Selbst die Doktorfische scheinen zu merken, dass etwas anders ist als sonst. Leise Musik spielt im Hintergrund. Geschirr klappert. Menschen in Abendkleidung streifen an den blau illuminierten Becken vorbei. Im Kerzenschein heften sie ihre Blicke auf Piranhas und Haie, Rochen und Quallen. Erst dann widmen sie sich ihren Tischen und Tellern. Kein Alltag im Zoo-Aquarium Berlin. Sondern ein Dinner, das seit bald zwanzig Jahren auch den Fischen neue Perspektiven eröffnet.
Dinner im Aquarium
Besonders beliebt: der Tisch bei den Haien

An sechs Terminen zwischen November und Februar organisieren das Aquarium Berlin und das Hotel Steigenberger gemeinsam ein Candle-Light-Dinner. Seit 1996 können Gourmets, die den Fisch nicht nur auf dem Teller mögen, neben den Meeresbewohnern speisen. „Wir servieren natürlich auch Fischgerichte, meist als Vorspeise“, sagt René Baruth, Director of Restaurants des Steigenberger Berlin, „aber garantiert keinen Fisch, der aus dem Zoo-Aquarium stammt.“ Beim viergängigen Menü werden deutsche Speisen mit internationalem Einschlag serviert, auf der Karte für die aktuelle Saison stehen unter anderem Steckrübensuppe und Zweierlei vom Rind sowie ein hausgemachtes Kokoseis. Auf Vorbestellung gibt es zudem ein vegetarisches Menü. Das Essen wird direkt aus der nur 700 Meter entfernten Küche des Hotels geliefert. „Ein Anruf genügt und der nächste Gang ist unterwegs.“

Am beliebtesten: das Haifischbecken

Wo sie sitzen wollen, suchen sich viele schon vorher aus. Denn das Dinner im Aquarium kennt zahlreiche Stammgäste. Besonders beliebt ist der Tisch bei den Haien. „Für den haben wir in der Regel schon lange im Voraus Anfragen“, sagt Baruth. Aber auch bei den Piranhas gibt es reichlich zu sehen. Für Orientierung im Becken sorgt der ehemalige Direktor des Zoologischen Gartens, Dr. Jürgen Lange, einer der Initiatoren des Dinners. „Zu Beginn der meisten Dinner gibt er eine kleine Einführung zum Zoo-Aquarium, seiner Geschichte und natürlich den Meeresbewohnern, die hier zu sehen sind“, sagt René Baruth.
Dinner im Aquarium
Candle-Light-Dinner im Aquarium Berlin

Bloß kein Stress!

Dass ein Aquarium kein Veranstaltungsraum wie jeder andere ist, darauf hat sich das Organisationsteam perfekt eingestellt. Maximal anderthalb Stunden bleiben zwischen dem Schließen des Aquariums und dem Eintreffen der ersten Gäste. Da kann es schon mal kurz hektisch werden. „Stress für die Fische soll jedoch möglichst vermieden werden“, sagt der Organisator vom Steigenberger Berlin. Keine allzu laute Musik. Und auch ein Tanz auf den Tischen bis in die frühen Morgenstunden ist hier nicht drin, so Baruth: „Das würde den Biorhythmus der Tiere zu sehr stören. Deswegen ist gegen 23 Uhr Schluss. Bis etwa ein Uhr sind dann die letzten Spuren des Dinners beseitigt.“ Spätestens dann kehren auch die Doktorfische zurück in ihren Alltag im Aquarium Berlin.