DER HIMMEL ÜBER KÖLN ist derart regengrau und diesig, dass der Dom auf der anderen Seite des Rheins nur noch schemenhaft zu erkennen ist. Doch in der Ecksuite des „Hyatt Regency“ Hotels herrscht trotzdem allerbeste Laune. Immer wieder hallt Carolin Kebekus‘ ebenso unverwechselbare wie ansteckende Lache durch den Raum.

Ihr Durchbruch als Komikerin gelang ihr 2006 durch Parodien des „Tokio Hotel“-Sängers Bill Kaulitz in den „Freitag Nacht News“. Es folgen Gastauftritte in Shows wie „RTL Comedy Nacht“ oder „Quatsch Comedy Club“ und schließlich ihr eigenes Bühnenprogramm „Pussy Terror“. Auch als Schauspielerin ist sie fortan zu sehen („Vollidiot“, „Männertag“). Durch zahlreiche TV-Auftritte zählt die 38-Jährige heute zu Deutschlands erfolgreichsten Comedians. Im Animationskinderfilm „Der kleine Drache Kokosnuss: Auf in den Dschungel“ (Kinostart: 27. Dezember) spricht sie das Stachelschwein Mathilda: die beste Freundin des Titelhelden. Bereits die erste Filmadaption nach den Büchern von Ingo Siegner begeisterte Millionen Kinder. Doch wie war eigentlich Carolins eigene Kindheit?

Coca-Cola Classic, Coca-Cola light oder Coke Zero Sugar?

„Für mich bitte einen Cappuccino.“

Wer war der Held deiner Kindheit?

„Das war eindeutig Pumuckl. Deshalb war mein erster Kinofilm auch „Meister Eder und sein Pumuckl“. In unserem Kölner Stadtteil Neubrück gab es damals ein Kino für Kinder. Das war dann auch der Ort für mein erstes Leinwanderlebnis.“

Welche TV-Sendung stand bei dir hoch im Kurs?

„Ich war „Knight Rider“-Fan und deshalb auch totaler David-Hasselhoff-Fan. Im Alter von zehn Jahren ist man ja noch nicht so richtig verliebt – oder zumindest weiß man es noch nicht, wie das eigentlich ist. Auf eine unschuldige Art und Weise war ich aber wohl doch verknallt. Ich habe mir damals jedenfalls immer gewünscht, dass David mein Onkel wäre.“

Carolin Kebekus und Namika singen ein Lied:


Lief der Fernseher oft?

„Mein Bruder und ich haben wahnsinnig viel TV gesehen und es geliebt! Wenn wir nachmittags von der Schule nach Hause kamen, ging das schon los.“

Warst du als Mädchen eher Pippi oder Annika?

„Es gab bei mir verschiedene Phasen: Mit acht Jahren war ich unfassbar vorlaut und dominant, was übrigens ganz wunderbar auf Video festgehalten wurde. Mit dem Beginn der Pubertät war ich dann auf einmal wahnsinnig schüchtern. Erst als ich endlich mit dieser Hormonsache durch war, wurde ich wieder laut.“

„Ich hatte nur eine Fake-Barbie.“

Welche Spielsachen hast du besonders geliebt?

„Wie fast jedes Mädchen hatte auch ich eine Barbie-Phase. Ich konnte aber nicht mit dem Original spielen, sondern nur mit der Fake-Version vom Flohmarkt, weil mein Vater die richtige Barbie einfach viel zu teuer fand. Ich habe aber auch gemeinsam mit meinem kleinen Bruder mit dessen He-Man-Actionfiguren gespielt. Ab und zu kam dann bei denen auch mal Barbie vorbei oder umgekehrt. Dann ging es spielzeugfächerübergreifend zur Sache. Oft stand auch Playmobil auf dem Programm. Und wir haben uns jeweils zehn Autos aus der Kiste rausgesucht und eine Autorenn-Bande zusammengestellt. Aber irgendwie war mir das auf Dauer meist zu langweilig, nur mit diesen kleinen Matchbox-Autos zu spielen und dann habe ich denen kleine Betten gebaut.“

Gibt es noch Gegenstände aus deiner Kindheit, die du bis heute aufbewahrt hast?

„Ich habe immer noch ein paar Stofftiere, von denen ich mich einfach nicht trennen kann. Eines davon hat meine Oma genäht.“

5 Lieblingssongs von Carolin Kebekus:

Was hat dich früher tierisch genervt?

„Kratzige Strumpfhosen anziehen zum Beispiel. Und ich fand es ganz furchtbar, dass ich immer meinen Teller aufessen musste. Meine Oma und meine Uroma waren da wirklich streng. Irgendwann dachte ich mir nur noch: Es ist mir egal, wie wenig ihr im Krieg zu essen hattet – ich kann einfach nicht mehr!“

Die haben das gnadenlos durchgezogen?

„Es hieß immer: Du bleibst so lange sitzen, bis dein Teller leer gegessen ist. Horror! Heute macht man das zum Glück nicht mehr, denn das ist echt unmenschlich.“

Carolin Kebekus und Luke Mockridge beim Babysport:


Mit welchem Essen konnte man dich jagen?

„Eigentlich habe ich als Kind fast alles gerne gegessen. Es gab allerdings ein polnisches Gericht, das meine Oma immer gekocht hat. Das war so aufgequollener Buchweizen, über den weiße Soße gekippt wurde und der mit Kümmel gewürzt wurde. Ganz schlimm!“

Hast du als Kind auch mal nicht jugendfreie Filme geschaut?

„Klar! Mein erster richtiger Horrorfilm war ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ nach dem Buch von Steven King, in dem Tote wieder zum Leben erwachen. Den habe ich bei einem Videoabend mit Freunden gesehen. Ich war da ungefähr zwölf Jahre alt, fand den furchtbar gruselig und konnte danach erst mal nächtelang nicht mehr schlafen. Meine Mutter war schwer genervt; Mitleid hatte sie aber null. Ihre Devise: Du willst keine Albträume? Dann darfst du sowas eben nicht schauen.“

Carolin Kebekus - Selfie
BESTENS gelaunt: Carolin Kebekus‘ Selfie

Welche Kindheitserinnerung ist für dich ganz besonders schön?

„Wir sind viele Jahre im Sommer immer für vier Wochen mit befreundeten Familien in die Bretagne gefahren. Da war so ein Strand mit ganz vielen Ferienhäusern – und sonst nichts. Kein Kiosk, keine Läden, keine Tankstelle. Erst fuhren wir ewig durch Pinienwälder und kamen dann irgendwann an diesem einsamen Strand an. Für uns Kinder war es der Knaller.“

„Wir konnten damals als Kinder stundenlang weg sein, ohne dass Mama und Papa gleich panisch wurden.“

Warum genau?

„Wir sind morgens nach dem Frühstück einfach raus und waren erst mal stundenlang weg. Wir sind herumgestreunt, haben am Strand Sandburgen gebaut oder sind auf die Felsen geklettert und sind dabei auch mal runtergefallen. Wir tollten im Meer herum und mussten manchmal gegen starke Strömungen zurück an Land schwimmen. Heute denke ich: Unsere Eltern haben uns da fast dem Tod überlassen. (lacht) Wir konnten damals als Kinder stundenlang weg sein, ohne dass Mama und Papa gleich panisch wurden und wie heute jede Stunde ein Lebenszeichen per Smartphone erwarten. Diese Freiheit war toll.“

Gibt es Freunde aus Kindertagen, zu denen du bis heute den Kontakt gehalten hast?

„Ich habe tatsächlich das Glück, dass ich mit vielen meiner damaligen Freunde auch heute noch ganz eng bin. Wir sind uns aber alle auch bewusst, dass das etwas ganz besonders ist. Wir kümmern uns darum, dass wir uns auch nicht aus den Augen verlieren; haben sogar einen eigenen Karnevalsverein gegründet. Und es gibt feste Termine im Jahr, an denen wir uns treffen.“

Carolin Kebekus als Influencerin:


Welche zum Beispiel?

„Jedes Jahr am 23. Dezember – also kurz vor Heiligabend. Denn zu dieser Zeit sind fast alle, ganz egal wo sie auch heute wohnen, wieder zu Hause bei den Eltern in Köln. Dann steigt am Abend eine Riesenparty, die bis in die frühen Morgenstunden geht. Das ist immer super, hat aber natürlich auch einen entscheidenden Nachteil: Seit mehr als zwanzig Jahren sind wir am Heiligabend alle immer total verkatert und hundemüde.“

Kinder können zuweilen auch ganz schön grausam sein. Warst du auch mal so richtig fies?

„In der Schulzeit war ich auch immer wieder mal in Gruppen unterwegs, die auch mal aus vollster Überzeugung andere Kinder geärgert haben. Aber am schlimmsten habe ich ehrlich gesagt meinen vier Jahre jüngeren Bruder leiden lassen. Er war phasenweise schon sowas wie mein persönlicher Sklave. Es ist ein Wunder, dass ich ihn mit meiner Dominanz nicht nachhaltig traumatisiert habe.“ (lacht)

„Kinder sind von Grund auf tolerant. Vorurteile werden ihnen erst durch Familie oder Umfeld eingetrichtert.“

Was können wir von Kindern lernen?

„Kinder denken nicht in Schubladen oder in Klischees. Die verstehen es gar nicht, wenn jemand sagt: „Mit dir möchte ich nichts zu tun haben, weil du eine andere Hautfarbe hast!“ So ein Gedanke ist für Kinder völlig absurd. Sie sind eigentlich von Grund auf tolerant. Vorurteile werden ihnen erst durch die Familie oder das Umfeld eingetrichtert. Wobei es sicher auch ein paar Kinder gibt, die von Natur aus intolerant sind. Aus denen werden dann später riesige Arschlöcher.“

Auf welche Kindheitserinnerungen kannst du sehr gut verzichten?

„Abgesehen davon, dass ich wie gesagt immer alles aufessen musste, hatte ich unfassbare Angst vor Jesus.“

Warum?

„Mir wurde immer gesagt, dass er alles sieht und weiß. Stets hieß es, dass ich bestraft werde – und das Jesuskind weint, wenn ich Dinge falsch mache. Und dann der Jesus, der in der Kirche am Kreuz hängt und dem das Blut über das Gesicht läuft… Das fand ich schrecklich und es verging kaum eine Gelegenheit, bei der mir nicht mit Jesus Angst eingejagt wurde.“

Mit wem würdest du dich gerne mal auf eine Coke treffen?

„Mmh, schwierige Frage – ich habe nämlich schon so viele getroffen, die ich früher unbedingt kennenlernen wollte. Tommy Engel zum Beispiel war für mich immer so eine Riesen-Ikone. Und jetzt war ich sogar auf seinem 70. Geburtstag…“

Gibt es denn keine Hollywood-Stars, für die du schwärmst?

„George Clooney fand ich schon immer öde – und was Brad Pitt angeht: Jetzt wo er Single und endlich wieder zu haben ist, interessiert er mich auch nicht mehr.“

„Der kleine Drache Kokosnuss: Auf in den Dschungel“ kommt am 27. Dezember ins Kino.

Carolin Kebekus ist ab Januar 2019 auf Tournee. Alle Termine findest du hier.

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