Er ist cool, knuffig und ein echter Sympathieträger: der Polarbär von Coca-Cola. In diesem Winter ist er in Kino und Fernsehen und auf verschiedenen Social Channels wieder allgegenwärtig. Der erste animierte Eisbär tollte vor mehr als zwanzig Jahren durch die Coke Werbung. Ein guter Grund, sich zu erinnern.

Polar Bear

Genau genommen ist der Eisbär als Werbefigur schon ein erfahrener, älterer Herr. 1922 erblickte er in Frankreich das Licht der Welt, er wäre also heute 93 Jahre alt. Bis in die 70er tauchte er immer wieder in der Printwerbung auf. Seine erste Fernsehrolle bekam er aber erst 1993 im Rahmen der weltweit ausgestrahlten „Always Coca-Cola“-Kampagne. Erfunden hat den Werbefilm mit dem Titel „Nordlicht“ Ken Steward, der sich beim Anblick seines Labrador-Retriever-Welpen immer an einen kleinen Eisbären erinnert fühlte. In diesem ersten Werbefilm sitzt eine Eisbärenfamilie zusammen, schaut sich das Nordlicht an und trinkt dazu eine eisgekühlte Coke. 


Vom Foto zum Bewegtbild

Ken Steward holte damals die Rhythm & Hues Studios aus Los Angeles ins Boot, ein Studio für visuelle Spezialeffekte. Für den neuen Werbefilm sollten wirklich alle computergrafischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die damals dem State of the Art entsprachen. Auf der Basis von Szenenbüchern fertigten Steward und die Creative Artists Agency von Rhythm & Hues die ersten Skizzen des Bären an. Danach wurde erst einmal ferngesehen. In Filmen über Eisbären studierte das Team, wie die Tiere sich in der freien Natur bewegen.

Slide show:Der Coca-Cola Polarbär


Die Polarbären wurden sofort zum Publikumsliebling. Deshalb bekamen sie gleich 1994 den nächsten Fernsehauftritt, in einem Olympia-Spot. Die Bärenkinder, die heute in der Werbung im Vordergrund stehen, kamen wenig später zum ersten Mal in einem Ferien-Spot vor.

Ein Grafiker erinnert sich

Todd Shifflett ist inzwischen für einige sehr erfolgreiche Filme wie „Snow White and the Huntsman“, „Happy Feet“ oder „Ein Schweinchen namens Babe“ verantwortlich. Shifflett war als Grafiker gerade neu ins Team gekommen, als die Studios „Nordlicht“ umsetzten. Wir haben ihn nach seinen Erinnerungen gefragt.

Computergrafik funktionierte im Jahr 1993 noch ganz anders als heute. Können Sie uns erklären, mit welchen Herausforderungen Sie damals zu tun hatten um dem Polarbären auf dem Bildschirm Leben einzuhauchen?

Polar Bear

Wenn wir uns heute die Werbung von damals ansehen, ist es wirklich komisch sich vorzustellen, dass sie seinerzeit so wegweisend war. Seit dem hat sich so vieles verändert. Alleine die Prozessorleistung der Computer, die wir damals benutzten, entsprach einem Bruchteil der heutigen. Selbst unsere leistungsstärksten Rechner waren kaum in der Lage, alle Formen zu erfassen. Wir brauchten also mehrere technische Tricks, um dahin zu kommen, dass die Bären zum Beispiel behaart aussahen obwohl wir nicht in der Lage waren, ihnen ein Fell anzuziehen. Wenn wir uns heute ansehen, wie sich das Aussehen der Bären im Laufe der Jahre verändert hat, bekommen wir einen Eindruck davon, wie stark die Technologie sich seitdem weiterentwickelt hat.


Haben Sie irgendwelche besonderen Erinnerungen an das Projekt?


Oh ja. Ich erinnere mich vor allem an einen Speicherzwischenfall. Als wir „Nordlicht“ produzierten, gab es natürlich noch keine Clouds. Wir mussten alles noch in einem Maschinenraum auf Magnetbändern speichern. Das war wahnsinnig arbeitsintensiv und dauerte stundenlang. Keiner von uns bekam in dieser Phase viel Schlaf. Weil ich der Neue im Team war, hatte ich oft Nachtschichten. Eines Nachts arbeitete ich an einem Computer und gab rein zufällig eine Tastenkombination ein, die das gesamte Projekt vom Band löschte. Ich war sofort panisch, weil ich dachte, ich hätte alles zerstört. Ich rannte durch alle Räume, bis ich endlich jemanden fand, dem ich meinen Fehler gestehen konnte. Zusammen haben wir es dann geschafft, das Backup wieder herzustellen.

Coca-Cola Historie - Teaser

Haben die Animationstechniken, die in „Nordlicht“ zum Einsatz kamen, weitere Projekte von Rhythm & Hues beeinflusst?

Einige der Techniken, die wir in weiteren Werbefilmen genutzt haben, waren bei der Arbeit am Eisbärenfilm entstanden. Die Tricks, die wir nutzten um die Bären fluffig aussehen zu lassen, nutzten wir wieder, als wir 1995 „Ein Schweinchen namens Babe“ umsetzten. Da standen wir vor ähnlichen Voraussetzungen, weil wir lebensechte Tiere zeigten und ihnen andere Schnauzen aufsetzen mussten.

Für mich war der Polarbärenfilm ein wichtiger Schritt in meiner beruflichen Entwicklung, schon weil ich so sehr früh mit den besten Leuten der Branche zusammenarbeiten konnte. Von ihnen habe ich viel gelernt. Ich war in der glücklichen Situation, von Anfang an bei der Entwicklung dabei zu sein. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, wie wir manche Probleme lösen würden und was technisch überhaupt möglich war. Das war eine sehr aufregende Zeit. Es ist schön zu wissen, dass es Leute gibt, die auf diesen Film zurückblicken und ihn als ein Dokument computergrafischer Zeitgeschichte verstehen.

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