Ein sonniger Tag, eine Dachterrasse in Downtown Manhattan. James Franco dreht den neuen Coke light Spot. Wir treffen ihn am Rande des Sets.
Dieses Lächeln. Es beginnt in den Augen. Schelmisch, jungenhaft. Dann kommt es wie ein Sonnenaufgang über die Mundwinkel und strahlt über das ganze Gesicht. Im Jahrbuch seiner High School wählten ihn seine Klassenkameraden zum „Jungen mit dem schönsten Lächeln“. Trotz Zahnspange.
Heute gilt James Franco als einer der coolsten Typen des Planeten. Einer, der sich in Hollywood-Blockbustern so selbstverständlich bewegt wie im Theater oder auf Vernissagen. Nicht nur auf seinen eigenen.
Die Liste seiner Talente ist lang: Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Maler.
Vier Bücher hat er veröffentlicht. Die hippsten Galerien stellen ihn aus, darunter die von Larry Gagosian. Und sogar das Museum of Modern Art in New York.
Er hat die Oscars moderiert, als er selbst nominiert war. All das mit 36 Jahren. Doch wenn James Franco lächelt, werden solche Dinge zur natürlichsten Sache der Welt.
Er kommt in Jeans und T-Shirt ans Set, Pappbecher und Skript in der Hand, so lässig, als ginge er an der Ecke ein Sandwich kaufen.
Wenn er die Coke light Flasche an den Mund setzt und aus einem Augenwinkel zur Kamera herüberlinst, schmelzen die Eiswürfel im Kühlschrank.
Doch James flirtet nur mit der Kamera. Alle sind konzentriert. Ruhe bitte.
Klappe. Interview James Franco, eins, die Erste.
Was ist für dich die größte Herausforderung bei einem Werbespot?
„Ich denke, es gibt eine bestimmte Einstellung, ein bestimmtes Gefühl, das man treffen möchte, aber es ist nicht wie eine dramaturgische Szene oder etwas dieser Art. Wir stehen hier oben auf einem Dach in Manhattan, das Wetter ist schön, und zwischendurch kann man darüber nachdenken, dass das Leben gut ist.“
Der Coke light Mann ist in Deutschland eine große Kampagne. Wie ist es für dich, das neue Gesicht zu sein?
„Es ist eine große Ehre, dass man mich gefragt hat. Ich habe in den letzten Jahren eine Menge Dinge getan, an die ich wirklich glaube, habe kreative Entscheidungen getroffen, nur für die Kunst. Es ist schön, zu sehen, dass ich Dinge machen kann, an die ich glaube, und dennoch jemand sein kann, mit dem Coke arbeiten möchte, denn ich denke, sie mögen die Dinge, die ich tue.“
Er spricht ruhig und wählt seine Worte mit Bedacht. Gar nicht so albern, wie man vielleicht nach seinen vielen Comedy-Fotos und -Auftritten vermuten könnte. Angenehmer Profi.
Es ist nicht mehr so wie vor 30 Jahren. Es geht nicht so sehr darum, der Typ mit dem Sixpack zu sein. Du bist hier eher der Frauenversteher. Wie würdest du den Spot erklären?
„Ich weiß nicht, ob ich ein Frauenversteher bin, aber bei dem Spot geht es eher darum – naja, es ist immer noch sexy, aber es kommt ganz anders rüber … eben auch smart. Ganz anders als die Vorstellung, die man früher von Männern und Frauen hatte.“
Was ist für dich wirklich sexy?
„Ich mag kreative Leute, das ist meine Welt, das ist mein Leben. Und das ist somit auch das, was mich wirklich anzieht: Leute, die an Kunst interessiert sind. Es macht alles so viel einfacher, wenn eine andere Person auch Interesse an diesen Dingen hat. Und für mich sind Kunst, Musik oder Malerei eine Sprache. Wenn jemand diese Sprache spricht, ist das für mich sehr attraktiv. Das ist sexy für mich.“

„Kreativität – das ist meine Sprache“

Vier Bücher hat er veröffentlicht. Eines davon, „Palo Alto“, wurde verfilmt von Gia Coppola, der Enkelin von Francis Ford und Nichte von Sofia. Superlative purzeln nur so in seiner Gegenwart. Okay, ein bisschen Namedropping: Robert De Niro wollte, dass er seinen Sohn spielt und verpflichtete ihn persönlich. In „Milk“ spielte er mit Sean Penn, „Im Tal von Elah“ neben Tommy Lee Jones. Sam Raimi holte ihn für seine „Spider-Man“-Trilogie und als Zauberer von Oz.
Noch ein paar Blockbuster: „Planet der Affen: Prevolution“, „Eat Pray Love“ und „Das ist das Ende“, in dem halb Hollywood sich auf James Francos Party vergnügt.
Die Kamera liebt ihn. Neben den Popcornfilmen spielt Franco aber genauso cool und engagiert in Arthouse-Filmen: Als schmieriger Drogendealer in „Spring Breakers“ lässt er jeden Ghetto-Rapper blass aussehen. Am Broadway stand er mit „Of Mice and Men“ auf der Bühne und führte selbst Regie in einer Off-Theater-Inszenierung. Musik macht er auch, mit seinem Projekt „Daddy“ dreht er die Videos dazu.
Ist es für dich schöner, wenn eine gut aussehende Frau zu dir sagt: „Du bist sexy“? Oder wenn sie stattdessen sagt: „Du bist so kreativ“. Ist das ein schöneres Kompliment für dich?
(Lächelt) „Eigentlich schon. Weil ich mehr daran arbeite. Ich verbringe nicht Stunde um Stunde damit, sexy zu sein. Ich verbringe mehr Zeit damit, meine kreativen Dinge zu tun. Wenn das also jemandem gefällt, fühlt sich das etwas besser an, als wenn mir jemand sagt, wie ich in einem Film ausgesehen habe.“
Andere Stars würden in der Pause in den Trailer gehen und sagen: „Okay, ich lege mich jetzt mal kurz hin, ich möchte nicht gestört werden, und dann bin ich wieder da“ – aber du machst immer irgendetwas.
„Ich arbeite seit nahezu 20 Jahren an Film-Sets und dort gibt es immer wieder lange Zeiten, in denen nichts passiert, egal, ob man einen Film dreht, eine Fernsehsendung oder einen Werbespot. Ich habe einfach gelernt, diese Zeit nicht zu verschwenden, sondern sie zu nutzen.“ (lacht)
Sein Vater hat portugiesische und schwedische Vorfahren, seine Mutter stammt aus einer Familie russisch-jüdischer Einwanderer. Sie lernen sich an der Stanford University kennen, in einem Malkurs. Die Mutter schreibt Kinderbücher und Romane und spielt gelegentlich in TV- und Kinofilmen. Der Vater studiert weiter in Harvard und eröffnet eine IT-Firma in Palo Alto.
Sie haben drei Söhne. James, der Älteste, wird sein Elternhaus später „liberal und weltlich“ nennen. Die Eltern wünschen sich für ihre drei Söhne eine akademische Karriere. In den ersten High-School-Jahren gibt James den Rebell, doch dann entdeckt er seinen Ehrgeiz. Den hat er bis heute nicht verloren. Zu Beginn seiner Karriere bereitet er seine Rollen geradezu manisch vor. Für „James Dean“ will er die Einsamkeit des Helden erfahren und spricht wochenlang nicht mit seiner Freundin. Er macht für eine Rolle einen Flugschein, für eine andere steigt er in den Boxring. 2006, da hat er seine erste Karriere schon gemacht, beginnt er wieder zu studieren. Derzeit ist er an mehreren Universitäten eingeschrieben, unter anderem in Yale.
Während der Make-Up-Artist an seinen Haaren zupft, blickt James Franco nicht einmal von seinem Smartphone auf. Twittert er gerade?


„Ich bin etwa gleichauf mit Eminem“

Es gibt immer Missverständnisse in Bezug auf Schauspieler, weil die Menschen nicht die Person kennen, die wirklich dahinter steht. Ist das der Grund, warum du Twitter magst – um gewissermaßen die Richtung vorzugeben, wie die Menschen über dich denken sollten?
„Das mache ich eigentlich nicht. Wenn du wirklich meinen Twitter Feed oder meinen Instagram Account anschaust, dann wirst du sehen, dass ich einfach Dinge poste, weil ich mich dafür interessiere. Um Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die ich tue. Ich kann nicht direkt auf die Leute zugehen und sagen: Hey, wenn du an dem interessiert bist, was ich tue, dann solltest du wissen, dass ich auch jenes tue.“
Du hast 2,3 Millionen Follower auf Instagram...
Ich bin etwa gleichauf mit Eminem. Dann gibt es natürlich noch Justin Bieber oder Lady Gaga. Aber ich bin eher auf dem Level von Eminem.
Für „127 Hours“ hätte er beinah einen Oscar bekommen. Er spielt darin einen Bergsteiger, der in einer Felsspalte feststeckt und mit seiner Videokamera spricht. So wie die Kids, die sich mit ihrer GoPro bei wilden Abenteuern filmen. Auch im realen Leben pflegt James eine innige Beziehung zur Kamera. Er gilt als Selfie-King bei Instagram. Statt sich von Paparazzi jagen zu lassen, stellt er selbst die privatesten Momente online. Tausende von Fotos aus nahezu jeder Lebenslage. Als er und sein Kumpel Seth Rogen das „Vogue“-Cover mit Kanye West und Kim Kardashian nachstellen haben sie in kürzester Zeit 200 000 Likes. Ein Mann auf der Höhe der Zeit.

„Ich hatte große Träume“

Wenn man bedenkt, dass du bei einer Fast-Food-Kette angefangen hast …
„Ich habe wirklich bei McDonald`s gearbeitet, als ich 18 war. Ich arbeitete, weil ich die Schule verlassen hatte, um Schauspieler zu werden. Ich habe es also nicht gemacht, weil ich nichts anderes konnte. Ich machte es, weil ich meine Träume verwirklichen wollte. Und ich hatte große Träume damals.“
Dabei hat er, so ist zu hören, verschiedene Gesten und Akzente an den Kunden ausprobiert. Man weiß nie, wen man am Tresen eines Fast-Food-Restaurants oder an einer Tankstelle vor sich hat. Der Kellner könnte irgendwann Oscar- oder Nobelpreisträger sein. In Zukunft: Trinkgeld geben!
Wenn dir damals jemand gesagt hätte, wie deine Karriere verlaufen würde, hättest du dir überhaupt vorstellen können, wo du heute stehst?
„Ich weiß nicht, ob meine Träume sich dann genauso verwirklicht haben, wie ich mir das vorstellte – vielleicht habe ich auch nicht groß genug geträumt, denn ich habe schon ein unglaubliches Leben. Heute kann ich nahezu alles machen, was ich will. Das ist schon toll.
Die Models werden geschminkt, die ersten springen schon in den Pool. Gleich steht er wieder vor der Kamera. James Franco lächelt. Perfekt. Und entwaffnend natürlich. Charmant und professionell. Spielerisch und konzentriert. Seinen Job machen und die Dinge dennoch nicht allzu ernst nehmen. So geht man mit einem Lächeln durch die Welt. Es ist ein sonniger Tag. Ist das Leben nicht wundervoll?
Auf Euch, Ladies!
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