Sol Daurella, Chairman der Coca-Cola European Partners, zur Entstehung des weltweit größten unabhängigen Coke-Bottlers. 

LONDON – Am 28. Mai 2016 erfolgte der Zusammenschluss von Coca-Cola Enterprises (CCE), Coca-Cola Iberian Partners (CCIP) und Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH (CCEG) zum weltweit größten unabhängigen Coca-Cola-Bottler.

Die Coca-Cola European Partners ist in einem Markt mit mehr als 300 Millionen Verbrauchern in 13 Ländern in Westeuropa tätig, einschließlich der vier größten Märkte für alkoholfreie Getränke der Region: Deutschland, Spanien, Großbritannien und Frankreich. Dieser Meilenstein führt die sich ergänzenden Stärken und lokalen Handelsbeziehungen der drei Partner-Bottler zusammen, um mithilfe einer Produktions- und Vertriebsplattform auf höchstem internationalen Niveau die Wettbewerbsposition des Coca-Cola-Systems über mehrere Getränkekategorien hinweg wirkungsvoll zu verbessern.  

Das Unternehmen mit Sitz in London, dessen Aktien nun an der Euronext Amsterdam, der Euronext London, der New York Stock Exchange und den spanischen Börsen gehandelt werden, beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter.

Wir haben in der vergangenen Woche mit Sol Daurella, Chairman von Coca-Cola European Partners, gesprochen, um mehr über das neue Coca-Cola Abfüllunternehmen zu erfahren sowie über die Auswirkungen nicht nur auf das Coca-Cola-System, sondern auch auf die Handelspartner und Verbraucher in ganz Westeuropa. Frau Daurella führt als Chairman den größten Anteilseigner von Coca-Cola European Partners, die Coca-Cola Iberian Partners in der dritten Generation.

Der Zusammenschluss zu Coca-Cola European Partners ist nun erfolgreich vollzogen worden. Wie fühlen Sie und Ihr Team sich?

"Wir freuen uns sehr über diesen Zusammenschluss, den wir als Wachstumschance für das Coca-Cola-System betrachten. Die Kategorie der alkoholfreien Getränke ist in Westeuropa groß, dynamisch und wachsend. Mit dem neuen Unternehmen starten wir in der Region, gemessen am Umsatz, mit einen Marktanteil von nur 29 %. Hier sehen wir großen Spielraum. Wir haben 4.000 Verkaufsberater, die jedes Jahr mehr als zwölf Millionen Kundenbesuche machen. Dies ist eine großartige Basis, um mithilfe unserer lokalen Handelsbeziehungen zu wachsen. Und als größeres Unternehmen können wir Produktivitätsgewinne erzielen, die wir dann wieder zurück in unser Unternehmen investieren können."

2013 spielten Sie eine führende Rolle bei der Integration von acht Coca-Cola-Bottlern in Spanien und Portugal zur Gründung der Coca-Cola Iberian Partners. Welche Erfahrungen aus diesem Zusammenschluss können Sie bei Coca-Cola European Partners einbringen?

"Ich hatte das Glück, eine führende Rolle bei diesem Zusammenschluss zu spielen, der nicht nur unsere Rentabilität verbessert, sondern auch das Coca-Cola-System auf der Iberischen Halbinsel zurück auf Wachstumskurs geführt hat. Aufgrund unserer Erfolge der letzten Jahre sind wir zuversichtlich, dass wir gleiche Ergebnisse in ganz Westeuropa erzielen können. Die Integration in Spanien und Portugal war anders, weil es viel größere Überschneidungen und Überkapazitäten gab. Im Falle der CCEP geht es eher um Größenvorteile. Aber natürlich gibt es auch viele wertvolle Erfahrungen, die wir auf unser Unternehmen übertragen und in unsere Arbeitsweise einbringen können. So wird unser Geschäftsführer für Integration bei der Coca-Cola Iberian Partners als Chief Integration Officer für die Coca-Cola European Partners tätig sein. Was Unternehmensführung und Strategie betrifft, sind wir bereit, durchzustarten. Nach der Ankündigung der Pläne für den Zusammenschluss im August 2015 haben wir einen Lenkungsausschuss für die Integration unter der Führung von James Quincey, Irial Finan, John Brock und mir eingesetzt. Wir haben uns in den vergangenen 280 Tagen mehr als 13 Mal getroffen, um uns auf den ersten Tag des neuen Unternehmens vorzubereiten. Zudem gibt es ein Managementbüro, in dem über 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die wichtigste Lehre der vergangenen Jahre war für mich, dass man einen einbeziehenden Ansatz verfolgen muss. Es ist erforderlich, dass sich jeder Mitarbeiter an dem neuen Unternehmen und den Plänen, die wir umsetzen möchten, beteiligt. Dabei ist es wichtig, einen Zusammenschluss auf Augenhöhe zu erreichen. So, wie wir ihn hier haben."

Sol Daurella
AUF WACHSTUMSKURS: Sol Daurella, Vorsitzende der Coca-Cola European Partners

Ihr Großvater begann 1951 als Coca-Cola Bottler in Spanien. Haben Sie Coca-Cola im Blut?

"Ja, das habe ich. Wir bringen mehr als 60 Jahre Erfahrung mit Coca-Cola in dieses Unternehmen ein. Wir sind mit der Leidenschaft für Coca-Cola aufgewachsen, wir haben nie etwas anderes gekannt. Ich habe die Leidenschaft von meinem Vater geerbt, der sie wiederum von seinem Vater übernommen hatte."

Welche sich ergänzenden Stärken bringen die drei Partner-Bottler in das Unternehmen ein?

"Der deutsche Bottler (CCEG) ist zum Beispiel führend, wenn es um die Zusammenarbeit mit Discountern geht. In Spanien sind wir aufgrund unserer Verkaufsberater besonders gut bei der Kooperation mit kleineren Kunden sowie in der wirtschaftlichen Herangehensweise. Und die CCE ist besonders effizient beim Supply Chain-Management. Wir wollen auf diesen bewährten Praktiken aufbauen und den Markt und unsere Kunden ab dem ersten Tag gemeinsam betreuen – das gilt sowohl für diejenigen, die Coke unmittelbar verkaufen als auch für diejenigen, die dabei unterstützend tätig sind."

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine derart bedeutende Bottler-Konsolidierung in Europa?

"Wir leben heute in einer ganz anderen Welt und in einem ganz anderen Europa. Im Laufe der Jahre hat das Coca-Cola-System ein starkes Netzwerk kleiner Bottler in Europa aufgebaut und war jahrelang damit erfolgreich. Deutschland hatte zeitweise mehr als 100 Bottler – in Spanien hingegen gab es um die 20. Als meine Familie 1951 eine Abfüll-Lizenz von Coca-Cola-erhielt, lag unser Vertragsgebiet zwischen den beiden Flüssen in Barcelona. Und wir haben nur Glas-Mehrwegflaschen verkauft. Seitdem ist das System sowohl in Bezug auf die Produktion als auch in Bezug auf den Vertrieb modernisiert worden und die Anzahl unserer Kunden hat sich erheblich erweitert. Vorher hatten wir nur kleine Tante-Emma-Läden als Kunden. Unsere Struktur ist immer noch in der Lage, kleine Kunden auf lokaler Ebene zu bedienen, aber wir haben inzwischen auch Großkunden, die wir europaweit betreuen müssen. Die Verbrauchertrends sind ebenfalls heute gesamteuropäisch zu sehen. Wir sind der Meinung, dass dieser Zusammenschluss großes Potential bietet, um unsere Kunden noch erfolgreicher – sowohl nach Vertriebskanal als auch nach Region – zu betreuen."

Wie wird Coca-Cola European Partners Innovationen in einem derart wichtigem Gebiet für das Coke-Geschäft vorantreiben?

"Die The Coca-Cola Company hat einen sehr guten Job bei der Einführung von Neuerungen bei Produkten, Süßungsmitteln, Maschinen und Anlagen sowie Verpackungen gemacht. Wir haben zahlreiche lokale Juwelen, die von den lokalen Bottlern gesteuert werden. Indem wir drei Bottler zusammenschließen, um ein solch großes Absatzgebiet zu bedienen, hoffen wir, dass wir Innovationen schneller in den Markt bringen können."

Wie können Sie mit der neuen Struktur Effizienz und Kosteneinsparungen operativ umsetzen?

"Wir erwarten zwischen 315 und 340 Millionen Euro an Synergien und Kostenersparnissen. Wir haben bereits erste gute Beispiele dafür gesehen, wie wir bewährte Konzepte innerhalb der Lieferkette und im Beschaffungswesen standardisieren können, wie etwa die Gewichtsreduzierung unserer 1,5 Liter PET-Flaschen oder die Optimierung der Umsetzung unseres Merchandisings in den Verkaufsstellen durch kleinere Produktpaletten."

Wir haben jetzt sehr viel über den Nutzen für den Kunden gesprochen. Aber was kann eigentlich der Konsument von Coca-Cola Getränken in Europa erwarten?

"Fürs Erste werden wir Produkte in Europa schneller und effektiver einführen, als wir das bisher als drei getrennte Bottler tun konnten. Die Verbraucher in Europa profiteren somit von einer größeren Auswahl führender Marken der The Coca-Cola Company, einschließlich eines breiteren Angebots von Getränken mit oder ohne Zucker."

Was sind Ihre ersten Prioritäten in den kommenden sechs Monaten?

"Wie bereits erwähnt, sind wir bereit, wir vom ersten Tag an durchzustarten. Unsere höchste Priorität ist die Minimierung von Störungen im täglichen Betrieb. Es gibt natürlich zahlreiche IT- und Finanzsysteme, die eine Integration dieses Umfangs hinter den Kulissen vorantreiben. Zahlreiche Mitarbeiter, die unsere Kundenbetreuer dabei unterstützen, Coke zu verkaufen, brauchen die richtigen Instrumente, damit sie ihre tägliche Arbeit besser verrichten können. Unser erstes Ziel ist es, unser Geschäft wie gewohnt fortzusetzen und einen nahtlosen Übergang für unsere Kunden und Verbraucher sicherzustellen. Darüber hinaus haben wir feste Pläne für die kommenden sechs Monate erstellt. Dank unserer Erfahrungen der letzten Jahre sind wir gut vorbereitet. Wir beteiligen und vernetzen Teams in unserer gesamten Organisation – über alle Funktionen und Länder hinweg – um die Rentabilität zu steigern und bewährte Erfahrungen auszutauschen. Damit fördern wir Reinvestitionen und erreichen letzten Endes das Wachstum, das wir anstreben. Wir beginnen etwas, von dem wir wissen, dass es ein faszinierenden Kapitel im Coca-Cola-System sein wird."