Deutschland ist ein Wassersportland. Schwimmen, Segeln, Surfen oder Wasserski – in den Sommermonaten zieht es Hunderttausende an Nord- und Ostsee, an Seen und Flüsse. Seit Jahren ist Wakeboarden auf dem Vormarsch – für Laien eine Art Snowboard zu Wasser. Für Wakeboarder jedoch ist es der coolste Sport überhaupt.

Wakeboarden mit Dner und Sina - Coke TV



Es zieht an den Armen, der Ruck kommt plötzlich und kräftig. Fast im Schleudergang geht es von der gepolsterten Bank ins Wasser. Es spritzt und klatscht. Reingefallen - nach drei Metern ist die erste Fahrt auch schon zu Ende. Für Anfänger beginnt Wakeboarding mit mehr Zeit im Wasser als auf dem Wakeboard. 

Wakeboarding
Echte Hürde für Anfänger: der Start.

In Großbeeren bei Berlin tummeln sich auf der Wakeboard- und Wasserskianlage zehn Neulinge, die einen Schnupperkurs gebucht haben. Am Ende der zwei Stunden wird gut die Hälfte von ihnen eine ganze Runde auf dem Wakeboard schaffen. Dazwischen liegen viele, viele Fehlstarts. Der Fahrer wird beim Wakeboarden durch die Zugmaschine innerhalb kürzester Zeit von Null auf 27 Stundenkilometer beschleunigt. Wenn da die Körperhaltung nicht stimmt, geht erst das Wakeboard unter und der Fahrer taucht gleich hinterher, erklärt Steffen Topp. Der 26-Jährige bildet auf der Anlage den Nachwuchs aus und weiß, wie frustrierend die ersten Versuche sind. Da sind tröstende Worte oft wichtig. Und: Die Anfängerfehler gleichen sich und lassen sich leicht vermeiden. Viele, die es zum ersten Mal mit dem Wakeboard versuchen, belasten den vorderen Fuß oder haben auf dem Brett zu wenig Körperspannung. Die Power der Zugmaschine werde einfach unterschätzt, erzählt der Trainer. Frauen hätten da erfahrungsgemäß ein besseres Händchen: Was Männer mit Kraft versuchten, löse die Damenwelt mit Köpfchen, so Steffen. Ist der Start irgendwann geglückt, kommt nach gut 100 Metern Hürde Nummer Zwei beim Wakeboarden: die Kurve. Hier ist für Anfänger meist wieder Schluss, denn wer sich falsch in die Kurve legt, fällt rein.

Auch Meister gehen erst mal baden

Wakeboarding - Raus aus der Nische, hin zum Trend!
Coolness-Faktor: sehr hoch! Steffen Topp und sein Wakeboard

Steffen Topp hat vor acht Jahren mit Wakeboarding begonnen. Wenn er heute Salti schlägt und meterhoch durch die Luft fliegt, sieht es mühelos aus, aber auch er stand zu Beginn wacklig auf dem Wakeboard. „Normalerweise empfehle ich jedem, zuerst das Fahren auf Wasserskiern zu lernen. Du hast dann einfach eine bessere Körperbeherrschung. Allerdings sieht das lange nicht so cool aus wie auf dem Wakeboard.“

Den Vergleich zum Snowboard scheut Steffen Topp. Wakeboard sei eine eigene Sportart, betont er. Trotzdem erinnert vieles an den Pistensport: lässige Klamotten, denn selbst eine Schwimmhose lässt sich im Baggystile tragen, außerdem coole Schriftzüge und  schrille Farben. Die Wakeboards wurden weiterentwickelt in den letzten Jahren. Sie sind flexibler und lassen sich immer besser fahren. Die Coolness hat allerdings ihren Preis:  Für eine verünftige Ausrüstung werden rund 800 Euro fällig. “Aber wenn es Dich einmal erwischt hat, dann stehst Du auch regelmäßig auf dem Brett”, sagt Steffen lachend. Anfangen sollte man frühestens mit neun oder zehn Jahren, für jüngere Kinder sei der Zug des Lifts zu kräftig. Nach oben hin gäbe es altersmäßig aber keine Grenze. Überhauptstehe der Sport jedem offen. Steffen Topp erinnert sich bis heute beeindruckt an die gemeinsame Fahrt mit einem querschnittsgelähmten Wakeboarder.

Wakeboarding
Hier ist ein Profi am Werk: Steffen Topp in Aktion

Auf der Anlage in Großbeeren neigt sich die Übungseinheit dem Ende entgegen. Nicht alle Anfänger haben ihre erste Runde ganz gemeistert, sie sehen aber trotzdem glücklich aus. Leicht abgekämpft, aber happy.

Viele von ihnen wird Steffen Topp wiedersehen. Die Gemeinde der Wakeboarder wächst, die Zahl der Wakeboardanlagen in Deutschland ebenso.

Das liegt nicht zuletzt an Sportlern wie Steffen. Wenn er nach dem Anfängertraining seine Runden dreht, in der Kurve bis auf 50 Stundenkilometer beschleunigt und  seine Sprünge macht, stehen die Schüler staunend am Rand. Und der ein oder andere träumt sich in die Zukunft. Beim Wakeboard gilt wie bei jeder Sportart: Übung macht den Meister.