SIE HAT AUFFALLEND GUTE LAUNE, lacht viel und wirkt an diesem Tag mit sich und der Welt komplett im Reinen. Den Grund liefert Alexandra Maria Lara, 40, dann vor Beginn des Interviews in Berlin selbst: Sie steht kurz vor einem zweiwöchigen Urlaub mit Ehemann Sam Riley und Sohn auf Ibiza. Eine ihrer Lieblingsinseln, wie sie sagt.

Seit ihrem Durchbruch im Hitler-Drama „Der Untergang“, das allein in Deutschland mehr als viereinhalb Millionen Besucher ins Kino lockte, zählt Alexandra Maria Lara zu den bekanntesten und meistbeschäftigten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie überzeugt sowohl in Dramen wie „Der Baader Meinhof Komplex“ als auch in Komödien wie „Der geilste Tag“. Auch in internationalen Produktionen ist die gebürtige Rumänin zu sehen. So in „Rush – Alles für den Sieg“ oder zuletzt 2017 in „Geostorm“ neben Gerard Butler. Privat ist sie seit zehn Jahren mit dem britischen Schauspieler Sam Riley verheiratet, den Lara 2007 bei den Dreharbeiten zum Film „Control“ kennenlernte. Heute lebt das Paar mit dem gemeinsamen Sohn in Berlin. In ihrem neuen Filmdrama „Und der Zukunft zugewandt“ spielt Alexandra Maria Lara eine zu Unrecht verurteilte deutsche Kommunistin, die nach vielen Jahren in einem sowjetischen Arbeitslager im Jahr 1952 zurück in die DDR kommt. Dort darf niemand von ihrer Vergangenheit erfahren.

Coca-Cola Classic, Coca-Cola light oder Coke Zero Sugar?

„Für mich bitte einen Cappuccino.“

„Und der Zukunft zugewandt“ ist ein sehr politischer Film. Wie oft regst du dich über den aktuellen Wahnsinn in der Weltpolitik auf?

„Mit der Geschwindigkeit und Menge, mit der viele verwirrende oder auch beängstigende News heute auf uns hereinprasseln, ist auf Dauer jeder Mensch überfordert. Das glaube ich zumindest. Ich persönlich brauche deshalb auch mal Tage, an denen ich gar keine Nachrichten schaue.“

Und wenn es dann doch passiert – was für Gedanken gehen durch deinen Kopf?

„Auch wenn das Weltgeschehen immer verrückter zu werden scheint, sollten wir nicht vor Angst erstarren. Ich glaube fest daran, dass jeder bei sich im Kleinen anfangen muss. In seiner unmittelbaren Nähe. Es ist wichtig, auf seine Mitmenschen zu achten und nicht nur auf sich selbst fokussiert zu sein.“

Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir auf einem Vulkan tanzen.

Bist du meist der Zukunft zugewandt oder auch mal melancholisch?

„Ich denke gerne über vergangene Zeiten nach, blicke aber auch immer nach vorne. Je älter ich werde, desto besser kenne ich mich und desto besser wird mein Verständnis für bestimmte Dinge. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, das Glück im Moment und im Alltag zu finden. Und dass ich manches in meinem Leben nicht immer beeinflussen kann. Eine Erkenntnis, die ich mir erst aneignen musste, denn grundsätzlich bin ich eine Frau, die ungern die Kontrolle abgibt (lacht). Diesen Wesenszug konnte ich mit den Jahren – gerade als junge Mama – aber immer besser ablegen.“

Stefan Kurt und Alexandra Maria Lara in „Und der Zukunft zugewandt“
SPRACHSLOS: Stefan Kurt und Alexandra Maria Lara in „Und der Zukunft zugewandt“

Steckt in dir eine Optimistin?

„Auf jeden Fall! Auch, wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass wir auf einem Vulkan tanzen, möchte ich nicht den Glauben daran verlieren, dass wir – gerade durch Zusammenhalt – doch noch das Ruder herumreißen werden. Ich habe kürzlich gelesen, dass Miley Cyrus keine Kinder in die Welt setzen möchte, weil sie befürchtet, dass sie aufgrund des Klimawandels im Verlauf ihres Lebens keine intakte Umwelt mehr vorfinden werden. Ich habe viel darüber nachgedacht und ich kann ihre Gedanken im Kern verstehen. Mein Herz sagt zu so einer Einstellung aber trotzdem nein.“

Warum?

„Weil uns Sorgen und Angst vor der Zukunft nicht lähmen sollten. Was hat es denn für einen Sinn, wenn wir alle nur noch wie paralysiert vor uns hinleben? Ich verdränge es nicht, dass wir große Probleme lösen müssen. Aber den grundsätzlichen Glauben an das Gute, an Menschlichkeit und die Kraft der Kinder, die mit Optimismus und Tatkraft ebenfalls alles zu einem Besseren wenden können, zu verlieren? Nein, das ist keine Option für mich.“

Dein Sohn ist inzwischen fünf Jahre alt. Ist er ein selbstbewusster Junge?

„Ja, er weiß ganz genau, was er will und was er nicht will. Und er kann so wunderbar Geschichten erzählen. Die Annahme, dass das Schauspiel-Gen ihm innewohnt, ist sehr naheliegend. (lacht) Gerade heute morgen gab es wieder so einen Moment, in dem Sam und ich uns angeschaut haben und grinsen mussten. Ben ist ein offenes, neugieriges und angstfreies Kind. Und wir lieben ihn über alles.“

Angstfrei ist einerseits toll. In einer Großstadt wie Berlin lauern aber überall besonders viele Gefahren…

„Keine Frage. Und natürlich können auch Sam und ich uns nicht von Sorgen freisprechen, wie wahrscheinlich alle Eltern. Trotzdem ist es ist nicht gut, wenn man die eigenen Ängste auf so ein kleines Wesen überträgt. Kinder brauchen in erster Linie Liebe und Eltern, die ihr Selbstvertrauen stärken.“

5 Lieblingssongs von Alexandra Maria Lara:

Wenn du deinem Sohn nur einen guten Rat fürs Leben mitgeben könntest – welcher wäre das?

„Den gleichen Rat, den mein Papa immer für mich hatte: Du darfst niemals den Humor verlieren! Obwohl es mir natürlich nicht immer gelingt, ist das ein Gedanke, der mich stets begleitet.“

Vor ein paar Monaten ist dein Vater im Alter von 82 Jahren gestorben. Kam sein Tod für dich überraschend?

„Obwohl es sich leider angedeutet hat, ist das etwas worauf man sich nicht vorbereiten kann. Es übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Auch wenn es heißt, dass die Zeit alle Wunden heilt, wird sich daran, wie sehr er mir fehlt, nie etwas ändern.“

Was mein Papa und ich hatten, war etwas ganz Besonderes. Ich habe ihn sehr geliebt und verehrt.

Wie eng war die Beziehung zu deinem Vater?

„Was mein Papa und ich hatten, war etwas ganz Besonderes. Ich habe ihn sehr geliebt und verehrt. Und das wird auch immer so bleiben, denn er war ein wirklich einzigartiger Mann. Dass ich ihn 40 Jahre an meiner Seite hatte, erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit.“

Alexandra Maria Lara in „Und der Zukunft gewandt“
ANTONIA BERGER (Alexandra Maria Lara) kommt 1952, nach Jahren in einem sowjetischen Lager, in die junge DDR…

Wie gehst du heute mit dem Verlust um?

„Es ist eine sehr schmerzliche Erfahrung. Trotzdem will ich an ihn mit einem großen Lächeln denken. Er hatte ein erfülltes Leben und er hat anderen Menschen so viel gegeben. Da gab es keinen Augenblick Langeweile. Dieses Wissen gibt mir Kraft.“

Welchen Tag deines Lebens möchtest du gerne noch einmal wiederholen?

„Auf jeden Fall den Tag meiner Hochzeit! Sam und ich haben gerade unseren zehnten Hochzeitstag gefeiert und deshalb sind die Erinnerungen noch präsenter als sonst. Es war einer der Tage im Leben, an denen das Glück vollkommen ist, wie auch der Tag an dem unser Sohn geboren wurde.“

Alexandra Maria Lara in „Und der Zukunft zugewandt“
…und soll über ihre Gefangenschaft schweigen.

Und gibt es einen Tag, an dem du dich heute anders verhalten würdest als beispielsweise vor 20 Jahren?

„Ich habe in meinem Leben natürlich auch Fehler gemacht, aber an einem Tag anders verhalten? Nein! Wenn ich zurückblicke, dann fühlt sich im Großen und Ganzen alles gut und richtig an. Kurz: Ich bereue nichts! Und das sagen zu können, ist ein riesiges Geschenk, für das ich nicht dankbarer sein könnte.“

Mit wem würdest du dich gerne mal auf eine Coke treffen?

„Mit Quentin Tarantino, weil er neun fantastische Filme gedreht hat und wahrscheinlich mehr über Filme weiß als jeder andere.“

„Und der Zukunft zugewandt“ läuft ab 5. September im Kino.

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