Durch die Schleuse durch, dann ist es dunkel. Hier gibt es kein Licht, nicht ein bisschen. Blinde oder sehbehinderte Kellner sind die Reiseführer durch die Dunkelheit. Auf sie muss man sich verlassen beim Dinner in the Dark. Wie das Essen im Dunkeln genau funktioniert, haben wir Antje Schulz vom Berliner Dunkelrestaurant Nocti Vagus gefragt.
Ein Foto vom Essen und dann schnell geteilt auf Twitter, Instagram & Co. Das gibt’s im Nocti Vagus nicht. „Wir achten sehr darauf, dass zum Beispiel Handys ausgestellt und Uhren mit leuchtenden Zifferblättern weggepackt werden, denn bei vollständiger Dunkelheit kann schon die kleinste Lichtquelle den Raum erleuchten“, so Schulz. „Die Dunkelheit macht viele Menschen nervös und aufgeregt, doch innerhalb von fünf Minuten haben sie sich in der Regel daran gewöhnt“, erklärt sie außerdem. Beruhigung bringen auch die blinden und sehbehinderten Kellner, die sich immer in der Nähe aufhalten und den Gästen nicht nur Essen und Getränke bringen, sondern sie außerdem in der Dunkelheit unterstützen. „Den Gästen wird zudem vor dem Essen ganz genau erklärt, wie die Dinge auf dem Tisch angeordnet sind, daher kommt es auch selten vor, dass mal etwas umfällt“, sagt Antje Schulz.

Entschleunigt und sozial

Antje Schulz ist Mitgründerin des Nocti Vagus. Etwas Besonderes habe sie machen wollen, sagt sie. Doch das nicht allein. „Wir wollten den Stress und die Schnelligkeit aus der Stadt herausnehmen“, sagt Schulz, „ich finde Essen im Dunkeln extrem entspannend.“ Am Beginn von Nocti Vagus stand aber nicht nur der Wunsch nach Entschleunigung, sondern ebenso ein sozialer Gedanke. Denn hier arbeiten sehende mit blinden und sehbehinderten Kollegen zusammen. „Das Restaurant ist ein anerkanntes Integrationsprojekt“, so Antje Schulz, „es war uns wichtig, Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Menschen zu schaffen.“

Langsame Aromen

Und was kommt beim Essen im Dunkeln auf den Teller? Im Nocti Vagus können sich die Gäste für ein Menü von der Karte oder ein Überraschungsmenü entscheiden. „Das macht etwa die Hälfte der Gäste – und wir stellen uns beim Überraschungsmenü natürlich auch auf deren Wünsche ein, etwa wenn jemand kein Fleisch isst“, erklärt Schulz. Egal, ob vegetarisch oder nicht: Das Kochen fürs dunkle Restaurant ist für die Küchenmannschaft eine besondere Herausforderung. „Im Dunkeln schmeckt man natürlich ganz anders, deshalb sind kräftige Aromen sehr wichtig. Diese sollten sich zudem erst nach und nach langsam entfalten“, sagt sie.

Weniger Hemmungen

Die Dunkelheit verändert die Menschen, die zu Gast sind im Nocti Vagus. „Mein Eindruck ist, dass sich die Menschen im Dunkeln mehr trauen.“ Das zeige sich vor allem beim stets variierinden Unterhaltungsprogramm. Diese Programme untermalen die Dinner und haben häufig Elemente, die das Publikum integrieren. „Wenn es zum Beispiel darum geht, Tiergeräusche nachzuahmen, haben viele Gäste weniger Hemmungen als sie dies wahrscheinlich im Hellen hätten“, sagt Antje Schulz, „da brüllen bei uns die Löwen manchmal ganz schön laut.“