Warum uns Arbeiten glücklich macht

Nein, ich werde mich nicht aufregen. Ganz sicher. Ich bleibe cool.
Ich stehe an der Kasse in einem schwedischen Möbelhaus. Ein beliebter Zeitvertreib in der Vorweihnachtszeit. Um mich herum: Gebirge von Sternen und Kerzen durch die vollbeladene Wagen mit Lampen, Tischen, Stühlen geschoben werden. Ich beobachte fasziniert jenen Bereich, in dem die Kunden mit piepsenden Scannern hantieren.
Früher galt das Gebiet vor den Kassen als psychologische Kampfzone, eine ernsthafte Prüfung für Paarbeziehungen. Die Luft war elektrisch vor angestauter Aggression. Heute scherzen und herzen sich die Leute. Alle sind happy, seit es dort Kassen gibt, an denen man seine Ware selber scannt. Zwar ist mittlerweile bekannt, dass es zwei bis drei Mal so lange dauert, wenn die Kunden die Arbeit der Kassenprofis selbst erledigen. Aber sie sind trotzdem zufriedener. Das liegt am Gefühl der Selbstwirksamkeit.
Menschen, die glauben, mit ihrem Handeln etwas bewirken und auch schwierige Situationen meistern zu können, empfinden sich nicht als Opfer der Umstände; sie sind optimistischer und psychisch stabiler. Auch deshalb wurde die Idee mit den Selbstbedienungskassen inzwischen vielfach kopiert. Die Firmen sparen damit kaum Personal, denn sie brauchen Leute, die den Kunden sagen, wie man den Scanner bedient und hinterher kontrollieren, ob man nicht geschummelt hat. Aber es herrscht eine viel angenehmere Atmosphäre.
Warum uns Arbeit glücklich macht

Ein weiterer Grund für die Fröhlichkeit ist ein Effekt, mit dem das Möbelhaus in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen ist: Der „Ikea-Effekt“. Der Wirtschaftwissenschaftler Michael Norton untersuchte mit seinen Kollegen, warum viele Menschen so gern Möbel aus Bausätzen zusammenbauen und diesen dann mehr Wertschätzung entgegenbringen als einem fertig gekauften Produkt.
Antwort: Die einzigartige Bindung zwischen Kunde und Möbel entsteht buchstäblich beim Zusammenschrauben. Etwas, das wir selbst gemacht haben, halten wir grundsätzlich für wertvoller. Das gilt auch für Legohubschrauber oder Kastanienmännchen. Wenn wir etwas mit eigenen Händen erschaffen, macht uns das zufrieden. Wir hängen unser Herz sogar an ziemlich verkrümpelte Origamifiguren. Oder, um es mit dem Titel von Nortons Studie zu sagen: Labour leads to love.
Wie wichtig das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Wertschätzung für unser Wohlbefinden ist, zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das jedes Jahr 20.000 Menschen zu ihrem Lebensweg befragt. Aus den Daten der letzten 20 Jahre geht hervor: Je zufriedener jemand mit seiner Arbeit war, desto seltener war er Raucher, litt an Übergewicht oder musste ins Krankenhaus. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die eigene Qualifikation zum Job passt oder ob jemand ein paar Stunden mehr oder weniger arbeitet. Entscheidend ist, ob die Arbeit als erfüllend empfunden wird.
Fertig. Alles im Wagen. Nachher baue ich einen meinen neuen Schrank zusammen. Aber vorher muss ich noch etwas Wichtiges entscheiden: Hot Dog oder Softeis?