Seien wir ehrlich: Der Mensch neigt zur Unzufriedenheit. Kaum haben wir etwas, wollen wir schon wieder etwas anderes, neues. Oder mehr. Ein ständiges Streben nach dem, was fehlt – statt uns über das zu freuen, was ist. Das Glück, es ist uns dabei immer einen Schritt voraus. Schade.

Schuld daran ist auch ein bisschen die Evolution. Von Kindesbeinen an streben wir danach, uns zu entwickeln, wir wollen wachsen – nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Allerlei Ambitionen haben hier ihren Ursprung, der Fortschritt ebenso. Unzufriedenheit ist damit ein wichtiger Lebens- und Innovationsmotor, keine Frage. Das haben wir so sehr verinnerlicht, dass es uns ein Leben lang begleitet: im Job, in der Freizeit, beim Sport. Aber wie Paracelsus sagen würde: Die Dosis macht das Gift. 

Jochen Mai / Foto@Philippe Ramakers
Blogger Jochen Mai wird für Coca-Cola Journey zum Glückssucher

Zufriedenheit ist unabhängig von Geld oder Status

Das gelegentliche Hadern mit dem status quo ist ganz normal. Wer keine Träume mehr hat, kann auch nichts mehr erreichen; wer rastet, der rostet; Stillstand ist der Anfang vom Ende. Wissen Sie. Aber zu viel davon, und die Gesundheit und das Wohlbefinden gehen dauerhaft flöten. Das Leben - es wird zur ewigen Aufholjagd. Ein Weg ohne Ziel.

Wer wirklich glücklich werden will, kommt an innerer Zufriedenheit daher nicht vorbei. Und die ist zunächst einmal unabhängig von Status, Geld oder Umständen. Sie beginnt allein im Kopf, ist Einstellungssache, eine Attitüde wie sie der glückliche Hans schon im Märchen bewies. 

Sicher, wer zu wenig zum Leben hat, sich permanent ausgebeutet und ohnmächtig fühlt, dem dürfte es schwer fallen, innere Zufriedenheit zu entwickeln. Schon Mitte der Vierzigerjahre entwickelte der Verhaltensforscher und Vater der humanistischen Schule, Abraham Maslow, seine sogenannte Bedürfnispyramide. Danach müssen die sogenannten Defizitbedürfnisse (Essen, Schlafen, Sich Fortpflanzen) befriedigt sein, damit überhaupt so etwas wie Zufriedenheit aufkommen kann. Oder kurz: Erst wenn der Hunger gestillt ist, kann man sich gut fühlen.

Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass es nicht allzu viel braucht, um diese Bedürfnisse zu stillen. Ein Narr, wer meint, das neue Smartphone, die wahnsinnig schicken High Heels, der ausgedehnte Luxus-Urlaub im polynesischen Postkartenidyll oder die lang ersehnte Beförderung würden glücklicher machen.

Vergleichen ist das Ende des Glücks

Der Glückssucher

Als ich vor einiger Zeit meine Leser fragte, was sie im Job zufriedener machen würde – ein hohes Gehalt, flexible Arbeitszeiten oder ein gutes Arbeitsklima – votierten zwei Drittel von 600 Befragten eindeutig für das Arbeitsklima. Kein noch so hohes Gehalt, kein Arbeitszeitmodell, keine Hierarchiestufe könne über Kollegen oder einen Chef aus der Hölle hinwegtrösten.

Stimmt. Das Interessante daran aber ist: Die meisten Menschen vergleichen die Höhe ihres Gehalts, den Anteil ihrer Macht, ihren "fancy Jobtitle", die Größe des Firmenwagens oder die Nähe des Parkplatzes zur Firmenpforte miteinander, aber kaum einer käme auf die Idee, das Klima in der Abteilung oder im privaten Umfeld gegenüber Statussymbolen und Einkommen abzuwägen oder daran die Jobzufriedenheit oder gar sein Glück festzumachen. Wir sagen es, leben es aber nicht.

Überhaupt dieses Vergleichen! "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit", sinnierte schon Søren Kierkegaard. Nicht wenige leben in der Illusion, wenn sie dies oder das hätten, was der Kollegen oder Nachbar hat (oder mehr), wären sie zufriedener. Zufriedenheit wird so zum Nullsummenspiel: Meine Zufriedenheit kann nur steigen, wenn die des anderen sinkt, denn dem geht es dann mindestens nicht mehr besser als mir. Ein Irrsinn im Wortsinn: Als sei Glück etwas Relatives. 

Offenbar wird dieser Kurzschluss an Sätzen, wie: "Wenn ich erst einmal 500 Euro mehr im Monat verdienen würde, dann würde mir mein Job wieder Spaß machen..." Quatsch! Wer seinen Job für 3000 Euro im Monat hasst, der liebt ihn auch nicht für 3500 Euro. Und wer nicht schätzen kann, was er (erreicht) hat, dem geht es mit mehr auch nicht besser. 

Der Schlüssel zur Zufriedenheit? Ansprüche senken!

Das Streben nach Glück / Zufriedenheit
Ein gutes Arbeitsklima macht zufriedener im Job

Genau darin liegt allerdings der Schlüssel zum Glück und zur inneren Zufriedenheit: Ansprüche senken und Dankbarkeit entwickeln. Wir selbst sind an der Stelle tatsächlich unseres Glückes eigener Schmied.

Als der Psychologe Willibald Ruch von der Universität Zürich vor einigen Jahren dazu forschte, teilte er Probanden in drei Gruppen ein: Während die eine Gruppe über einen Zeitraum von zehn Wochen Dankbarkeit trainierte, konzentrierte sich die andere Gruppe auf Eigenschaften wie den Sinn für das Schöne, Kreativität und Weitsicht. Die dritte Gruppe fungierte als Kontrollgruppe und hatte keinerlei Übungen zu absolvieren. Resultat: Wer Dankbarkeit in seinem Leben pflegte, zeichnete sich durch einen bedeutsamen Anstieg der Lebenszufriedenheit im Vergleich zu den anderen Gruppen aus.

Wer dagegen nur auf andere schielt, sich vergleicht und versucht, ihrem Erfolg oder Besitz nachzuhecheln, entwickelt zwar jede Menge Ehrgeiz, aber kaum Zufriedenheit.

ist Gründer und Herausgeber der Karrierebibel. Er berät Unternehmen in Sachen Content Strategie, Social Media Marketing und Corporate Blogs, doziert außerdem an der FH Köln und ist ein gefragter Keynote-Speaker. Auf Coca-Cola Journey verrät uns Jochen Mai monatlich seine Sicht auf spannende Aspekte des persönlichen Lebens.

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