Nebenan wohnt ein Waschbär? Gar nicht so unwahrscheinlich in Berlin. Denn die Hauptstädter teilen ihren Lebensraum nicht nur mit Meisen und Stockenten. Zu den Wildtieren in Berlin zählen auch viele größere Arten wie Füchse, Wildschweine oder eben auch Waschbären. Mitunter sind wir den Wildtieren auch in der Stadt viel näher, als uns bewusst ist.

Wildtiere in der Stadt

„Oft bemerken Passanten gar nicht, dass sich in ihrer unmittelbaren Umgebung gerade ein Wildtier herumtreibt“, sagt Derk Ehlert, Wildtierreferent des Berliner Senats, „so habe ich am Alexanderplatz schon beobachtet, wie ein Wanderfalke seine Beute reißt – und kaum jemand bekommt es mit.“ Zu sehen seien die wilden Tiere überall im Stadtgebiet, in der repräsentativen Mitte ebenso wie in den ruhigen Randgebieten. Man muss nur aufmerksam sein. „Dann kann es zum Beispiel schon mal passieren, dass man einen Fuchs sieht, der durch den Garten des Bundeskanzleramtes streunt“, sagt Ehlert. Solche Begegnungen überraschen ihn schon lange nicht mehr. Seit zehn Jahren ist Ehlert in der Hauptstadt als Wildtierbeauftragter unterwegs, in dieser Zeit ist er schon unzähligen Wildtieren begegnet. Nur einmal hat sich auch der Experte gewundert: Da ging es um einen Serval, eine afrikanische Raubkatze. „Das Tier wurde in Berlin gesichtet und war wahrscheinlich einem privaten Halter entlaufen. Offiziell wurde es aber nie als vermisst gemeldet“, erzählt er, „anderthalb Jahre später haben wir dann einen Serval erwischt und dachten natürlich: Das ist er. Doch wir mussten feststellen: Es war ein anderer, ein weiterer Serval.“

Vielfalt der Arten

Servale sind nicht in Berlin heimische Wildtiere, viele andere hingegen schon. Sie finden hier vielfältige Lebensräume, die ihnen ebenso gefallen wie anderen überzeugten Städtern. „Es gibt eine riesengroße Bandbreite von Arten in der Stadt“, erklärt Derk Ehlert, „in Berlin gibt es etwa 20.000 Tier- und Pflanzenarten, damit sind wir Spitzenreiter in Europa.“ Wie attraktiv der Berliner Lebensraum etwa für Wildschweine ist, zeigt sich auch am großen Bestand der Tiere. „Wir schätzen die Gesamtzahl der Wildschweine im Stadtgebiet derzeit auf etwa 3.000 Tiere“, sagt Ehlert.

Zu den Wildtieren gehören Juchtenkäfer und Hummeln, Mauersegler und Falken ebenso wie Igel und Maulwürfe oder eben auch Wildkaninchen, Steinmarder oder Waschbären. Von deren Anpassungsfähigkeit ist der Wildtierbeaufragte besonders fasziniert. „Waschbären teilen sich den Lebensraum gerne mit Katzen“, sagt er, „sie schaffen es ohne große Probleme, mit ihren Pfoten Katzenklappen zu öffnen und sogar sensorgesteuerte Katzenklappen auszutricksen. Und dann holen sie sich das Essen der Stubentiger. Deshalb empfehlen wir, Katzenklappen nach Möglichkeit zu schließen.“

Wildtiere in der Stadt

Ruhe bewahren, Abstand halten

Wie man sich im Umgang mit Wildtieren verhalten soll, wird Derk Ehlert oft gefragt. Der Experte nennt klare Verhaltensregeln. Respekt vor dem Wildtier sei von großer Bedeutung. „Es ist zudem wichtig, dass man bei der Begegnung mit einem Wildtier die Ruhe bewahrt und nicht hektisch wird“, sagt er, „man muss ihm genug Raum lassen und darf es nicht in die Ecke drängen. Außerdem darf man die Tiere keinesfalls anfassen oder füttern.“ Das gilt übrigens auch für Enten und Schwäne, ein beliebtes Fütterungsziel vieler Großstädter. Sie sollten selbst in kalten Wintern nicht mit Nahrung versorgt werden. „Erst recht nicht mit Brot“, betont der Wildtierexperte. Einzige Ausnahme von der Nicht-füttern-Regel sind Singvögel.

Im Einsatz in Berlin

Bürger, die in der Hauptstadt mit einem Wildtier konfrontiert sind und nicht wissen, was zu tun ist, können sich beim Wildtiertelefon des NABU melden. In komplizierten Fällen schaut dann vielleicht sogar Derk Ehlert vorbei. „Meine Aufgabe ist vor allem die Information und Aufklärung über Wildtiere, aber mitunter komme ich natürlich auch vor Ort zum Einsatz.“ Wenn ein Wildschwein im Spiel ist, könnte es übrigens ein alter Bekannter des Wildtierbeauftragten sein. „Es gibt viele Merkmale, an denen man ein Wildschwein identifizieren kann – so etwa an der Musterung des Fells, Verletzungen, Besonderheiten im Gesicht“, erzählt er, „viele Berliner Wildschweine kenne ich schon – und treffe sie auch immer mal wieder.“