nicht zu einer Gesellschaftskritik erheben wollen. Ich finde den Ansatz von „jerks.“ besser, dem Thema Scham und Peinlichkeit ein heilsbringendes, tröstendes Lachen anheimzustellen.“

Mit wem würdet ihr euch gern mal auf ‘ne Coke treffen?
Christian: „Ich würde mich gerne wieder mit Fahri treffen. Ich habe ihn seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen. Ich habe ihn immer auf Monitoren gesehen, als ich die Folgen geschnitten habe. Aber ich würde gerne wieder in einen Dialog treten, wo auch was zurückkommt. Außerdem hat er sich sehr verändert in den vergangenen Monaten. Er ist nachdenklicher geworden, schöner.“

Wart ihr eigentlich schon mal zusammen im Urlaub?
Christian: „Nein, aber das wollen wir unbedingt mal machen. Wirklich. Mit unserem Hausboot die Spree und Havel entlang.“

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