Weißer Spitzkragen, braune Scheitelfrisur – äußerlich wirkt der Apotheker Pemberton unauffällig und ein wenig brav. Der Eindruck täuscht. Hinter der biederen Fassade steckt ein visionärer Kopf. Am 8. Mai 1886 mixt der Apotheker aus Atlanta in seinem dreibeinigen Messingkessel eine Rezeptur zusammen, die Geschichte schreibt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Pemberton noch nicht, dass er den Grundstein für eine Weltmarke gelegt hat: Coca-Cola.

Soda-Bars schenken immer mehr Coca-Cola aus

Schon seit längerer Zeit hatte Pemberton nach einem Sirup geforscht, der Kopfschmerzen und Müdigkeit vertreibt. Leider ist der Sirup selbst ziemlich ungenießbar. Doch dann mixt Pemberton den neuen Sirup mit Sodawasser - und fertig ist ein Erfrischungsgetränk, das in so genannten Sodabars schnell reißenden Absatz findet.

Die Soda-Bars sind für feinere Amerikaner zum Ende des 19. Jahrhunderts das, was den Wienern ihre Kaffeehäuser sind. Hier treffen sie sich mit Bekannten, Nachbarn und Freunden und tauschen sich über den neuesten Klatsch aus. Ob im Kaffeehaus oder in der Sodabar: zum Klatsch gehört auch, etwas zu trinken. Natürlich ist das hier keine Wiener Melange, sondern eines der vielen Sodas. Diese werden frisch gemixt oder gezapft und mit sprudelnder Kohlensäure verabreicht.

Die Coke in Flaschen geht um die Welt

Zum Sommer des Jahres 1886 fragen immer mehr Kunden nach diesem Getränk, das lecker schmeckt, gut tut und neuerdings für fünf Cent pro Glas zu haben ist. Den Namen für das neue Modegetränk erfand übrigens Pembertons Buchhalter Frank M. Robinson – und den heute legendären rot-weißen Schriftzug gleich dazu. Eine unverwechselbare Marke ist geboren.

Nun beginnt ein kometenhafter Aufstieg. Im Jahr 1888 verkauft Pemberton alle Rechte an den Unternehmer Asa G. Candler. Vier Jahre später entsteht die „The Coca-Cola Company“ in Atlanta. Als Coke zum ersten Mal in Flaschen ausgeliefert wird, verbreitet sich die beliebte braune Brause noch schneller. Ein weiterer Coup: Candler vergibt Abfüll-Lizenzen an selbstständige Konzessionäre, die den Verkauf weiter anfachen.

Clark Gable, Greta Garbo und John F. Kennedy

Während der Prohibition avanciert Coke zu Everybody’s Darling. Prominente wie Clark Gable oder Greta Garbo geben der Marke ein Gesicht. Ab 1929 ist Coca-Cola auch in Deutschland zu haben. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg produzieren 50 Fabriken rund 4,5 Millionen Kisten im Jahr. Coca-Cola hat sich als Weltmarke etabliert.

Sogar der amerikanische Präsident John F. Kennedy bekennt sich in den 60er Jahren und sagt: „Ja, ich trinke gerne Coca-Cola“. Wo Geschichte geschrieben wird, hat auch Coca-Cola historische Momente. Als der Eiserne Vorhang fällt, gewinnt Coca-Cola unzählige Fans hinzu. Bis heute steigt ihre Anzahl mit jedem Jahr. Coca-Cola bringt es laut Geschäftsbericht im Jahr 2011 auf einen Umsatz von rund 46,5 Milliarden US-Dollar.

Das kleine Wunder, das in Atlanta begann, begeistert die Menschen inzwischen in über 200 Ländern der Welt - und wird überall nach der gleichen Rezeptur hergestellt. John Stith Pemberton wäre stolz darauf. Denn seine geheime Formel von 1886 lebt bis heute. Nach wie vor enthält Coca-Cola nur natürliche Aromen und keine zugesetzten Konservierungsstoffe.


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