Gewissensfragen vor dem Müllcontainer: Wie entsorge ich einen Briefumschlag mit Fenster? Darf der Deckel auf dem Gurkenglas bleiben? Hier erklärt ein Recycling-Experte, was wohin gehört.

Marco Bader
Recycling-Experte Marco Bader von Interseroh 
BEIM BRIEFUMSCHLAG schmunzelt Marco Bader. Er hat schon viele Fragen zum Thema Recycling beantwortet, doch dass jemand so detailversessen sein könnte, ein kleines Plastikfenster vom Papier zu trennen, überrascht selbst ihn. „Der Recyclingprozess ist auf solche Verbundmaterialien vorbereitet“, sagt der Leiter der Region Ost von Interseroh, einem Umweltdienstleister, der gemeinsam mit Coca-Cola das Zero Waste-Pilotprojekt „Alles hat einen Wert“ durchgeführt hat.

Am Coca-Cola Standort in Genshagen bei Berlin werden nun dank des Pilotprojekts 99 Prozent der Produktionsabfälle wiederverwertet, weitere Standorte sollen folgen. Ressourcen schonen – das gelingt Coca-Cola auch durch den Einsatz von Recyclingmaterial oder das umfangreiche Einweg- und Mehrwegsystem.

Doch wie können wir im Alltag optimal recyceln? Wie also geht das wirklich mit dem Briefumschlag? Wohin mit dem Teebeutel? Und muss ich den Deckel vom Gurkenglas trennen? 13 Tipps von Marco Bader.

Muss man alles spülen, bevor es in die Tonne geht? Nicht nötig.

1. Wie recycle ich einen Briefumschlag mit Fenster?

„Einfach ins Altpapier “, sagt der Experte, „im Recyclingverfahren wird aus dem Briefumschlag ein Zellulosebrei, aus dem die Fasern zurückgewonnen werden und aus dem auch ein Kunststoff-Fenster herausgefiltert werden kann.“

2. Und das Plastik aus der Kleenex-Box

Der Briefumschlag ist nur ein Beispiel für solche Verbundmaterialien, bei denen Papier am Plastik klebt – wie sieht es bei anderen Stücken aus, etwa der Brötchentüte, der Strumpfhosenverpackung oder der Kleenex-Box? „Wenn es ohne größeren Aufwand händisch trennbar ist, ist es durchaus sinnvoll, das Plastik herauszulösen und in die gelbe Tonne zu werfen – oder in die Wertstofftonne, die es in manchen Städten und Landkreisen gibt“, sagt Bader.

Recycling-Tipps für den Alltag - Gurkenglas

3. Das Gurkenglas: Deckel runter oder nicht?

Ein Klassiker: Das leere Gurkenglas soll in den Container, auf dem Weg dahin sollen möglichst keine Essigreste in meinen Korb schwappen – darf ich den Deckel drauf lassen? „Auf jeden Fall“, sagt Marco Bader, „die meisten Gläser gehen sowieso auf dem Weg zur Wiederverwertung durch das mehrfache Umfüllen kaputt. Und in den Glassortieranlagen holt dann ein Magnet den Metalldeckel aus den Glasabfällen. Wichtig für ein gutes Recycling ist aber, auf die richtige Farbtrennung des Glases zu achten.“ 

Recycling-Tipps für den Alltag - Taschentuch

4. Alles Papier oder was? Das Taschentuch.

So ein Küchen- oder Taschentuch besteht aus Papier. Könnte man doch eigentlich in die blaue Tonne...? Nicht nur aus hygienischen Gründen sagt der Recyclingexperte hier: „Klar in den Restmüll! Solche Produkte sind chemisch behandelt und nassfest, das führt zu Problemen im Altpapier – gar nicht zu sprechen von den Rückständen, die durch die Benutzung entstehen.“ 

Recycling-Tipps für den Alltag - Teebeutel

5. Ein komplizierter Fall: Wohin kommt der Teebeutel?

Gute Frage, sagt Marco Bader. Und entscheidet sich dann angesichts der Mengenverhältnisse für den Biomüll. „Diese Abfälle kommen dann entweder in eine Biogas-Anlage oder werden verrottet. In beiden Fällen werden Stoffe ausgesondert, die sich nicht richtig zersetzen – so zum Beispiel der Faden. Man könnte natürlich vorher noch das Papier davon abziehen, unbedingt nötig ist das aber nicht.“ 

Wie recycle ich einen Teebeutel? Der Experte sagt: Ab damit in den Biomüll!

Recycling-Tipps für den Alltag - Kassette

6. Längst alles digital – doch alte Kassetten sind gefährlich.

Im Keller stapeln sich die alten VHS- und Musik-Kassetten. So viel Plastik – das ist doch perfekt für die Wertstofftonne, oder? „Bloß nicht! Die Bänder aus den Kassetten wickeln sich in der Sortieranlage um die Rollen und müssen dann mühsam wieder gelöst werden. Kassetten mit Magnetbändern gehören daher in den Restmüll.“

Recycling-Tipps für den Alltag - Korken

7. Wir lassen die Korken knallen! Und wenn die Flasche leer ist?

Nach der Party kommt das Recycling. Die Sektflasche darf ins Altglas, doch was mache ich mit dem Korken? „Es gibt extra Sammelstellen, die Korken zurücknehmen, denn sie sind ein wertvoller Rohstoff. Wenn es echter Kork ist, darf er aber auch in die Biotonne, Korken aus Plastik sollten in die Gelbe Tonne.“ 

Recycling-Tipps für den Alltag - Haarspraydose

8. Wie gefährlich ist mein Haarspray?

Das Haarspray ist noch halb voll, doch die Düse ist kaputt. Kann ich die Flasche trotzdem in die Wertstofftonne werfen – oder gefährde ich damit den Recyclingprozess? „Bitte nicht in die Gelbe Tonne! Wenn die Flasche nicht ganz leer ist, kann es im Sortierprozess zu Verpuffungen kommen – es besteht Brandgefahr. Besser auf den Wertstoffhof oder zu einem Schadstoffmobil bringen.“

9. Ausgerührt – ist ein Holzlöffel Biomüll?

Er ist aus Holz, er ist unbehandelt, ist er dann nicht Biomüll? „Nein, der Verrottungsprozess von Holz ist viel zu lang für Biomüll, daher müsste der Holzlöffel eigentlich in den Restmüll. In manchen Landkreisen sind Wertstofftonnen aber auch für Holz freigegeben – einfach mal nachschauen!“ 

Recycling-Tipps für den Alltag - Spiegel

10. Spieglein, Spieglein, bist du fürs Altglas?

Spiegel bestehen zwar hauptsächlich aus Glas, in einem Glascontainer haben sie aber trotzdem nichts zu suchen: „Die Beschichtung des Spiegels stört den Recyclingprozess.“

11. Zuerst die Fische retten

Der Glascontainer geht auch leer aus, wenn das Aquarium kaputtgegangen ist. „Das besteht aus einem anderen Glas als zum Beispiel die Konserve und kann daher nicht über den gleichen Prozess recycelt werden“, sagt Bader, „es gibt übrigens noch viele andere Glasarten, die im Glascontainer nichts zu suchen haben – so zum Beispiel Fenster- oder Autoglas. Autoglas etwa kann direkt beim Austausch der Scheibe von der Werkstatt entsorgt bzw. an einen Verwertungsbetrieb übergeben werden.“

12. Der Joghurtbecher: kleiner Aufwand, große Wirkung

Marco Bader macht uns Mülltrennen so einfach wie möglich. Wenn wir ein bisschen Extra-Aufwand nicht scheuen, sagt er aber auch: „Es ist sinnvoll, den Aludeckel vom Joghurtbecher zu lösen. Sonst landet entweder das Metall im Plastikmüll oder umgekehrt – und ist dann jeweils fürs Recycling verloren.“ Dennoch: Deckel und Becher gehören beide in die Gelbe Tonne, in der Sortieranlage allerdings müssen sie sich dann endgültig voneinander verabschieden.

13. Wie ist es mit der Sauberkeit?

Apropos Joghurtbecher: Mit der Sauberkeit sollte man es auf keinen Fall übertreiben, auch im Sinne wertvoller Ressourcen. „Nicht ausspülen! Im Recyclingprozess wird der Kunststoff sowieso gereinigt.“