„Liebe Gäste, herzlich Willkommen an Bord. Wir wünschen Ihnen einen wunderbaren Aufenthalt bei uns.“ Die Stimme des Kapitäns erklingt durch die Lautsprecher an Deck.

Tony Maier setzt seinen Rucksack ab, sieben Kilo schwer und randvoll mit Werkzeug. Er kramt nach einem Schraubenschlüssel, wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Heiß hier.

Tony Maier arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: auf Kreuzfahrtschiffen. Im Anlagenraum tief im Inneren des Schiffs ist es ein bisschen wärmer und ein bisschen enger als oben an Deck. Hier liegt die Basis der Getränkeversorgung, von hier aus fließen Coca-Cola, Sprite oder Fuze Tea in die Bars und Restaurants an Deck. Dutzende solcher Technikräume gibt es an Bord der „Mein Schiff 5“, die zur Flotte von TUI Cruises gehört.

Tony Maier
NACHTSCHICHT: Tony arbeitet meist dann, wenn keine Gäste in den Bars und Restaurants sind

Noch liegt der knapp 300 Meter lange Riese im Hamburger Cruise Center, das Boarding der Gäste hat gerade begonnen. Heute Abend wird es um 18 Uhr auslaufen und seine Reise gen Norden antreten. Dänemark, Norwegen und die Hurtigruten stehen auf dem Programm.

Tony hält zwei Finger in den Kühlwassertank eines Getränkeautomaten und schüttelt den Kopf. „Zu warm“, sagt er, „da muss der Motor defekt sein. So kommt die Coke nicht gut gekühlt aus dem Zapfhahn.“ Er lockert zwei Schrauben und entfernt das defekte Teil.

Am Ende jeder Reise bewertet der Gast auch die Qualität unserer Getränke. Ich sorge dafür, dass er immer zufrieden ist.

Seit rund fünf Jahren ist Tony Maier, 53 Jahre, ausschließlich auf der „Mein Schiff“-Flotte im Einsatz. Sieben, acht Reisen pro Jahr, Singapur, Kanaren, Ostsee – da kommen 80 Reisetage schnell zusammen. Während die Kreuzfahrturlauber sich von ihrem Arbeitsalltag erholen, reinigt Tony Getränkeanlagen, montiert Ersatzteile, probiert immer wieder mal einen frisch gezapften Schluck Coke. Denn die einwandfreie Qualität der Getränke – das ist seine Visitenkarte. Dafür arbeitet Tony meist nachts, wenn die Gäste schlafen und die Bars nicht besucht werden. „Ich bekomme ein Decktelefon und bin dann zwei Wochen lang 24 Stunden in Rufbereitschaft.“, erzählt Tony.

Tony Maier
HIGHTECH auf Hoher See: Wenn ein Ersatzteil nicht vorrätig ist, lässt Tony es in den nächsten Hafen schicken

Die Arbeit auf dem Schiff erfordert hohe Flexibilität. Das Zeitfenster für Reparaturen ist manchmal sehr eng, und nicht immer sind – trotz gründlicher Vorbereitung – alle Ersatzteile vorrätig. Dann bestellt Tony das Teil im Zentrallager und lässt es in den nächsten Hafen schicken.

Nahaufnahme - Tony Maier, Automatentechniker
IN DUBAI kam Tony nachts um 2 Uhr in seiner Kabine an. Da lag schon einer im Bett: Tony hatte die Zeitumstellung nicht bedacht. Seitdem bucht er doppelt aufmerksam.

Wenn Tony sich nach einer Nachtschicht auf dem Sonnendeck ausruht oder an einem Landgang teilnimmt, könnte man meinen, er sei im Urlaub. Doch der Eindruck täuscht, die Arbeit auf dem Schiff ist herausfordernd. Schon einige Kollegen, die Tony bei einem Einsatz begleitet haben, wollten kein zweites Mal mitfahren. Oft läuft Tony 15.000 Schritte am Tag, zwölf, dreizehn Kilometer, Treppe rauf, Treppe runter, Treppe wieder rauf, über 14 Decks hinweg

„Mein Schiff 5“ in einem norwegischen Fjord
ZWISCHENSTOPP: „Mein Schiff 5“ in einem norwegischen Fjord

Die Wege sind lang auf dem Schiff. ‚Autobahn‘ nennt sich die Straße im Rumpf des Schiffs, auf der die meisten Waren befördert werden, sie ist 300 Meter lang. Rechts und links liegen die Kühlräume für die Lebensmittel: der Raum mit Milchprodukten, der Raum mit Obst und Gemüse, der Raum mit Bier und Erfrischungsgetränken. Eine schwimmende Kleinstadt, perfekt organisiert.

Ich hab abends im Bett gelegen und wusste nicht, warum meine Beine so brennen. Dann hab ich mir einen Schrittzähler besorgt – und danach wusste ich es.

Angefangen hat alles ganz anders: Als Elektromechaniker kommt Tony Maier 1996 zu Coca-Cola. Im Großraum Bremen betreut er Kunden aus der Gastronomie. Nach einigen Jahren denkt er über einen Jobwechsel nach, er war nie länger als drei Jahre bei einem Arbeitgeber. Doch dann hört er von der Einsatzmöglichkeit auf dem Schiff. Mit dem OK seines Werkstattleiters fährt er fortan immer häufiger aufs Meer. Den Bau der Mein Schiff 5 im finnischen Turkuu vor sechs Jahren hat er sogar mit begleitet.

Tonys Laufpensum eines Tages
SCHRITT für Schritt: Tonys Laufpensum eines Tages

„Mit einem normalen Kundenbesuch ist das nicht vergleichbar“, sagt er, „ich war dabei, als das Schiff gebaut wurde, habe unsere Anlagen installiert und in Betrieb genommen. Und jetzt fahre ich mit ihm um die Welt – da hat man schon eine besondere Beziehung.“

Nahaufnahme - Tony Maier - Qualitätskontrolle
QUALITÄTSKONTROLLE: Geschmack entscheidet

Eine private Schiffsreise hat Tony übrigens noch nicht gemacht. Ob er das Leben auf See schon über hat? Keineswegs, sagt Tony Maier. Er hat seine Frau an Bord kennengelernt und dort wollen die beiden auch heiraten. Eine Kreuzfahrt „ist eine tolle Art zu reisen. Und zu arbeiten“, fügt er lächelnd hinzu.